Berlin/Zerbst l Der XIII. Internationale Peter-der-Große-Kongress tagte in der zweiten Oktoberhälfte im Russischen Haus der Wissenschaft und Kultur in Berlin. Vor zehn Jahren fand der erste Internationale Peter-der-Große-Kongress in Sankt Petersburg statt, 2010 wurde dort das Peter-der-Große-Institut gegründet.

Im Jahr 2017, als sich der Besuch von Zar Peter I. in Frankreich zum 300. Mal jährte, tagte der Kongress erstmals außerhalb Russlands, nämlich in Paris. Und 2019 – in Berlin, im Rahmen des noch laufenden Kulturfestivals „Russische Saison- 2019“. Die Schirmherrschaft über den Internationalen Peter-der-Große-Kongress teilen sich das russische Kulturministerium, die Botschaft der Russischen Förderation in Deutschland und der Kulturausschuss der Regierung von Sankt Petersburg. Zu den Veranstaltern gehören Museen von Weltruf wie die Staatliche Eremitage, das Staatliche Museum und Naturreservat „Peterhof“, die Kunstkammer in Sankt Petersburg, das bereits erwähnte Peter-der-Große-Institut und andere. Das Thema des XIII. Internationalen Peter-der-Große-Kongresses lautete „Russland und Deutschland in der Petrinischen Epoche: Historische und kulturelle Beziehungen.“.

Ein Grußwort seitens der russischen Regierung überbrachte Alla Malinowa, stellvertretende Kulturministerin der Russischen Förderation. Sie nannte Peter den Großen, ein Phänomen, eine einzigartige Persönlichkeit in der russischen Geschichte, denn er brachte seinerzeit die fortschrittlichsten Technologien von Europa nach Russland, begründete nicht nur diplomatische Beziehungen dorthin, sondern auch dynastische Verbindungen. Bezugnehmend auf die deutsch-russischen Beziehungen, betonte sie: „Uns verbindet mehr, als uns trennt“.

Auch der russische Botschafter Sergej Netschajew dankte in seinem Grußwort allen Organisatoren und Historikern für ihre Bemühungen, die Forschungen über Peter den Großen zu popularisieren, denn schlussendlich sei die Petrinische Epoche in Russland eine besondere gewesen, sie habe das Fenster nach Europa geöffnet. Und er wies darauf hin, dass durch Zar Peter I. der Grundstein für die langjährige produktive Zusammenarbeit zwischen Russland und Deutschland gelegt worden sei. An der Tagung in Berlin nahmen vom Internationalen Förderverein „Katharina II.“ Zerbst e.V. die Vorstandsmitglieder Annegret Mainzer, Ursula Böttge, Ilona Pflug und Johanna Lüdecke teil.

Wissenschaftler aus 6 Ländern

Zu den Referenten gehörte auch der renommierte Historiker Dr. Michael Schippan, langjähriges Ehrenmitglied des Katharina-Vereins, der zum Thema „Peter I. in den deutschen Territorien (1697-1717)“ sprach. Verabredet wurde ein Vortragsabend mit Dr. Schippan in Zerbst für 2021. Insgesamt konnten die Kongressteilnehmer 35 Vorträge von Wissenschaftlern aus 6 Ländern hören. Neben Dr. Schippan referierten in Berlin ebenfalls die Historiker Jan Kusber und Galina Smagina, die an der internationalen wissenschaftlichen Konferenz, die 1996 zum 200. Todestages von Katharina II. in Zerbst stattfand, teilgenommen hatten.

Für die teilnehmenden Zerbsterinnen waren die Ausführungen der Vertreter des Peter-des-Großen-Instituts von nicht geringem Interesse, da hier an dem Projekt einer europaweiten touristischen „Route Peter des Großen“, ähnlich den bereits zertifizierten Routen wie der Mozartstraße oder der Wikingerroute, gearbeitet wird. Grundlage für die Peter-der-Große-Route bilden 700 Denkmale, Gedenktafeln in 50 russischen Regionen und 500 Denkmale, Gedenktafeln in 27 europäischen Ländern, darunter nicht nur in Deutschland, auch in Österreich, Belgien, Frankreich und den Niederlanden. Potenzial für diese Route bieten unter anderem auch Weißrussland, Tschechien, Dänemark und die baltischen Staaten. Hier sehen die Mitglieder des Katharina-Vereins Potenzial für den Tourismus in Zerbst, sich in dieses Netzwerk miteinzubringen, Synergieeffekte zu nutzen. Diesbezüglich werden sie Kontakt zum Peter-dem-Großen-Institut aufnehmen.

Was Havelberg mit Peter dem Großen zu tun hat

Während der Eröffnung des Kongresses bekamen drei Städte – Kaliningrad, Havelberg und Coppenbrügge – die Fahne mit dem Aufdruck „Der Weg Peter des Großen“ überreicht. Im Jahr 1716 hatten sich Zar Peter der Große und der preußische Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. in Havelberg getroffen, um gemeinsam eine Allianz gegen die Schweden zu beschließen. Schon vor dem Havelberger Treffen hatte Peter I. das seinerzeit im Berliner Stadtschloss befindliche Bernsteinkabinett zu Gesicht bekommen und der Soldatenkönig, dem das Interesse des Zaren für das Bernsteinkabinett nicht entgangen war, machte es ihm zum Geschenk. Heute erinnern zwei Bronzefiguren in Havelberg an dieses Treffen.

Die Mitglieder des Katharina-Vereins trafen in Berlin auch auf weitere Gleichgesinnte, zum Beispiel auf Lora Laevskaya und Professor Helmut Grieser vom Zarenverein in Kiel und diskutierten mit ihnen in den Tagungspausen eine mögliche gemeinsame Veranstaltung zum 275. Hochzeitstag von Katharina II. und Peter III. im Jahr 2020.

Austausch und Vernetzung

Der XIII. Internationale Peter-der-Große-Kongress in Berlin bot den Mitgliedern des Katharina-Vereins die Möglichkeit, sich über aktuelle Ergebnisse auf dem Forschungsfeld „Peter der Große“ zu informieren und sich mit Projekten zu vernetzen.