Zerbst/Anhalt l Der Planet brennt und das seit Wochen. Auch als die Bauern des Bauernverbandes Anhalt ihre jährliche Flurfahrt antreten, steht die Sonne hoch am fast wolkenlosen Himmel.

Trockenheit und Hitze

Wetter, ein Thema, das sonst gern für Smalltalk genommen wird, ist in der Gruppe der Bauern ein ernstes Hauptthema, vor allem, wenn es so ist wie gerade. „Trockenheit und Hitze machen fast jedem von uns zu schaffen“, weiß Thomas Külz, Vorsitzender des Bauernverbandes Anhalt.

Alle Bauern würden mit erheblichen Einbußen wegen der Trockenheit in diesem Jahr rechnen. „Auch noch kommender Regen wird hier nicht mehr helfen können. Dafür sind manche Stellen einfach auch schon zu trocken“, meint er. Selbst wenn jetzt noch was wachse, hätte man Einbußen, da ja auch nach Qualität bezahlt werde, und die sei bei so wenig Regen eben nicht besonders hoch. Außerdem sei die Preissituation bei Gerste, Weizen, Roggen und Co. derzeit sehr schlecht. „Eine Tonne wird gerade mit unter 150 Euro vergütet. Wenn wir wirtschaftlich arbeiten wollen, dann müsste der Preis bei etwa 180 Euro liegen, bei 160 Euro die Tonne wäre es gerade kostendeckend“, erklärt er die Miesere.

Bilder

Doch die Hoffnung stirbt zu Letzt. „Wir können noch auf die Bestände von Mais und Rüben hoffen. Beides ist bisher gut aufgegangen. Wenn da noch Regen kommt, könnte zumindest das noch was werden“, versucht Külz optimistisch zu bleiben.

Er organisiert jedes Jahr die Flurfahrt des Bauernverbandes Anhalt mit. Auch dieses Jahr wurde das Angebot gut angenommen. Rund 42 Bauern waren im Bus mit dabei, als es durch den Großraum Altkreis Zerbst ging: Garitz, Lindau, Hundeluft und Düben wurden da angefahren. In Lindau beim Agrarbetrieb Agrico Lindau Stopp gemacht, für Pause und Betriebsbesichtigung.

Erhoffter Regen

Auch für Vorstandsvorsitzenden und Geschäftsführer der Agrico Lindau Peter Gottschalk war das Wetter das Hauptthema bei der Flurfahrt. „Seit Wochen schauen wir in den Wetterbericht und vermutet man eine Regenfront, dann hat sie sich aufgelöst, sobald sie in die Region zieht. In diesem Zustand hangeln wir uns seit Mai von Tag zu Tag“, beschreibt er den gegenwärtigen Alltag.

Sicherlich wäre die Hitze auch für andere Menschen anstrengend, „aber bei Landwirten geht es um die Lebensgrundlage“, betont er. Er könne sich auf Grund der Ernteaussichten durchaus vorstellen, dass Betriebe, in diesem Jahr in die roten Zahlen geraten können. „Wir können noch gar nicht wagen, einzuschätzen, wie schlecht es wird. Das es schlecht wird, wissen wir aber alle“, stellt er fest.

Die Flurfahrt ist dafür da, sich über den gegenwärtige Zustand der Äcker und Felder auszutauschen, und das dieser derzeit äußerst bedenklich ist, darüber waren sich alle einig. „Die Sandböden sind sehr stark zusammen gebrannt durch das Zusammenspiel von Hitze und Trockenheit gleichzeitig. Die Lehmböden halten noch tapfer etwas durch. Die Gewitter, die vereinzelt in den vergangenen Tagen aufgetreten sind, haben nur punktuell für Stress-Entlastung gesorgt, aber nicht die Gesamtsituation entschärft“, schätzt Gottschalk ein.

Mit diesem Zustand stehen aber nicht nur die anhaltischen Landwirte allein da. Alles, was östlich und nördlich der Region Anhalt liegt, hat in den vergangenen Wochen das gleiche Wetter beschert bekommen. Landwirten in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern geht es ähnlich.

Zur mauen Ernte und zu den mauen Preisen könnte noch ein weiterer kritischer Punkt kommen: „Bei schlechter Ernte könnte auch die Futterversorgung der Rinder und Milchkühe ins Wanken kommen“, sagt Gottschalk.

Doch als Landwirt müsse man mit so etwas leben. „Das Wetter ist wie es ist. Da trägt niemand die Schuld. Aber der Zustand ist schon sehr außergewöhnlich. Hätten wir nur Trockenheit und keine Hitze, wäre alles halb so wild“, sagt er zum Schluss.