Zerbst l „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, sagt Heike Bengner. Zwei kräftezehrende, anstrengende Jahre lägen hinter ihnen, blickt die Leiterin der Astrid-Lindgren-Grundschule in Zerbst zurück. Mittlerweile ist – unabhängig von Corona – die Phase der Zusammenlegung von Klassen und des Unterrichtsausfalls glücklicherweise vorbei. „Es ist etwas entspannter“, gesteht Heike Bengner. Dennoch bestehe nach wie vor Bedarf an weiteren pädagogischen Kräften. „Vielleicht findet sich doch noch jemand“, übt sie sich in Geduld.

In ganz Sachsen-Anhalt mangelt es seit geraumer Zeit an ausreichend Lehrern. Um die Lücken zu schließen, startet das Land regelmäßig neue Ausschreibungsrunden. Nun läuft die nächste, Bewerbungsfrist ist der 14. März. Insgesamt 1000 Stellen sollen bis zum kommenden Schuljahr besetzt werden, wie aus der Pressemitteilung des Bildungsministeriums hervorgeht. Das erste Mal unterstützen sogar Personalberatungsagenturen bei der Lehrergewinnung – gezielt sollen diese auch im Ausland und nach Seiteneinsteigern suchen.

Fast alle Schulen in Zerbst in Stellenliste

In der konkreten Stellenliste finden sich fast alle Schulen der Einheitsgemeinde Zerbst wieder. Für die Sekundarschule Ciervisti werden gleich vier Lehrer gesucht und zwar für die Fächer Biologie oder Chemie, Geografie, Französisch und Sport. „Hoffentlich sind sie erfolgreich“, sagt Kirsten von Mandel. Denn während die Schülerzahlen steigen, nimmt die Zahl der Lehrer unter anderem dadurch ab, dass einzelne in den Ruhestand wechseln.

„Tatsächlich könnten wir acht Lehrer gebrauchen“, konstatiert die Schulleiterin beim Blick auf die mehr als 200 offenen Stunden und die 546 Schüler, die voraussichtlich ab September Ciervisti besuchen. „So viele waren eigentlich erst für das Jahr 2025 prognostiziert“,sagt Kirsten von Mandel. Sie erzählt, dass es fünf neue fünfte Klassen geben wird – ein Umstand, der noch für eine andere Herausforderung sorgt.

Nicht ausreichend Lehrräume

„Da kriegen wir ein richtiges Platzproblem“, sagt Kirsten von Mandel. Schon jetzt gibt es am Schulstandort in der Fuhrstraße nicht ausreichend Räume, weshalb der Landkreis Anhalt-Bitterfeld als Träger der Bildungseinrichtung zusätzliche Räume im Gebäudekomplex des einstigen Frauenklosters an der Breite angemietet hat.

Im dortigen Kasernenflügel haben inzwischen Sanierungs- und Umbauarbeiten begonnen, um künftig ebenfalls die zweite obere Etage neben den beiden unteren Geschossen nutzen zu können. Allerdings soll die Maßnahme nach jetzigem Stand erst Ende 2022 abgeschlossen sein. Kirsten von Mandel zweifelt, dass der Zeitplan eingehalten wird.

Digitalisierung noch zu unterentwickelt

Mit Skepsis betrachtet sie ebenfalls die jetzige Stellenausschreibung. „Ob wir so attraktiv als Standort sind?“, fragt sie sich und meint damit nicht die Region an sich. Vielmehr spielt sie auf die Digitalisierung an: „Da sind wir noch im Wald unterwegs. Das ist traurig.“

Dass das Land jede Möglichkeit zur Anwerbung von Lehrern nutzt, begrüßt Kirsten von Mandel. Um die Stundentafel nicht einkürzen zu müssen, ist pädagogische Verstärkung notwendig. Dringend bräuchten sie einen Sportlehrer, betont die Schulleiterin. Als Überbrückung für das zweite Halbjahr hätten sie nun vorerst einen bekommen. Sie hofft, denjenigen vielleicht vom Bleiben überzeugen zu können. Auch Seiteneinsteiger sind in Ciervisti willkommen. „Da hatten wir bislang Glück“, sagt Kirsten von Mandel.

Quereinsteiger gern gesehen

Positive Erfahrungen mit beruflichen Quereinsteigern hat man auch bereits an der Förderschule Am Heidetor in Zerbst gemacht. „Das läuft gut. Sie sind sehr engagiert“, lobt Sylvia Focke. Denn Sonderpädagogen seien in der Region rar gesät, wie die Schulleiterin weiß. Trotzdem „sind wir guter Dinge“, bemerkt sie hinsichtlich der aktuellen Ausschreibung.

Drei Stellen sind dort für die Förderschule aufgelistet, allesamt versehen mit einem „G“. Das bedeutet, dass in diesen Fällen eine Zulage gezahlt werden kann. Mit diesem finanziellen Anreiz wirbt das Land für schwer besetzbare Stellen. In diese Kategorie fallen ebenfalls die Grundschulen An der Burg in Lindau und Vorfläming in Dobritz, wo jeweils ein Lehrer händeringend gesucht wird, während es an der Zerbster Astrid-Lindgren-Grundschule sogar zwei sind. Auch hier winkt ein Bonus zum Gehalt.

Zuversicht hinsichtlich Bewerbern

Anders schaut es bei den zwei Stellen aus, die für die Grundschule An der Nuthe in Walternienburg ausgeschrieben sind. Da scheint man zuversichtlich zu sein, dass sich Bewerber finden. Das gilt ebenfalls für das Zerbster Gymnasium – für das Francisceum wird neben einem Biologielehrer ein Lehrer gesucht, der die Fächerkombination Englisch/Latein unterrichtet.