Zerbst l Die Statistik belegt es. Im vorigen Jahr produzierten die Zerbster deutlich mehr Müll als 2019. Die Abfallmenge insgesamt stieg von 433,15 auf 452,20 Kilo je Einwohner der Einheitsgemeinde an. Damit liegt die Region im kreisweiten Vergleich mit Bitterfeld und Köthen im Mittelfeld, wobei sie bei näherer Betrachtung der Zahlen durchaus Spitzenwerte hervorgebracht hat.

Beim Sperrmüll beispielsweise. Dort verteidigten die Zerbster mit 52,08 Kilo je Einwohner eindeutig ihre Führungsposition. Gegenüber dem Vorjahr war das ein Plus von immerhin fünf Kilo auf jeden einzelnen. Hier sei deutlich spürbar gewesen, dass die Menschen coronabedingt mehr Zeit daheim verbrachten als üblich und einmal in Ruhe aussortieren konnten. Das zumindest schlussfolgert Heike Schrader aus der nun vorliegenden Auswertung der 2020 angefallenen Abfallmengen durch die Anhalt-Bitterfelder Kreiswerke (Abikw).

Annahmestelle geöffnet

Sie leitet die Niederlassung bei Straguth, die nach Ausbruch der Pandemie vergangenes Frühjahr zunächst vorübergehend schließen musste. „Als wieder offen war, ist der Andrang enorm gewesen“, blickt Heike Schrader zurücke. Ob Altmetall oder Elektroschrott – rege erfolgte die Anlieferung. Auch momentan ist die Annahmestelle unter Beachtung der derzeit geltenden Hygiene- und Abstandsregeln geöffnet.

Doch zurück zum Sperrmüll. Dessen Anmeldung ist längst nicht mehr nur mittels Karte möglich, sondern ebenfalls online. Und dieses Angebot wird immer stärker genutzt. Jeder Zweite habe die Abholung bereits auf diesem Wege veranlasst, erzählt Heike Schrader. Auch die Abfall-App der Abikw würden sich Kunden zunehmend auf ihr Handy herunterladen. „Das freut uns natürlich“, bemerkt die Niederlassungsleiterin. Hintergrund ist auch, dass der Abfallkalender seit diesem Jahr nicht mehr in der gedruckten Variante herausgegeben wurde.

Auch mehr Bioabfälle

Die Einschränkungen durch Corona wirkten sich allerdings nicht nur auf die Menge des Sperrmülls aus. Bei den Bioabfällen wurde ebenfalls eine Zunahme registriert. Das mag zum einen daran liegen, dass durch Homeoffice und Homeschooling mehr zu Hause gekocht wurde. Zum anderen könnte die Tatsache eine Rolle spielen, dass viele ihren Urlaub daheim verbrachten und sich verstärkt ihrem Garten widmeten.

Von 89,02 auf 93,51 Kilo je Einwohner erhöhte sich 2020 die Menge, die sich in den Biotonnen wiederfand. Zudem „haben wir etliche Sonderverträge über eine zusätzliche zweite Biotonne abgeschlossen“, berichtet Heike Schrader. Für eine solche fallen pro Abholung 1,84 Euro extra an, merkt sie an.

Auf richtige Mülltrennung kommt es an

Beim Blick auf den gesamten Landkreis befindet sich die ländlich geprägte Zerbster Region damit allerdings noch weit hinter den Orten jenseits der Elbe, was mit den individuellen Kompostiermöglichkeiten zusammenhängen könnte. So bleibt der Raum Bitterfeld bei der Menge an Bioabfällen mit 165,05 Kilo je Einwohner klar an erster Stelle, gefolgt von Köthen mit immerhin 131,29 Kilo je Einwohner.

Heike Schrader ist derweil wichtig zu ergänzen, dass jeder darauf achtet, keine Folie oder Plastik in die Biotonne zu werfen. Immerhin wird deren Inhalt zur Kompostieranlage nach Bitterfeld gefahren, wo aus den Abfällen Erde gemacht wird. Fälschlicherweise würden auch immer mal wieder gebrauchte Küchen- oder Taschentücher in den blauen Tonnen für Papier und Pappe landen. „Das ist aber verschmutzter Restabfall“, macht die Niederlassungsleiterin deutlich. Bedeutet, diese Dinge gehören in die schwarze Hausmülltonne.

Zerbster liegen bei Restmüll weit vorn

Apropos. Beim Restmüll liegen die Zerbster nach wie vor ganz vorn. 188,23 Kilo entfielen da im zurückliegenden Jahr im Schnitt auf jeden Einwohner. 2019 lag die Menge mit 184,38 Kilo etwas niedriger. In den Altkreisen Köthen und Bitterfeld landete weniger Abfall in den schwarzen Tonnen – nur zwischen rund 176 und 178 Kilo waren es in diesen Regionen je Einwohner.

Ein „leichter Anstieg“ wurde ebenfalls beim illegal entsorgten Müll festgestellt. „Leider“, bemerkt Heike Schrader. „Die dadurch verursachten Kosten werden in das Abfallentgelt mit eingerechnet“, gibt sie zu bedenken. Das wirkt sich auf die Gebührenhöhe für alle aus.