Zerbst l „Wenn ich nicht male, kann ich nicht leben“, erzählt Simone Runge mit leuchtenden Augen von ihrer größten Leidenschaft. Gern hätte sie ihre Passion zum Beruf gemacht. „Ich sollte aber was Ordentliches lernen“, erinnert sich die 58-Jährige. Also studierte sie Betriebswirtschaft und arbeitete später im öffentlichen Dienst. „Ich habe mich immer theoretisch mit Kunst beschäftigt“, blickt die Hallenserin zurück. Ihre Begeisterung für die Malerei riss nie ab.

Als Simone Runge 2008 erkrankte, animierte sie ihre Kunsttherapeutin zu malen. „Das musst du machen“, erfuhr sie von anderen Zustimmung, die ihr Talent erkannten. Die Motivsuche führte sie zum Pfarrer ihrer Kirchgemeinde Silberhöhe/Beesen. Die 58-Jährige muss lachen, wenn sie an diesen Moment denkt. „Ich ging zu ihm und sagte: ,Sagen Sie mal ein Thema, ich male es.“ Auf diese Weise entstand mit Acrylfarben und Strukturpaste ihr Werk „Nach dem Amen“. Ein Bildnis der Namenspatronin der Kirche, der Heiligen Elisabeth, folgte.

Gestaltung von Fenstern

Ihre bislang größte künstlerische Herausforderung stellte die Gestaltung der Fenster des Gemeindezentrums dar. Auf einer Fläche von 21 Quadratmetern setzte Simone Runge unter dem Titel „Beesener Kreuzweg“ den Leidensweg von Jesus Christus – von seiner Verurteilung bis zu seiner Kreuzigung – eindrucksvoll in Szene. Nicht romantisch verklärt, sondern frisch und modern übertrug sie die Passionsgeschichte in die heutige Zeit.

Bilder

Zu den Lieblingsmotiven von Simone Runge gehören Landschaften. „Wir sind viel in der Natur unterwegs und ich bin auch gepilgert“, verrät die 58-Jährige, wie sie immer wieder Inspiration für neue Bilder findet. Aber auch Menschen fängt die Malerin nur allzu gerne im Porträt ein.

Spiel mit Kontrasten

„Im Moment probiere ich mich in Farbspielen aus“, blättert sie durch ihr mitgebrachtes Portfolio. Genauer mag sie die Versuche nicht zu beschreiben, bei denen sie mit Kontrasten und Formen spielt und mit der ganzen Palette von Farbtönen experimentiert und das obwohl die 58-Jährige am liebsten zeichnet. „Da kann man wunderbar Details und Feinheiten herausarbeiten“, sagt Simone Runge. Mit Farbe allerdings erwache ein Werk zum Leben, schwärmt sie von diesem „unglaublichen Erlebnis“.

„Der größte Feind ist die weiße Leinwand“, sagt sie. Die Schwelle, den ersten Pinselstrich darüber zu führen, sei hoch, gesteht die Malerin. Doch immer wieder drängt es sie, die Leinwand zu füllen.

Erste eigene Ausstellung

18 ihrer Bilder hat Simone Runge jetzt für ihre erste eigene Ausstellung ausgewählt. Und diese gestaltet die gebürtige Zerbsterin in ihrer alten Heimat. „Als ich sieben war, sind wir weggezogen“, erzählt sie. Die Ahnenforschung führte die 58-Jährige in die Rolandstadt zurück, wobei sie das Kunstfenster entdeckte und spontan Kontakt zum gleichnamigen Verein aufnahm.

Allerdings hatte Simone Runge nicht damit gerechnet, dass es so spontan klappt, dass sie ihre Werke in der gläsernen Galerie auf der Breite zeigen kann. Grund ist eine kurzfristig entstandene Lücke im Ausstellungskalender. Die 58-jährige „Hallunkin“ – so werden in Halle die Zugezogenen genannt – freut’s, kann sie nun dort ihre Werke präsentieren, wo sie ihre Kindheit verbrachte und die ersten Bilder malte.

Augenblick und Farbenspiel

Die Vernissage zur Ausstellung „Augenblick und Farbenspiel“ von Simone Runge findet am Freitag, 16. August, um 19 Uhr im Zerbster Kunstfenster auf der Breite statt.