Lindau l Vier Proben genügten, um die Martinsgeschichte lebendig werden zu lassen. Zumal es in Lindau schon richtig professionell zugeht. Zum einen liegt das an Anja van Leusen, der Vorsitzenden des Schulfördervereins, die erfahren die Fäden in der Hand hält. Zum anderen sind auch einige der anderen Laiendarsteller schon öfter mit dabei. Sieben Erwachsene, acht Kinder und Tari, das Pferd spielten in diesem Jahr mit.

Ein echtes Pferd dabei zu haben, machte die Vorstellung zu etwas besonderem. Über Kontakte einer Mutti kam das Pferd zum Martinsspiel. Das brachte Simone Reek mit und führte den Martin darauf. Nein, reiten könne er nicht, meinte Sebastian Gube, der in diesem Jahr den Martin gab.

Gube gehörte wie auch der Bettler, den Enrico Schindler darstellte, zu den vier Neulingen beim Martinsspiel. „Die Rollen sind den beiden wie auf den Leib geschrieben“, freute sich Anja van Leusen. „Ich habe mir extra die Haare wachsen lassen“, meinte Sebastian Gube, dessen Sohn Till die 4. Klasse der Grundschule besucht und auch mitspielte.

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Zuletzt war Tills Oma eingesprungen. Nach seinem Auslandsaufenthalt konnte Sebastian Gube nun selber mitmachen. „Ich konnte das nicht abschlagen“, sagte er, schließlich gebe es immer wenig männliche Darsteller. Das Theaterspielen war aber auch für ihn nichts neues. Bei den Weihnachtsmärchen der Deetzer Kita war er schon öfter zu erleben – in männlichen Hauptrollen, wie Hans im Glück oder König Drosselbart.

„Das ist immer eine schöne Sache“, sagte er, „Frau van Leusen organisiert das super und es macht Spaß.“ Ähnlich geht es den anderen Darstellern. In diesem Jahr stand wieder die klassische Variante auf dem Spielplan. Je nach Schauspieleraufgebot wird die moderne oder die traditionelle Version gezeigt. „Vielleicht machen wir im nächsten Jahr mal was ganz anderes“, deutete Anja van Leusen an. Sie habe schon ein bisschen im Internet geschaut, mehr wollte sie aber nicht verraten.

Und noch etwas war anders in diesem Jahr. Die Lindauer Kita veranstaltete diesmal am Nachmittag nicht ihren Oma-Opa-Tag im Bürgerhaus. So traf man sich gleich vor der Kita, um von dort aus mit Lampions und Fackeln durch die Stadt zu ziehen. Die Lindauer Feuerwehr sicherte den Umzug ab. Die Löschzwerge durften Fackeln tragen. An der Spitze des Zuges gingen die Musiker des Lindauer Fanfarenzuges. Die Instrumente verstummten erst beim Eintreffen an der Burg.

Im Sinne Martins war nach dem Laienspiel Teilen angesagt. Da gingen Kinder der Grundschule herum und teilten Süßigkeiten aus. Ansonsten waren alle eingeladen, noch ein bisschen Zeit auf dem Schulhof zu verbringen. Dort gab es einen kleinen Imbiss mit geschmierten Broten, für den die Eltern gesorgt hatten. Die Schule stellte die Getränke bereit. Bei Glühwein und Tee ließ es sich am Feuer aushalten.

Die Dritt- und Viertklässler nutzten die Gelegenheit, ihre beim Herbstprojekt selbstgekochte Apfel-Quitten-Marmelade, die sie noch hübsch verpackt und mit Etiketten versehen hatten, zu verkaufen. Schulleiterin Margitta Sens freute sich, dass das Wetter passte und dankte den Schauspielern, Schnittenschmierern und anderen Helfern für ihren Einsatz.