Lindau l „Spot day“ – an irgendeinem Spot trifft man sich. Irgendeine Stelle abseits von Menschen und Verkehr. Per WhatsApp verabreden sich die Simson Riders. Zum vereinbarten Zeitpunkt treffen nach und nach die Maschinen ein. Vom SR2, Schwalben bis zur S51 ist alles mit dabei. 19 Leuten sind mittlerweile in der Gruppe.

Die jungen Leute von 15 bis 30 Jahren verbindet eines: die Liebe zu ihren Kleinkrafträdern Marke Simson, die Leidenschaft ihre Maschinen auseinander zu bauen, herumzubasteln, aufzumotzen, zu reparieren und natürlich zu fahren. Vom Baujahr 1962 bis um die Wendezeit ist alles dabei in der Runde. Das Gute, die Modelle bis November 1989 dürfen noch mit 60 Kilometern pro Stunde unterwegs sein. Diese DDR-Regelung für Kleinkrafträder wurde nicht in bundesdeutsches Recht übernommen. Hiernach gelten für Kleinkrafträder nur 45 km/h.

Als sich nach der Wende jedermann im Osten ein Auto kaufen konnte, war die große Zeit der Kleinkrafträder vorbei. Viele DDR-Mopeds wurden sogar einfach verschenkt. Von den Simson Riders bekamen einige die Maschinen vom Opa oder von Bekannten. Zumindest haben sie einen entscheidenden Vorteil sind sich die jungen Leute einig: „Man kann da selber dran bauen“.

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Die Simon-Truppe besteht seit 2016

Die Simson Riders gibt es etwa seit November 2016. Ein T-Shirt mit der Aufschrift bekam Florian Zolchow von seinem Kumpel Marvin Gehrmann als Gag zu Weihnachten. Anfangs waren sie zu viert,die sich in Lindau mit den Mopeds trafen. Marvin Gehrmann entwarf während seines Praktikums bei der Askom GmbH in Zerbst das Logo mit dem Flammenkolben, das die Gruppe bis heute begleitet. Immer mehr Simson-Fans kamen im Laufe der Zeit hinzu. Nein, einen Chef gibt es nicht, schütteln die Jungs den Kopf – alle sind gleichberechtigt.

Die einen gehen zur Schule, die anderen sind in der Ausbildung, die älteren schon im Berufsleben. Die Simsons verbinden. „Wir unterstützen uns gegenseitig“, sagen sie. Wer ein Problem hat, wendet sich an die Gruppe. Irgendjemand kann sicher helfen, hat einen Tipp. Man trifft sich auch mal nur mit dem einen oder anderen, um zusammen zu schrauben – „Es gibt immer Leute, die die eine Sache besser können als die andere.“ Und man kann voneinander lernen. Learning by doing. Selber ausprobieren, sich die Dinge aneignen – so läuft das bei den Simson Riders.

Gerade hat Florian Zolchow sein Jahresprojekt fertig. Er hat seine Schwalbe komplett neu aufgebaut. Nun glänzt sie in Orange und läuft auch wieder wie neu. Um abzustimmen, dass die Leistung auch kommt, die kommen soll, eignet sich dann so ein Spot day. Da wird auch mal aufgedreht, und die Geschwindigkeit ausgetestet. Während Florian sein Projekt gerade abgeschlossen hat, will sich Tim Fröhlich seine Maschine vorknöpfen. „Da kommt jede Schraube ab“, kündigte er an. Auch er will alles neu machen.

Winterzeit ist Schrauberzeit. Am 1. März wird immer die neue Saison eröffnet. Auch bei größeren Simson-Treffen waren einige Riders schon mit dabei und begeistert davon, sich mit anderen Fans dieser Kultmaschinen auszutauschen, „das ist wie eine große Familie“. Ein riesengroßes Treffen mal an der Lindauer Burg zu organisieren, das wäre ein Traum von Marvin Gehrmann.

Eine Vereinsgründung haben sich die Simson Riders auch schon länger vorgenommen. Da würde sich die Reichweite für die Gruppe erweitern, Sponsoren könnten gewonnen und Treffen organisiert werden. Ein Domizil etwa in Lindau – ein Raum und eine kleine Werkstatt – wären ideal.

Vereinsgründung ist möglich

Mit dem Lindauer Ortsbürgermeister habe man schon Kontakt gehabt, erzählen die Simson Riders, der würde die Sache unterstützen. Bislang haben sie die Vereinsgründung jedoch noch nicht konsequent verfolgt. Das kann ja noch werden. Schließlich sind viele Simson Riders bei der Stange geblieben, auch wenn sie inzwischen den Pkw-Führerschein in der Tasche haben. Übrigens gehören auch zwei Mädchen dazu und an Spot days, die meist am Wochenende stattfinden, wird auch mal der Grill angeschmissen.

Der Ersatzteilemarkt ist groß, und es gibt viele Nachbauteile für die Zweitakter – „Viertakter kommen uns nicht ins Haus“. Da ist also noch viel Potenzial, selbst um aus Schrott noch etwas zu machen. Billig ist das Hobby keineswegs, da geht schon mal ein Teil des Lehrlingsgeldes drauf. Aber es lohnt sich, in die Maschinen zu investieren, denn: „Der Geruch ist einfach geil.“