Gödnitz l Kinderherzen schlugen am Sonnabend bei Gödnitz höher, als der Motorsportclub (MSC) Gödnitz beim Kidsday den ersten Startschuss gab. Der kleine Ort am Rand der Stadt Zerbst ist das Zentrum für die Fans von Crossmaschinen. Den Übungsplatz gab es schon vor dem Mauerfall. 2013 belebte der MSC Gödnitz den Platz wieder und nutzt ihn seither als Übungs- und Wettkampfstätte, sagt Philipp Zeidler. Der ehemalige Testfahrer eines bekannten Sportwagenherstellers lebt für den Motocross.

Beruflich hat er sich zwar umorientiert. Die Freizeit wird allerdings dem Kalender des jährlichen Turnierbetriebes untergeordnet. Im Oktober endet die Saison der Crosser, schildert er. Für gut eineinhalb Monate ist nun erst einmal Schluss.

Bereits im Dezember beginnen allerdings die Vorbereitungen für das nächste Jahr. Trainiert wird dann im warmen Italien. Dahin führt es ihn und seine Familie auch in einigen Wochen. Längst ist nicht nur Philipp Zeidler auf dem Motorrad unterwegs. Seine beiden Söhne hat das Crossfieber ebenso angesteckt.

Bilder

Schon Vierjährige können erste Erfahrungen mit dem motorgetriebenen Antrieb sammeln. Die Kleinen haben ihren Auftritt auch am Sonnabend. Gut geschützt durch Rennanzüge, Rückenprotektoren, Handschuhe, Helm und Schutzbrille warten sie auf den Start auf einer kleinen Bahn neben der eigentlichen Cross-Strecke. Mit einem „Schlüpfergummi“ erfolgt der Start. Eher vorsichtig fahren die Kleinen in die erste Kurve. Vom Geschwindigkeitsrausch noch keine Spur. Wichtig sei, dass alle ankommen, sagt Philipp Zeidler, dessen Sohn das erste Rennen bestreitet. „Er war so aufgeregt, er konnte schon vor drei Tagen schlecht schlafen“, erzählt er. Nach einigen Runden ist die ganze Aufregung schon wieder vorbei.

Während die Kleinen die Aufregung verarbeiten, kreischen die Maschinen der älteren Kinder und Jugendlichen auf der großen Strecke. Enge Kurven und steile Rampen stellen hier die Herausforderung dar. Während die kleinsten Maschinen über ein Automatikgetriebe verfügen, müssen die größeren Kinder mit der Hand schalten. „In jeder Kurve müssen die Kids vier bis fünf Dinge beachten, um durchzukommen“, sagt Philipp Zeidler. Das sei die eigentliche Herausforderung.

Um Geschwindigkeit geht es dabei weniger, auch wenn die Maschinen auf den geraden Strecken schon mal bis zu 70 Stundenkilometer erreichen. Es geht vielmehr um das Finden der Ideallinie, wie die Rennfahrer sagen. Außerdem müssen sie die Kraft der Crossmaschinen bändigen. Schon die Kleinsten sitzen auf einem Motor mit 50 Kubikzentimetern Hubraum. Die kleinen Flitzer haben schon mehr Kraft als die immer noch sehr beliebten Mopeds des Herstellers Simson.

Bei den älteren Fahrern wächst auch die Leistung der Maschinen. Die Motoren werden regelmäßig gewartet, damit sie der Belastung bei den Rennen standhalten. Obwohl die Kinder und Jugendlichen in einem Rennen oft nur zwischen einer Viertel- bis zu einer halben Stunde unterwegs sind, bedeutet dies für das Material höchste Beanspruchung.

Zwei Rettungssanitäter hat Philipp Zeidler organisiert. Unfälle können immer passieren, sagt er. Erst im vergangenen Jahr, erzählt er, sei er vom Motorrad geflogen und habe für zehn Minuten das Bewusstsein verloren. Nach dem Aufwachen wollte er unbedingt die zweite Tour mitmachen, schildert er. Deshalb hat er das Krankenhaus verlassen.

Crossfahrer, sagt er, seien vor allem an einer Verletzung zu erkennen. „Jeder hat hier schon mal einen Schlüsselbeinbruch gehabt.“ „Das ist Crosser-Schnupfen“, zeigt sein großer Sohn auf seine Narbe unter der Schulter. Sie macht ihn zu einem echten Crosser.

Am späteren Nachmittag soll es noch zum Abschluss einen weiteren Höhepunkt nach den Rennen geben. Einen Crosser hat er eingeladen, der mit seiner Maschine einen Salto zeigen will. Er habe gesagt, die Rampe müsse nur einen bestimmten Winkel haben. Mit der richtigen Geschwindigkeit sei es dann kein Problem mehr, die Maschine in der Luft einmal zu drehen und wieder mit den Reifen auf dem Boden zu landen.

Dann endet die Saison. Die Kinder und Jugendlichen werden aber weiter an der Kondition arbeiten, beschreibt er. Gewinnen können bei den 14 Wettbewerben im Land nur die Fahrer, die auch körperlich fit sind. Denn der Sport ist anspruchsvoll und verlangt alle Kräfte. „Wir fangen schon am Mittwoch an viel zu trinken, weil die Kinder den ganzen Tag über während der Fahrten sehr viel schwitzen.“

Eine Geschlechterunterteilung gibt es übrigens nicht. Mädchen und Jungen fahren in einem Pulk. Die Mädchen sind dabei oft nur an den Zöpfen zu erkennen, die unter den großen Helmen heraushängen. Fahren könnten die Mädchen ebenso gut wie die Jungen, sagt Philipp Zeidler.