Zerbst l Bereits seit Monaten würden von den Regenwasser-ablaufrinnen die Abdeckungen fehlen beziehungsweise die noch vorhandenen nur lose oben aufliegen. Als unzumutbar beschreibt ein Bürger den Zustand des Geh- und Radweges im Bereich der Hausnummer 32 bis 34 der Zerbster Käsperstraße. Der Eintrag stammt bereits vom 22. April 2019 und ist nicht der erste Hinweis auf die Gefahrenquelle.

Knapp drei Wochen vorher hatte derjenige schon einmal über den Online-Service „Sag’s uns einfach“ die Stolperstelle gemeldet. „Bisher hat sich nichts getan. Ich hätte zumindest eine kurze Mitteilung erwartet, wie weiter verfahren wird. Die Hoffnung stirbt zuletzt“, kommentierte er seinen Eintrag. Nun, mehr als ein Jahr später, befindet sich der Sachverhalt immer noch „In Bearbeitung“ – so der aktuelle Status, den jeder auf der Internetseite der Stadt Zerbst nachlesen kann.

Keine der Meldungen abgehakt bis Juni

Am Stichtag 16. Juni 2020 war hinter keiner der insgesamt 22 sichtbaren Meldungen – die ältesten vom 1. Februar 2019 – sozusagen ein Haken gesetzt. Von defekten Straßenlampen über starken Gestank aus Gullideckeln bis zur zugewucherten Nuthe reichte das Spektrum. Stellte sich die Frage: Weshalb dauert die Bearbeitung derart lange? Geschah in all diesen Fällen wirklich noch nichts oder wurde der Status nur nicht auf „erledigt“ gesetzt?

„Gegenwärtig werden in allen zuständigen Fachämtern die Bearbeitungsstände überprüft. Bei einer Reihe von Dingen wurde der Status wohl tatsächlich nicht auf ,erledigt‘ gesetzt beziehungsweise wurden die Informationen zum Stand der Bearbeitung leider nicht aktualisiert. Dafür können wir nur um Entschuldigung bitten“, antwortet Rathaussprecherin Antje Rohm.

Grundsätzliches Ziel sei stets, die über das Online-Portal eingegangenen Meldungen schnellstmöglich zu bearbeiten und die festgestellten Schäden rasch zu beheben. „Das ist leider aber nicht in jedem Fall möglich, zum Beispiel bei einem größeren Schadensumfang oder wenn eine größere Maßnahme mit der Problemlösung in Verbindung steht“, bedauert Antje Rohm.

Stadt ist nicht für alle Probleme zuständig

Mitunter ist die Stadt selbst auch gar nicht zuständig. Das betrifft unter anderem wilde Müllablagerungen außerhalb von Ortschaften. „Wenn solche Meldungen eingehen, werden sie an die zuständigen Stellen weitergegeben – in diesem Fall den Landkreis – und der Bürger, der es gemeldet hat, bekommt eine entsprechende Information“, erläutert die Pressesprecherin. Aus dem Grund ist auch bei jeder Meldung der Name mit anzugeben, der allerdings nur für interne Zwecke verwendet und nicht veröffentlicht wird. Zudem werden Hinweise nur unter Angabe korrekter Personendaten bearbeitet.

Seit dem Start des Online-Dienstes am 30. Januar 2019 sind insgesamt 121 Meldungen eingegangen. Die Nutzung ist leicht: Wer ein Problem entdeckt, beschreibt es kurz, markiert die Stelle auf der Karte, lädt vielleicht noch ein Foto hoch – und fertig. Damit die Meldung sofort beim zuständigen Fachamt landet, ist zu allererst eine Kategorie auszuwählen – Geh- und Radwege, Straßenbeleuchtung oder Spielplätze sind einige Rubriken.

Klagen über Straßenschäden

Unter „Ordnung und Sicherheit im öffentlichen Bereich“ fällt wohl der Schaden am Dach eines Stadtmauerturms in der Nähe des Dornburger Platzes am dortigen Spielplatz. Hier fehlen einzelne Ziegel, worauf jemand bereits Ende 2019 aufmerksam gemacht hat, bislang aber keine Reparatur erfolgte.

Immer wieder wird neben den vielen Hinweisen auf illegale Müllentsorgung auch über Straßenschäden geklagt – beispielsweise im Seitenstreifen der K 1259 zwischen Zerbst und Bone. Für diesen seit über einem halben Jahr in Bearbeitung befindlichen Fall ist allerdings wieder der Landkreis Anhalt-Bitterfeld als Träger der Straße verantwortlich. Leider gibt der Online-Service über solche Details keine Auskunft.