Zerbst l Klaus-Dieter Neumann klingt ein wenig genervt, als im Gespräch am Telefon mit der Volksstimme das Thema auf die momentane Situation rund um die Fahrschulen fällt. „Seit dem 16. Dezember ist es kaum noch möglich, Fahrstunden und Theorieunterricht zu geben“, sagt der Fahrlehrer. „Nur für spezielle Ausnahmen ist dies erlaubt.“

Systemrelevant oder nicht?

Damit meint er systemrelevante Berufskraftfahrer, wie beispielsweise Lastkraftwagen- oder Busfahrer. Ein Fahranfänger habe schon vor einiger Zeit die theoretische Prüfung bestanden. Dieser dürfe weiterhin geschult werden. Auch wer sich vor dem 16. Dezember zu einer Prüfung angemeldet hat, darf weiterhin die Fahrschule besuchen – alle anderen nicht.

Diese Regelung gilt landesweit. Allerdings nicht bundesweit. In anderen Bundesländern wie Brandenburg und Bremen ist es den Fahrschulen erlaubt, Theorie und Praxis unter strengen Sicherheits- und Hygieneverordnungen zu lehren, in Sachsen-Anhalt eben nicht. „Fair finde ich das nicht, aber ändern wird sich sowieso nichts“, meint Neumann weiter. Einziger Ausweg aus der aktuellen landesweiten Situation sei der Online-Unterricht.

Online-Unterricht

Seit ein paar Tagen ist es möglich, Online-Unterricht für die Theorie-Stunden anzubieten. Fahrschulen müssen dafür jedoch einen Antrag stellen. Vor allem aber brauchen sie die technischen Voraussetzungen dafür, etwa Software-Lizenzen, Bildschirme, Mikrofone – ein Probleme für viele Fahrschulen. „Ich habe von Kollegen gehört, dass allein die Anschaffung derartiger Lizenzen und der Technik bis zu 3000 Euro kostet“, weiß Günter Tietze.

Tietze ist ebenfalls Fahrlehrer in Zerbst. Auch er hat mit der momentanen Situation zu kämpfen. „Ich bekomme täglich Anrufe von meinen Fahrschülern, wie es denn jetzt weiterginge. Es gibt einen großen Rückstau von denen, die jetzt ihren Führerschein altersbedingt machen wollen. Wenn die Fahrschulen dann wieder öffnen, kommen auch diejenigen hinzu, die jetzt noch zu jung sind“, so Tietze weiter.

Neue Prüfung kostet mehr Geld

Seit dem 1. Januar diesen Jahres gilt zudem bei den praktischen Führerscheinprüfungen ein neues Modell. Statt wie bisher auf einem Zettel, dokumentiert der Prüfer nun digital auf einem Tablet, was besonders gut oder auch schlecht lief. Die Daten können Fahrschüler- und Lehrer im Anschluss einsehen. Und weil nun die Fahraufgaben fünf Minuten mehr Zeit bekommen und sich an die Fahrprüfung noch ein Gespräch mit dem Prüfer anschließt, dauert die Prüfung zehn Minuten länger und kostet somit auch ein wenig mehr.

„Wir haben dazu natürlich schon einen Lehrgang gemacht. Am Ende ist die Prüfung vom Inhalt her gleich“, erklärt Tietze. Wichtig sei weiterhin das vorausschauende Fahren. Wie in der Praxis sich das neue Bewertungsmodell bewährt, kann Tietze noch nicht sagen. Durch die Kontaktbeschränkungen war bei ihm bisher für keinen seiner Schüler eine Prüfung möglich.