Zerbst l Die Zerbster Wasserjette hat ihren angestammten Platz auf der Alten Brücke verlassen. Mit Hammer und Meißel lösten Torsten Anklam und Tobias Glombitza vom Steinmetzbetrieb Keck die Brunnenfigur vorsichtig von ihrem Sockel. Es benötigte einige Kraft, um die zusätzlich mit einem Dübel fixierte Dame von ihrer Säule herunterzuholen. Zumal die Plastik nicht noch weiter beschädigt werden sollte.

Seit Mai ist die Wasserjette kopflos – bis heute fehlt von ihrem Haupt jede Spur. Die Stadt erstattete wegen der offensichtlich mutwilligen Zerstörung des steinernen Kunstwerkes damals umgehend Anzeige bei der Polizei, die wiederum einen Zeugenaufruf zur Klärung des Geschehens startete. Inzwischen wurde das Ermittlungsverfahren mangels Hinweisen allerdings eingestellt, wie Michael Däumich, Sprecher des Polizeireviers Anhalt-Bitterfeld, auf Nachfrage informierte.

Trauriger EIndurck

Der „traurige Eindruck“, den die Figur seither machte, ließ Christian Keck nicht los. Der Steinmetzmeister gehört dem Rotary Club Zerbst an, wo er den Vorschlag unterbreitete, sich der Wasserjette anzunehmen. Die sofortige Bereitschaft mündete in einem ehrgeizigen Projekt, das nun in Zusammenarbeit mit der Stadt Zerbst realisiert wird.

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Denn auch der achteckige Brunnen hat längst seine einstige Attraktivität verloren. Besprüht, dreckig und ungepflegt ist er längst keine Augenweide mehr. Hinzu kommen Risse und weitere schadhafte Stellen, die auszubessern sind. Die vorgesehene umfassende Sanierung beinhaltet ebenfalls die Aufarbeitung des inzwischen völlig verrosteten Auslaufs, den Roland Prokop einst angefertigt hatte und den er nun mit Unterstützung von Rotary-Präsident Christian Schreck abmontierte.

Rückkehr als Bronzefigur

Roland Prokop erinnert sich noch genau, wie die Wasserjette aufgestellt wurde. 1984 hatte der Magdeburger Bildhauer Joachim Sendler (1934 bis 2005) die Figur aus Kunststein geschaffen, mit der an eine emanzipierte Zerbsterin erinnert wird – an Henriette Schulze (1835 bis 1900). Die resolute Frau wohnte auf der Neuen Brücke und verdiente ihren Lebensunterhalt unter anderem damit, dass sie die Haushalte mit Wasser belieferte, als noch keine Trinkwasserleitung in der Stadt existierte. Mit einem Handwagen, auf dem ein großes Fass montiert war, zog sie durch Zerbst. Das Wasser, das die fleißige Henriette verteilte, schöpfte sie aus der Nuthe – unter anderem hier auf der Alten Brücke.

Nun soll nicht nur der Kopf der beschädigten Figur nachmodelliert werden. Der Plan der Rotarier sieht ebenfalls vor, die 85 Zentimeter große Plastik in Bronze zu gießen. Die Umsetzung des Vorhabens übernimmt die Kunst- und Glockengießerei Lauchhammer, wohin die gut 50 Kilo schwere Wasserjette nach der Abnahme von ihrem Sockel transportiert wurde. Angedacht ist, dass das Zerbster Original im Frühjahr auf seinen dann gereinigten und instandgesetzten Brunnen zurückkehrt. Dieser soll übrigens eine Winterabdeckung erhalten, um zukünftig zu verhindern, dass der Wasserbehälter in den kalten Monaten als Mülleimer missbraucht wird.

Die Gesamtkosten für das Projekt werden auf 12 000 Euro geschätzt. Einige Sponsoren gibt es bereits – darunter befreundete Rotary-Clubs und lokale Unternehmen. Dennoch würden sich die Zerbster Rotarier über weitere Unterstützung freuen.