Zerbst l Seit Januar laufen die Arbeiten am ehemaligen Frauenkloster in der Breite. Dessen Klausurflügel soll zum Sitz des Bau- und Liegenschaftsamtes der Zerbster Stadtverwaltung werden. Auch als Archivstandort und Museumsdepot soll der rückwärtige Teil des denkmalgeschützten Gebäudekomplexes dienen. 2,03 Millionen Euro aus dem Programm „Stark V“ fließen in das Vorhaben. Diese 100-prozentige Förderung reicht jedoch nicht aus – der Umbau wird teurer, als 2016 geplant.

Für Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) ist das allerdings kein Grund, an dem Projekt zu rütteln, mit dem eines der größten Baudenkmäler der Stadt erhalten und wieder einer sinnvollen Nutzung zugeführt werde. Deshalb war es ihm wichtig, im Vorfeld der Leistungsvergabe zur Fassadensanierung die aktuelle Gesamtsituation vorzustellen und die Hintergründe für den Kostenanstieg zu erläutern, wie er auf der Sondersitzung des Haupt- und Finanzausschusses erklärte.

„Die Kritiker werden sagen: ,Das haben wir gleich geahnt‘“, bezog sich der Bürgermeister auf all jene, die von vornherein bezweifelt haben, dass die zur Verfügung stehenden Mittel am Ende tatsächlich ausreichen. Vielmehr sei zu erwarten gewesen, dass bei einem Projekt in solchem Umfang nicht zwingend eine Punktlandung gelinge. „Wir haben nie vorgegaukelt, dass es keine Überraschungen geben kann“, betonte Dittmann.

Zusätzliche Baustellen aufgetaucht

Und im Laufe des bisherigen Baugeschehens offenbarten sich unvorhersehbare zusätzliche Baustellen, die nicht einkalkuliert waren. Hinzu kamen hohe Ausschreibungsergebnisse. Darauf ging Nico Ruhmer als zuständiger Amtsleiter gemeinsam mit Planer Tilo Feldmann ausführlich ein.

„Wir rechnen mit rund 14,5 Prozent Mehrkosten“, konstatierte Tilo Feldmann. Das sind 294 000 Euro, was der durchschnittlichen Preissteigerung quer durch alle Gewerke entspreche, so der Planer. Einige Leistungen würden auch günstiger – zum Beispiel der Dachstuhl. Da die Holzkonstruktion in besserem Zustand ist als vermutet und das Dach nur gedämmt werden muss, würden statt der geplanten 90.000 Euro nun 40.000 Euro ausreichen.

Mit dem eingesparten Geld lässt sich beinahe die Lücke decken, die bei den Abbrucharbeiten entstanden ist. Hier haben sich die Kosten von 104.000 auf 159.000 Euro erhöht. Innenwände, die sich als nicht tragend erwiesen, sorgten genauso für zusätzliche Ausgaben wie beispielsweise die bei Schachtungen aufgetauchten Altfundamente.

Fassade einer der Kostentreiber

Der höchste Anstieg musste jetzt bei der Ausschreibung der Fassadensanierung verzeichnet werden. Statt 115.000 werden 205.000 Euro benötigt – eine Verteuerung um knapp 80 Prozent. Da noch der eine oder andere Nachtrag folgen könnte, „rechnen wir mit 220.000 Euro“, meinte Nico Ruhmer.

Kostentreiber ist der Südgiebel, der „uns die größten Sorgen bereitet“, sagte Tilo Feldmann. Dieser weise Risse auf, die ihre Ursache in der mittelalterlichen Stadtmauer haben, die direkt an das Gebäude angebunden ist und sozusagen an dieser Klosterecke zerrt. Denn in den vergangenen 500 Jahren sei die Stadtmauer ins Erdreich eingesunken, schilderte der Planer.

Um den Südgiebel zu stabilisieren, sollen Anker gesetzt werden. Auf Nachfrage von Alfred Schild (Linke), ob dies genüge, regte Feldmann an, die nächsten für die Stadtmauer bereitgestellten Sanierungsmittel zu investieren, um deren Fundament in diesem Bereich zu verstärken.

Zu den weiteren Kostentreibern gehören unter anderem die Fensterlaibungen im Westgiebel. Etliche seien locker und müssten neu aufgemauert werden, berichtete der Planer. Wie viele genau, sei erst erkennbar, wenn der Putz komplett abgeschlagen sei, so Feldmann. Die Fenster einfach zu vergrößern, sei keine Option, griff er den Vorschlag von Steffen Grey (FDP) auf. So soll der Barockgiebel des Klausurflügels gegenüber der gotischen Klosterkirche optisch etwas zurücktreten.

Keine zusätzlichen Fördermittel

Grey hakte zudem nach, wie sicher die jetzt angenommenen Mehrkosten seien. „Zu 95 Prozent“, entgegnete Feldmann. So seien auch für die noch ausstehenden Lose bereits eventuelle Preissteigerungen einkalkuliert, begründete er. Unterdessen erkundigte sich Alfred Schildt, ob für die zusätzlichen knapp 300.000 Euro nochmal Fördermittel erhältlich seien. Das verneinte der Bürgermeister. Denn die Stark-V-Mittel wurden nach der Einwohnerzahl berechnet – ein Nachschlag ist nicht möglich. Alles, was darüber hinaus aufschlägt, muss die Stadt finanzieren, legte Dittmann dar. Wie viel das am Ende sein wird, bleibt abzuwarten. Der Rathauschef spekuliert da auch mit der Senkung der Mehrwertsteuer zum 1. Juli um drei Prozent, was zumindest „in der Theorie“, wie er betonte, zu einer Kostenersparnis führen könnte.

Von Vorteil sei, dass die Frist zur Fertigstellung des Klosterprojektes wegen Corona um ein Jahr verlängert wurde. Bis 31. Dezember 2021 bleibt nun Zeit, die Maßnahme zu realisieren. „Den Innenausbau können wir dadurch erstmal zurückstellen“, sagte der Bürgermeister. Das bedeutet, für die Vergabe der Fassadensanierung muss noch kein Beschluss über eine überplanmäßige Auszahlung gefasst werden.

„Ich finde toll, dass wir das Projekt haben. Und jeder, der baut, weiß, dass es nicht im Kostenrahmen bleibt, das ist sicher nicht schön, aber wir schaffen das“, meinte Beatrix Haake (UWZ). Im nichtöffentlichen Teil erfolgte dann die Vergabe der Fassadensanierung, wie Dittmann im Anschluss informierte. Es habe „breites Einvernehmen“ gegeben, so der Bürgermeister.