Zerbst l „Uns geht es um die Standortsicherung für die Zukunft“, sagte Hermann Schüller. Er ist Gründer und Geschäftsführer der Semco-Gruppe, die in ganz Deutschland mit 18 Standorten vertreten ist. Einer davon ist Zerbst. Seit 25 Jahren wird in der Karl-Marx-Straße Flachglas produziert und veredelt und das ganz individuell. 2018 verließen rund 280 000 Quadratmeter Isolierglasscheiben das Betriebsgelände inmitten der Stadt.

„Wir können mehr rausholen“, so Schüller. Um das Ziel zu erreichen und die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern, ist ein Zwei-Millionen-Projekt geplant. „Wir wollen den bestehenden Zuschnitt für das Verbundsicherheitsglas erweitern“, erläuterte Niederlassungsleiter Mathias Schmidt. Um 50 Prozent soll die Kapazität erhöht werden, wie er erläutert. Zugleich ist vorgesehen, den Bereich des Glaszuschnittes zu automatisieren, um die körperliche Belastung für die Mitarbeiter zu reduzieren.

Große Konkurrenz

„Der Druck auf das produzierende Gewerbe ist groß“

Denn wie Mathias Schmidt schilderte, sei es schwer, neue Mitarbeiter zu finden. So gern er mehr Leute einstellen würden, „ich krieg’ sie nicht“, bedauerte er. Momentan beschäftigt Semcoglas in Zerbst um die 70 Mitarbeiter. Die Gewinnung weiterer gestaltet sich trotz reger Bemühungen schwierig, wie der Standortchef im Gespräch mit Sachsen-Anhalts Wirtschaftsstaatssekretär Thomas Wünsch darlegte.

Sorgen und Probleme anhören

Jener war mit der Referatsleiterin für regionale Wirtschaftsförderung Stefanie Pötzsch angereist, um sich persönlich über die geplante Großinvestition zu informieren. Er folgte damit der Bitte von Andreas Dittmann (SPD), der in dem Fall als Vermittler agierte. Der Zerbster Bürgermeister nahm ebenfalls am Treffen teil und hörte sich die Sorgen und Probleme an, mit denen der Flachglasveredler zu kämpfen hat.

„Der Druck auf das produzierende Gewerbe ist groß“, sagte Hermann Schüller. Er erzählte von der zunehmenden Konkurrenz aus Polen, „die am Absatzmarkt unserer Kunden graben“.

Kraftfahrer gesucht

Daneben wies der Geschäftsführer auf die verzweifelte Suche nach Kraftfahrern für die 145 Lkw der Semco-Gruppe hin. „Die finden wir nicht mehr“, beklagte er und forderte die Politik zum Handeln auf. „Das nehmen wir mit ins Verkehrsministerium“, versprach Thomas Wünsch. Gelöst werden müsste das Problem, das nicht neu sei, allerdings auf Bundesebene, so der Staatssekretär.

Unterdessen wies Stefanie Pötzsch auf die bestehenden Zuschussmöglichkeiten zur Qualifikation von Mitarbeitern hin, die hier greifen könnten. Auch andere Förderprogramme brachte sie zur Sprache – beispielsweise für Projekte zur Verringerung des Energieverbrauchs. Nicht zuletzt ging es um die GRW Unternehmensförderung, wobei GRW für „Gemeinschaftsaufgabe zur ,Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur‘“ steht.

Unterstützung ist wichtig

Aus diesem Topf hat Semoglas bereits Geld erhalten und auch für das neue Projekt wurde inzwischen ein Antrag eingereicht. Denn schon zum Jahresende soll mit dem Standort-ausbau begonnen werden, wie Mathias Schmidt sagte. Dafür sicherte Thomas Wünsch eine mindestens zehnprozentige Förderung zu. „Jede Unterstützung ist wichtig“, kommentierte Hermann Schüller die in Aussicht stehenden 200.000 Euro.

Mit dieser positiven Nachricht im Hinterkopf nahm Mathias Schmidt die Gäste mit auf einen Rundgang durch die Fertigungshallen, wo diese einen Einblick in die moderne Glasproduktion erhalten.