Zerbst l Nur ein „ausreichend“ bekommt Zerbst beim aktuellen Fahrradklima-Test des ADFC. Im Vergleich zu den anderen 311 bewerteten Orten in gleicher Größe belegt die Stadt damit Rang 230. Repräsentativ ist die Umfrage des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) allerdings nicht. Nur 54 Teilnehmer füllten den Fragebogen aus. Ihre Antworten sind dennoch ein Gradmesser für die Zufriedenheit der Radfahrer.

Dittmann reagiert auf Kritik

Hinsichtlich des Stellenwertes des Fahrrades beispielsweise geht die Bewertung dahin, dass in jüngster Zeit kaum etwas für den Radverkehr getan wurde – ein Kritikpunkt, den sich Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) annimmt. „Der Ausbau der Radwege ist in der Tat ein Feld, auf dem wir noch viel zu tun haben“, gesteht der Rathauschef. „Aktuell konzentrieren wir uns darauf, im Rahmen von Straßenbaumaßnahmen zu einer Verbesserung zu kommen. Das erfolgte zumindest auf einer Straßenseite am Frauentorplatz und in der Lusoer Straße und wird in diesem Jahr beidseitig in der Karl-Marx-Straße und in der Käsperstraße fortgesetzt“, ergänzt er.

Belegte Radwege

Bemängelt wird ebenfalls, dass die Stadt nicht streng genug kontrolliert, dass Autos auf Radwegen parken. Ein Vorwurf, den der Bürgermeister so nicht stehen lassen kann. „Wir haben im vergangenen Jahr die Präsenz des Ordnungsamtes auf der Straße deutlich erhöht. Das trägt auch zur Ahndung von Falschparkern auf Radwegen zu. Diejenigen, die dafür ein Verwarngeld auferlegt bekamen, schätzen das vermutlich anders ein, als die Radfahrer“, erklärt Dittmann. Zugleich erinnert er an die gegenseitige Rücksichtnahme, eine der Grundregeln der Straßenverkehrsordnung, die mehr zu beherzigen sei. So höre er von Fußgängern immer wieder, wie rücksichtslos die Radfahrer unterwegs seien.

Tempo 30 ausgeweitet

Konflikte zwischen den Verkehrsteilnehmern wirken sich zudem auf das Sicherheitsgefühl aus. Ein Gradmesser für die Situation in Zerbst ist, dass die meisten Umfrageteilnehmer ihre Kinder nicht mit gutem Gewissen allein Rad fahren lassen würden, auch nicht auf Gehwegen. Viele würden sogar davon abraten, den Nachwuchs mit dem Rad zur Schule fahren zu lassen. „Hier hat vermutlich jeder eine andere Auffassung. Aber gerade deshalb haben wir ganz bewusst die Tempo-30-Zonen ausgeweitet, um eine größere Sicherheit auch für Radfahrer im Straßenverkehr zu bekommen“, kommentiert Andreas Dittmann dieses Ergebnis.

Unsicheres Gefühl

Für die Radfahrstreifen, die in Zerbst im Zuge der jüngsten Straßenbaumaßnahmen angelegt wurden, gibt es ebenfalls nur die Schulnote 4,3. Das heißt, Radfahrer scheinen diese oft nur mit unsicherem Gefühl zu befahren – sind diese auf der Fahrbahn markierten Streifen dennoch die bessere Alternative gegenüber einem Radweg? „Wir haben uns für diese Variante entschieden, da dies eine Empfehlung des ADFC schon in Auswertung der vorangegangenen Fahrradklima-Tests war“, erklärt der Bürgermeister und fügt hinzu: „Die Empfehlung deckt sich aber auch mit den Erfahrungen in der Kastanienallee. Manches braucht vermutlich einfach Zeit für mehr Akzeptanz.“

Abstellmöglichkeiten fehlen

Während man Ziele in der Stadt zügig und direkt mit dem Fahrrad erreichen kann, fehlt es augenscheinlich an geeigneten Abstellmöglichkeiten. Zumindest im Bereich der Rückseite des Bahnhofes soll da zeitnah eine Verbesserung geschaffen werden, erinnert der Bürgermeister an das Projekt zu Erschließung der Gleise von der Biaser Straße aus. „Der Baubeginn wurde bisher durch noch nicht erteilte Schachtgenehmigungen der Bahn verzögert, aber die Baustelle soll noch in diesem Jahr abgeschlossen werden“, bemerkt er.

Zur bislang nicht existierenden Möglichkeit, Fahrräder öffentlich auszuleihen, erklärt Dittmann, dass er dies eher als ein geeignetes Angebot in Großstädten und in touristischen Zentren sehe. „Wir werden aber einem interessierten Investor für ein solches Modell gern hilfreich zur Seite stehen“, ergänzt er.

Mehr Ladestationen

Unabhängig davon würde die Stadt das Thema Mobilität mit dem Fahrrad sehr intensiv begleiten. „Der Elberadwanderweg ist im Zerbster Abschnitt einer der besten“, konstatiert Dittmann. Darüber hinaus würden Nutzern von Elektro-Fahrrädern inzwischen dank der Zerbster Stadtwerke mehrere Ladestationen zur Verfügung stehen und eine weitere könnte demnächst dazu kommen. „Wir prüfen gerade ein neues Förderangebot für eine Ladestation an der Walternienburger Burg“, verrät der Bürgermeister.