Zerbst l Tobias Möhring steht bereit und will gerade beginnen, die Goethestraße zu kehren, da schüttet eine Anwohnerin zusammengefegtes Laub auf die Straße. Ein Einzelfall? Weit gefehlt, wissen Tobias Möhring und seine Kollegen vom städtischen Bauhof, die täglich mit der Kehrmaschine in Zerbst unterwegs sind und auf den Straßen für Sauberkeit sorgen.

Auf Volksstimme-Nachfrage, ob sie wisse, dass dies nicht gestattet sei und man das Laub kostenlos auf einem Sammelplatz im Ahornweg entsorgen könne, antwortet die Anwohnerin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte: „Das machen doch alle hier in der Straße. Und wie soll ich mit dem Laub zum Ahornweg kommen, mit dem Fahrrad?“ Auch Tobias Möhring und seine Kollegen wollen die Anwohner der betreffenden Straßen aufklären, auf die Probleme hinweisen und um Verständnis bitten.

Laub aufsammeln kostet zu viel Zeit

„Natürlich versuchen wir Fahrer der Kehrmaschine, mit den Anwohnern in den betroffenen Straßen ins Gespräch zu kommen – egal ob Fremde oder Bekannte – und die Probleme aufzuzeigen, die durch die Laubentsorgung auf den Straßen entstehen“, sagt Möhring. Der Erfolg dieser Gespräche halte sich allerdings in Grenzen. Und die Laub-Saison ist längst noch nicht zu Ende.

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Allein auf dem kurzen Abschnitt der Goethestraße zwischen Mozartstraße und Max-Sens-Platz muss Möhring mit seiner Kehrmaschine zehn Mal zurücksetzen, um das gesamte Laub aufnehmen zu können. „Das kostet natürlich viel Zeit. Außerdem müssen wir etliche Male zusätzlich zum Ahornweg, um den Koffer zu leeren“, erklärt er. Das habe dann auch teilweise Auswirkungen auf die entsprechenden Kehrzeiten in manchen Straßen.

Eigentümer sollen Straßen selbst reinigen

„Neben der Goethestraße findet sich auch jede Menge Laub an den Straßenrändern unter anderem in der Jeverschen Straße, in der Mozartstraße, in der Bahnhofstraße, zum Teil in der Käsperstraße und An der Geistwiese“, schildert Möhring.

„Gemäß der Straßenreinigungssatzung haben die Eigentümer von bebauten und unbebauten Grundstücken die angrenzenden Geh-, Radwege und Straßen zu reinigen. Laut Paragraf 6 Absatz 1 umfasst die Reinigungspflicht auch die Laubbeseitigung“, betont Heike Krüger, Leiterin des Bau- und Liegenschaftsamtes im Zerbster Rathaus. Außerdem dürften der zusammengekehrte Unrat, also auch das Laub, nicht in Regeneinläufe, Rinnsteine, Einlaufschächte der Kanalisation, auf Schachtdeckel oder in Park- und Grünanlagen sowie auf Spielplätze gekehrt werden.

Unnötig viel Dieselverbrauch

„In den letzten vier Wochen musste die Kehrmaschine während der Arbeiten etwa 15 Mal zusätzlich zur Entladung in den Ahornweg fahren. Je zusätzliche Tour können zirka 30 Minuten eingeplant werden. Das bedeutet, dass in den letzten vier Wochen ein ganzer Arbeitstag für diese zusätzlichen Touren zustande kam“, rechnet die Bauamtsleiterin vor.

Daraus folge wiederum, dass der Fahrplan der Kehrmaschine nicht oder nur sehr schwierig eingehalten werden kann. „Außerdem entsteht so natürlich ein zusätzlicher Dieselverbrauch von etwa 100 Litern und nicht zu vergessen, die Laufzeiten der Kehrmaschine erhöhen sich, wodurch sich die Prüf- und Wartungsfristen verkürzen“, erläutert Heike Krüger.

Kostenlose Laubannahme von der Stadt

Die Stadt biete jedes Jahr die kostenlose Annahme des Laubes auf dem städtischen Lagerplatz am Ahornweg an. „Der erste Termin war bereits am 7. November. Ein zweiter Termin wird am Sonnabend, den 28. November, von 9 bis 11 Uhr folgen“, so Krüger. Hier habe jeder Zerbster die Möglichkeit, das Laub zu entsorgen.

„Angenommen wird bei dieser Sammelaktion allerdings ausschließlich das Laub von Straßen- und Parkbäumen. Gartenabfälle, Gras-, Strauch- und Heckenschnitt können dort nicht abgegeben werden“, sagt die Bauamtsleiterin. Ein zusätzlicher Termin könne bei Bedarf sicherlich eingerichtet werden, dies würde aber mit weiteren zusätzlichen Kosten für die Mitarbeiter des Bauhofes, wie Gehalt oder Freizeitausgleich verbunden sein. „Grundsätzlich kann jeder Bürger das Laub auch in seiner Bioabfalltonne der Anhalt-Bitterfelder Kreiswerke entsorgen, diese müssen aber durch den Bürger bezahlt werden beziehungweise ist Bestandteil des gewählten Abfallgebührentarifs“, erklärt Heike Krüger.

Bequemlichkeit hat viele Folgen

Auch Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) ist nicht glücklich mit der Art, wie einige Bürger das Laub entsorgen. „Was hier aus Bequemlichkeit geschieht, hat wie dargestellt, gleich mehrere Folgen. Es bindet Personal und Technik und kostet entsprechend mehr Geld, wodurch wiederum die Kehrgebühren steigen. Umgekehrt könnten sie bei anderem Verhalten um diesen Mehraufwand verringert werden“, sagt der Rathauschef.

Dittmann: „In der Folge wird der Fahrer der Kehrmaschine also den Auftrag erhalten, diese Stellen, wo Laub auf die gekehrt oder geschüttet wurde, zu dokumentieren. Danach sind dann Ordnungswidrigkeitsbescheide die Rechtsfolge. Das dürfte deutlich teurer werden als die ordnungsgemäße Laubentsorgung an Aufwand verursacht Nach wie vor haben wir alle es also alle selbst in der Hand, wie sauber unsere Stadt ist“, gibt der Bürgermeister zu Bedenken.