Zerbst l Das Zerbster Tierheim hat Geldprobleme. Im vergangenen Jahr standen den rund 64.000 Euro Einnahmen rund 100.000 Euro an Ausgaben gegenüber. „Um den Betrieb des Tierheims fortsetzen zu können, haben manche Mitarbeiter sogar Privatkredite aufgenommen“, sagt Tierheimleiterin Diana Hofmann.

Das Hauptproblem ist, dass die Kapazität des Tierheims überlastet ist – vor allem durch Katzen. Laut der Tierheimleiterin ist die Einrichtung für etwa 60 Katzen konzipiert. Versorgt werden momentan jedoch etwa doppelt so viele Tiere. Somit steigen natürlich auch die Kosten. Allein die Tierarztrechnungen haben im vergangenen Jahr rund 30.000 Euro ausgemacht. Auch die Stromkosten machen sich stark im Finanzhaushalt des Tierheims bemerkbar. „Im Schnitt zahlen wir monatlich 1200 Euro für Strom“, sagt Diana Hofmann. Vor allem die Infrarotheizungen für die Zwinger und Gehege würden im Winter enorm viel Energie verbrauchen. Nicht zuletzt sind auch Tierbedarfsmaterialien ein großer Kostenpunkt. Allein Katzenstreu schlägt jährlich mit etwa 7600 Euro zu Buche. „Dabei kaufen wir schon immer palettenweise, um Mengenrabatt zu erhalten“, so Hofmann.

Stadt erhöht Zuschüsse

Die Geldprobleme des Tierheims sind der Stadt bekannt. Und die Stadt hat auch reagiert. In Verhandlungen mit dem Tierschutzverein, der das Tierheim betreibt, wurden Anfang des Jahres die Zuschüsse erhöht, wie Ordnungsamtsleiterin Kerstin Gudella erklärt. Die Amtsleiterin rechnet vor: „Im Jahr 2018 hat das Tierheim eine Pauschale von 25.500 Euro erhalten. Diese wurde in diesem Jahr auf 34.200 Euro erhöht.“ Das entspricht etwa 1,50 Euro pro Einwohner der Stadt Zerbst. Hinzu kommen höhere Vermittlungspauschalen für vermittelte Tiere. Im vergangenen Jahr erhielt das Tierheim für jeden vermittelten Hund und jede abgegebene Katze 75 Euro. Für Kleintiere wie Kaninchen 35 Euro. Seit 2019 gibt es nun 110 Euro für einen vermittelten Hund und 100 Euro für eine Katze. „Darüber hinaus übernimmt die Stadt nun die Hälfte der Kastrationskosten bei Katzen. Zumindest bis zu einer Summe von insgesamt 3100 Euro“, so Kerstin Gudella.

Doch trotz dieser Erhöhung werde das Geld wohl auch in diesem Jahr nicht ausreichen, um die Kosten zu decken, befürchtet Diana Hofmann. Aus diesem Grund verhandeln Tierschutzverein und Stadt erneut über höhere Zuschüsse für 2020.

Hilfe beantragt

Um die Einrichtung dauerhaft vernünftig betreiben zu können, wären etwa 92.000 Euro nötig, sagt sie. „Dann könnte man auch einen zweiten Tierpfleger einstellen und hätte vielleicht sogar noch Geld übrig, um Instandhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen durchführen zu können“, sagt die Tierheimleiterin. Dafür war nämlich zuletzt gar kein Geld mehr übrig. Der Zerbster Tierschutzverein hat sogar extra beim Tierschutzbund finanzielle Hilfe beantragt, um die Heizung im Gebäude reparieren zu können. „Aber das kann man auch nur in Notsituationen machen“, sagt Hofmann.

Zudem ist das Tierheim bestrebt, eine Kastrationsverordnung mit der Stadt zu erlassen. Katzenbesitzer müssten dann – sofern ihre Katze Freigang hat – diese kastrieren lassen. So könne man die steigende Katzenpopulation eindämmen und auch langfristig für weniger Tiere im Tierheim sorgen, ist Hofmann überzeugt. „Wenn wir nichts unternehmen, haben wir hier bald Zustände wie sie in Rumänien herrschen. Nur dass wir hier unzählige Katzen statt Hunde haben“, sagt Diana Hofmann.

Ob und wie diese Kastrationsverordnung umgesetzt wird und wie sich die Geldprobleme des Tierheims entwickeln, bleibt abzuwarten.