Zerbst l Die ehrenamtlichen Pilzberater im Land genießen ihre Freizeit. Normalerweise herrscht zum Herbst großer Andrang bei den Fachleuten. Viele Leute laufen im Herbst durch die Wälder, auf der Suche nach den leckeren Schwammerln. Wer sich beim Suchen oder zu Hause beim Putzen nicht sicher ist, ob die gesammelten Pilze wirklich genießbar sind, bekommt beim Pilzsachverständigen fachkundige Hilfe. Sie bestimmen die Pilze sicher, sofern noch alle Teile vorhanden sind. Im Zweifel rät der Fachmann, die Finger von den Pilzen zu lassen.

Experte rät von Suche ab

Doch in diesem Jahr gibt es kaum Nachfrage nach dem Rat der Fachleute. Denn im Land finden sich so gut wie keine Pilze. „Bei uns gibt es nichts“, sagt Hans-Dieter Seidewitz aus Raguhn. Er ist einer von insgesamt sechs Pilzberatern aus dem Landkreis Anhalt-Bitterfeld. Wer sich dennoch auf die Suche nach den leckeren Pilzen machen wolle, müsse in die südlichen Bundesländer fahren, rät er. Dort habe es in den vergangenen Wochen noch ausreichend geregnet. Hier wachsen die Pilze noch.

Ob sich die Situation noch ändert, weiß er nicht. „Wir bräuchten jetzt einen Landregen mit reichlich Wasser“, sagt er. Nur so könnten die Pilzgeflechte im Boden wieder zu neuem Leben erweckt werden. Die vergangenen Niederschläge seien insgesamt zu gering gewesen, um den Bodenlebewesen wieder Leben einzuhauchen.

Zu wenig Wasser

Schließlich handele es sich bei den Pilzen um die Früchte der im Boden lebenden Pilzgeflechte. Um die Früchte zu bilden, benötigen sie reichlich Wasser. Das Wetter dafür sei zwar schön warm, aber ohne Wasser werde das nichts mehr, ist er überzeugt.

Er genieße die Ruhe. Im Frühling seien ein paar Leute mit Champignons bei ihm gewesen. Zurzeit gebe es keinen Beratungsbedarf. Wer Pilze essen wolle, müsse auf das Angebot im Supermarkt zurückgreifen oder weit fahren. Es habe in der Vergangenheit immer schon mal trockene Jahre gegeben, sagt er auf die Frage, ob er sich an eine ähnliche Situation erinnern könne. Dennoch sei dieses Jahr einzigartig, fügt er an. So etwas habe er noch nicht erlebt, gibt er gern zu. Nehmen die Pilze langfristig Schaden durch die Dürre? Das glaubt er kaum. Wenn es ausreichend regne, könne es im kommenden Jahr wieder ausreichend Pilze geben, ist er überzeugt.

Korb bleibt leer

Ähnliche Erfahrungen machte auch die im Jerichower Land beheimatete Pilzsachverständige Elke Tantzen. Sie ist jährlich am Umweltzentrum Ronney im Herbst unterwegs und bietet Pilzwanderungen an. In diesem Jahr wolle sie die Veranstaltung absagen, kündigte sie in der vergangenen Woche an. Denn auch sie sei bei zahllosen Wanderungen durch die Wälder bislang auf so gut wie keine Pilze gestoßen. Selbst an den ihr bekannten Stellen sei der Korb leer geblieben.

Nur dort, wo es ausreichend Feuchtigkeit im Boden gibt und sich die Feuchtigkeit lange halten konnte, haben die Pilze überhaupt eine Chance zu wachsen. Die Situation führe zu einem geringeren Beratungsbedarf, bestätigt sie. „Ich rechne mit weniger Vergiftungen“, fügt sie an.

Weitsichtige Pilzsucher müssen in diesem Herbst dennoch nicht auf das Aroma von Waldpilzen verzichten, sagt Hans-Dieter Seidewitz. „Ich habe noch jede Menge getrocknete Pilze aus dem vergangenen Jahr.“ In Wasser gelegt und später in den Kochtopf zum Essen gegeben, entfalten die getrockneten Pilze dort ihr bekanntes Aroma. Sei zwar nicht ganz so toll, wie frische Pilze. Dennoch ließe sich so die kalte Jahreszeit überbrücken.

Die Fachleute wissen, dass sich an vielen Monaten im Jahr Pilze in den Wäldern finden lassen. Selbst im Winter, wenn es nicht zu kalt ist, wachsen sie noch. Die Hoffnung haben de Experten aber mit Blick auf das kommende Frühjahr. Bei ausreichend Regen im Spätherbst und Winter könnten die leckeren Früchte dann wieder reichlicher zu finden sein und so manchen Tisch bereichern. Solange bleibe nur durchhalten und auf das Wetter hoffen, meint er.