Zerbst/Berlin l Nach Berlin eingeladen von Europa-Staatssekretär Michael Schneider lauschten rund 130 Gäste zuerst einer Zustandsbeschreibung der Stadt. Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) sprach über die immer noch vorhandenen Wunden des Zweiten Weltkrieges, vom Schloss und den Kirchen ohne Dächer ebenso wie von der erhaltenen, heutigen Stadthalle und dem Stadtmauerring. Dass Zerbst einst Residenzstadt war, davon sehe man heute leider nicht mehr viel. Schließlich appellierte er an die Gäste: „Lassen Sie sich auf das Wagnis Zerbst ein.“

Barockmusik des 18. Jahrhunderts

Die Präsentation in der Hauptstadt war eine der Neuerungen, die in diesem Jahr mit den Festtagen zu Ehren des langjährigen Hofkapellmeisters Johann Friedrich Fasch einhergehen. Natürlich steht die Barockmusik des 18. Jahrhunderts weiterhin im Zentrum der viertägigen Veranstaltung. Erneut konnten international renommierte Musiker dafür gewonnen werden. Bei zwei Konzerten wird sie allerdings eingebunden in moderne Töne. Am 13. April werden im Flugplatzhangar The Artcores auftreten. Und das Abschlusskonzert im Katharina-Saal der Stadthalle steht unter dem Motto „Fasch meets Jazz“.

Spannung wird versprochen

Was genau dann zu hören sein wird – das blieb am Dienstag noch offen. Der Hallenser Universitätsmusikdirektor Jens Lorenz hatte kein Klangbeispiel mitgebracht, erklärte aber die Idee. Es gehe darum, dass Barockmusik musikalisch auf etwas trifft, dass es nicht geben würde, wenn es die Barockmusik nicht gegeben hätte. Anschließend beschrieb er das „vierteilige Konzerterlebnis“. Zu hören aber gab es nichts. Die Proben des Cristin Claas Trios, von „Bachs Erben“ und der Kammerchor des Universitätschores Halle laufen – aktuell „müssen Sie mit meinen trockenen Worten Vorlieb nehmen“, so Lorenz weiter. Er gab aber ein Versprechen. „So breit hat man Fasch noch nie gehört.“ Und einer der beteiligten Musiker, der Jazzpianist Christoph Reuter, kündigte in einer Videobotschaft an: „Es wird spannend, es wird neu. Es wird sehr berührend.“

Internationale Fasch-Gesellschaft

Auch Bert Siegmund, der Präsident der mehr als 100 Mitglieder zählenden Internationalen Fasch-Gesellschaft, betonte den breiteren Ansatz. Der Blick solle über Fasch hinausgehen. Forschungen haben gezeigt, dass Zerbst keine Oase inmitten einer musikalischen Einöde gewesen sei. Die wissenschaftliche Konferenz nimmt nun die Region in den Blick. Unter dem Thema „Musik in Anhalt-Zerbst“ werden sich 13 Wissenschaftler aus mehreren Ländern austauschen. Dabei geht es auch um Konkurrenz zur Hofkapelle. Siemund möchte, dass das Bild von der Musik zur Zeit Faschs weiter vervollkommnet wird.

Einstündige Präsentation

Musikalisch führten Anne Schumann an der Violine, Mark Nordstrand am Cembalo und Klaus-Dieter Voigt an der Viola da spalla durch die einstündige Präsentation in der Landesvertretung. Sie spielten, ganz klassisch, unter anderem Stücke von Faschs Konzertmeister Karl Höckh und von Luigi Madonis. Anne Schumann wurde zudem als Preisträgerin des Fasch-Preises 2019 bekanntgegeben. Die 52-Jährige wird auch im April wieder in Zerbst auftreten. Das Jazz-Experiment wird sie aber wohl wegen eines anderen Engagements verpassen. „Ich würde es mir gern anhören. Was wir machen, ist Jazz schon nahe“, sagte Schumann nach dem Abend.

Der Staatssekretär freute sich, dass sich mit den Fasch-Festtagen auch das letzte große Konzert-Event Sachsen-Anhalt die Landesvertretung als Präsentationsmöglichkeit für sich angenommen hat.