Steutz l Die Getränke sind kalt gestellt, der Grill wohl vielerorts vorbereitet oder angeheizt. Noch etwas mehr als 90 Minuten bis zum Anpfiff des WM-Finales Frankreich gegen Kroatien in Moskau, da tönt bei den Feuerwehrkameraden um 15.22 Uhr Alarm: Waldbrand zwischen Steutz und Steckby.

Die Rauchsäule ist bei der Anfahrt schon kilometerweit zu sehen. Beim Eintreffen der Kameraden stehen zirka zwei Hektar Kiefernwald in Flammen. „Das Feuer wütete nicht nur am Boden, sondern bis in die Baumkronen. Eine äußerst gefährliche Situation“, sagt Feuerwehrsprecher Steffen Schneider.

Ein Pendelverkehr zwischen der Einsatzstelle und einem Hydranten am Steutzer Ortsausgang Richtung Steckby wird eingerichtet, ebenso werden mehr als 700 Meter Schlauch zur Steutzer Schweinemast verlegt.

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„Zusätzlich rückte ein AB-Wasser (Abrollcontainer mit Löschwasser) des Landkreises an“, schildert Schneider die schwierige Situation. Dabei habe man noch großes Glück gehabt. „Der Wind war relativ schwach, so war das Feuer leichter unter Kontrolle zu bringen“, erläutert der Feuerwehrsprecher.

Neun Ortswehren im Einsatz

Die Einsatzstelle wurde in vier Abschnitte aufgeteilt, zwei Abschnitte Brandbekämpfung, ein Abschnitt Wasserversorgung und ein Abschnitt Pendelverkehr.

Knapp 100 Feuerwehrleute der Ortswehren Steutz, Steckby, Zerbst, Leps, Jütrichau, Garitz-Bornum, Güterglück, und Deetz-Badewitz kämpften gegen die Flammen. „Außerdem kamen Kameraden von der anderen Elbseite aus Aken zu Hilfe“, sagt Stadtwehrleiter Denis Barycza.

Die gute Zusammenarbeit und gegenseitige Hilfe sei bei solchen Einsatzlagen unverzichtbar. „Dies gilt übrigens auch für die Mitarbeiter der Elbfähre, die auf der Akener Seite schon auf die Einsatzkräfte warteten“, lobt der Stadtwehrleiter.

Die Akener Kameraden rückten zusätzlich mit einem Motorrad an. „Dies war sehr hilfreich. So konnten mit dem Krad Erkundungsfahrten in dem etwas unwegsamen Gelände durchgeführt werden“, so Denis Barycza.

Waldbrandwarnstufe sorgt für Unverständnis

Die Niederschläge der vergangenen Woche seien nur der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein gewesen. „Das brachte nur eine kurzzeitige Entspannung“, sagt Feuerwehrsprecher Steffen Schneider. Ähnlich sieht das der Stadtwehrleiter und geht noch einen Schritt weiter.

„Es ist mir absolut unverständlich, wieso die Waldbrandwarnstufe auf zwei gesenkt wurde“, erklärt Denis Barycza. Der Wind und die nach dem Regen wieder schnell steigenden Temperaturen hatten die Lage seiner Meinung nach nur wenig entspannt.

„Man braucht nur mal mit der Hand ein bisschen im Waldboden wühlen, dann wird schnell klar, wie trocken die Wälder noch immer sind“, betont der Stadtwehrleiter.

Gegen 22 Uhr am Sonntagabend rücken die letzten Kameraden ab. „Die Brandwache hat der Waldbesitzer organisiert und übernimmt sie damit selbst“, sagt Denis Barycza.

Stadtwehrleiter lobt Wehren

Gleichzeitig lobt Barycza die Professionalität der knapp 100 Einsatzkräfte. „Das Zusammenspiel der immerhin neun Ortswehren hat hervorragend funktioniert“, betont der Stadtwehrleiter. Bei den hochsommerlichen Temperaturen fordere ein solcher Einsatz Höchstleistungen von den Einsatzkräften der Freiwilligen Feuerwehren. Was den Waldbrand ausgelöst hat, ist indes noch völlig unklar.

Bürgermeister macht sich ein Bild am Einsatzo

Auch Ortsbürgermeisterin Regina Frens und Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) waren zur Einsatzstelle geeilt, um sich vor Ort ein Bild vom Ausmaß des Feuers zu machen. „Vermutlich können wir froh sein, dass es uns am Wochenende traf und damit eine höhere Einsatzbereitschaft gegeben war“, sagt Dittmann.

Immerhin seien knapp 100 Einsatzkräfte vor Ort gewesen. „Bei der Hitze haben die Kräfte Enormes geleistet und das angesichts der einsatzstarken letzten Wochen“, betont der Rathauschef und ergänzt: „Wir können uns glücklich schätzen, solche Kameradinnen und Kameraden in den Freiwilligen Wehren zu haben.“

Und das war nicht der erste Einsatz an diesem Sonntagnachmittag. Nur eine Stunde zuvor, gegen 14.20 Uhr, rückten die Ortswehren Jütrichau, Zerbst und Steutz zu einem Ödlandbrand nahe Jütrichau aus.

Bei Heuarbeiten ging eine Fläche von etwa 500 Quadratmetern trockene Wiese in Flammen auf. Diese konnte von den Einsatzkräften schnell gelöscht werden.