Arche stemmt sich gegen Flut der Bürokratie

Walternienburger Kirchengemeinde nimmt das neue Gemeindehaus nach langer Bauzeit endlich in Betrieb

Die Arche in Walternienburg wurde am Sonntag in Betrieb genommen. In einem kleinen Gottesdienst vor dem Haus feierte die Kirchengemeinde die Fertigstellung des Hauses unweit der Elbe in Form eines Schiffes.

Von Thomas Höfs 13.07.2021, 00:00
Pfarrerin Benita Arnold (v. l.), Superintendentin Ute Mertens und Probst Christoph Hackbeil im Innern der Arche. Hier gibt es am Bug ein 6,5 Meter großes Fenster. In den Farben des Regenbogens gibt es darin ein schmales Band. Wenn die Sonne durchscheint, produziert es ein farbenfrohes Lichtspiel.
Pfarrerin Benita Arnold (v. l.), Superintendentin Ute Mertens und Probst Christoph Hackbeil im Innern der Arche. Hier gibt es am Bug ein 6,5 Meter großes Fenster. In den Farben des Regenbogens gibt es darin ein schmales Band. Wenn die Sonne durchscheint, produziert es ein farbenfrohes Lichtspiel. Foto: Thomas Höfs

Walternienburg - So wie die Arche einst die Lebewesen vor den Fluten rettete, so kämpfte sich der gleichnamige Neubau eines Gemeindehauses in Walternienburg durch die Flut der Bürokratie, sagte Probst Christoph Hackbeil. In einem kleinen Gottesdienst auf dem Freigelände vor dem Neubau hat die Kirchengemeinde mit Pfarrerin Benita Arnold, Superintendentin Ute Mertens und dem Regionalbischof Christoph Hackbeil das Haus in Besitz genommen. Bis in die 1980er Jahre stand an der Stelle die Dorfkirche. Das Gebäude wurde abgerissen, weil die Schäden an der Kirche nicht mehr zu reparieren waren. Die Kirchengemeinde nutzte seither das daneben liegende Gemeindehaus für Gottesdienste und Treffen. Es sollte Jahrzehnte dauern, bis im Jahr 2014 die Idee zum Neubau eines Gebäudes mit multifunktionaler Nutzung vorgestellt wurde.

Das Haus soll nicht nur der Kirchengemeinde dienen, sondern auch für die Radfahrer am Elberadweg ein Ort sein, in dem sie Ruhe und Einkehr finden. Schließlich wurde das Bauvorhaben über das Leader-Programm finanziell gefördert. Doch die Bauherren mussten bei der Umsetzung vor allem einen sehr langen Atem und Geduld haben. Zunächst gab es erhebliche Reibungspunkte mit dem Denkmalschutz. Die Fachleute für die Vergangenheit wollten sich den Untergrund der Baustelle zunächst wochenlang genau ansehen. Das Begehren der Archäologen wirkt sich vor allem auf die Baukosten aus, da der Bauherr die Kosten tragen muss. Erfolgreich konnte sich die Kirche hier mit den Archäologen auf einen Kompromiss einigen, der weniger kostenintensiv war. Zumal der Untergrund der Kirche bekannt ist, wie die beauftragte Planerin immer betonte. Neue Dinge seien nicht zu erwarten.

Haus komplett aus Holz gebaut

Monatelang verzögerte sich der Baustart durch die Untersuchungen des Bodens. Um einen baulichen Bezug zu der ehemaligen Kirche herzustellen, nutze die Planerin die alten Fundamentreste und bezog sie in den Bau mit ein. Das Haus ist nicht nur wie der Bug eines Schiffes von der Form her gestaltet. Das Haus ist auch wie bei einer Arche zu erwarten, außen gänzlich aus Holz gebaut.

Dabei hatte die Kirchengemeinde noch Glück und konnte die Bauarbeiten in Auftrag geben, als das Holz noch bezahlbar war. Aktuell würde die Holzverkleidung viel mehr Geld kosten.

Trotz der Inbetriebnahme ist das Gelände dennoch noch nicht fertiggestellt, sagte Ute Mertens. Keine Baugenehmigung habe der Landkreis der Kirche für die geplante Einfahrt erteilt. Da sie sich die Einfahrt zu dicht an der Kreuzung zweier Straßen befinde, müsse die Kirche hier umplanen. Die Zufahrt sowie die geforderten Parkplätze fehlen daher noch und sollen erst in den kommenden Monaten folgen, kündigte sie an. Nach der Fertigstellung und nach der Corona-Pandemie will die Kirchengemeinde mit den beteiligten Unternehmen einen großen Gottesdienst feiern, sagte die zuständige Pfarrerin Benita Arnold.

Haus soll der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden

Über das neue Angebot im Ort freuten sich zudem die Ortsbürgermeister aus Gödnitz und Walternienburg. In den kommenden Wochen und Monaten wird sich die Kirchengemeinde damit befassen, wie das Haus der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden soll, kündigte die Pfarrerin an. Die Gemeinde müsse nun erst einmal Erfahrungen sammeln, sagte sie. Ganz ohne Aufsicht könne das Objekt nicht einfach geöffnet werden, verwies sie auf Vandalismus in anderen offenen Kirchen.

Für den Elberadweg soll die Einrichtung eine Bereicherung sein. Es ist nicht die einzige kirchliche Einrichtung am Elberadweg. In Steckby gibt es seit vielen Jahren bereits eine Radfahrerkirche, in der viele Radfahrer Rast machen und sich im Gästebuch verewigen. In der Walternienburger Arche gibt es nun einen weiteren Rastplatz für Menschen, die die Ruhe suchen.

Mitglieder der Kirchengemeinde tragen die liturgische Ausrüstung in die Arche während des Gottesdienstes.
Mitglieder der Kirchengemeinde tragen die liturgische Ausrüstung in die Arche während des Gottesdienstes.
Foto: Thomas Höfs