Wolfen/Zerbst l „Neue Visitenkarten habe ich schon“, erklärt Elena Herzel und lacht. Den Umzug ins Geschäftsführerbüro der EWG hingegen hat sie zunächst einmal hinten angestellt. „Das ist nicht so wichtig“, meint die 44-Jährige, die in diesen Tagen einen vollen Terminkalender hat. Es ist ein angenehmer Stress. Begeistert und mit spürbarem Elan stürzt sich Elena Herzel in ihre neue Aufgabe.

Am 6. März war ihr erster offizieller Arbeitstag als Chefin der Entwicklungs- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft Anhalt-Bitterfeld. Sie folgt auf Armin Schenk, der fortan als Oberbürgermeister die Geschicke von Bitterfeld-Wolfen lenkt. „Ich freue mich, dass durch die Übernahme der Geschäftsführung durch Frau Herzel Kontinuität besteht“, erklärt jener. „Sie ist eine gute Kennerin der hiesigen Materie“, sagt Landrat Uwe Schulze.

Zuständigkeitsbereich ausgeweitet

Bereits seit 2006 ist Elena Herzel für die EWG tätig, einer der ältesten Wirtschaftsförderungsgesellschaften im Land, die ihre Wurzeln in Bitterfeld hat. Mit der Kreisgebietsreform wurde der Zuständigkeitsbereich auf Köthen und Zerbst ausgeweitet.

„Seit 2011 war ich Prokuristin“, erzählt die 44-Jährige, die ursprünglich aus Kasachstan stammt und in Dresden aufgewachsen ist. Dort studierte sie auch Architektur, war später für Großbaustellen in ganz Deutschland zuständig, vor allem Multiplex-Kinos gehörten zu ihren Aufträgen.

2002 wechselte Elena Herzel in die Verwaltung der sächsischen Hauptstadt. Im Amt für Wirtschaftsförderung war sie als Sachgebietsleiterin für die Ansiedlung von Unternehmen zuständig. „Der Liebe wegen bin ich dann nach Wolfen gezogen“, verrät sie, dass sie dort mit ihrem Mann und dem achtjährigen Sohn lebt.

Berufliche Herausforderung

In der EWG hat die 44-Jährige eine berufliche Herausforderung gefunden, die sie reizt. Sie mag die Vielfalt, die bei der Betreuung der regionalen Unternehmern beginnt, sich über die Beratung zu Fördermitteln erstreckt und bei der Begleitung von Existenzgründern längst nicht endet. Zusammen mit der Arbeitsagentur werden die Ferientage im Unternehmen veranstaltet, um Schülern bei der Berufswahl zu helfen.

Ein weiteres gemeinsames Projekt der beiden Partner erlebte Ende Dezember in Bitterfeld-Wolfen eine gelungene Premiere: der Rückkehrertag. „Das war ein Testballon, der super gelaufen ist“, blickt Elena Herzel zurück. Innerhalb von drei Stunden nutzten 266 Besucher die Chance, sich kurz nach Weihnachten über freie Stellen in der Heimatregion zu informieren. „In diesem Jahr haben wir diesen Aktionstag auch in Zerbst geplant“, schaut die frisch ernannte EWG-Geschäftsführerin voraus.

Netzwerke bilden

An erfolgreichen Projekten möchte sie ebenso weiterarbeiten wie an der Bildung von Netzwerken. Auch die Kooperation mit der Hochschule Anhalt und dem Institut für Kunststofftechnologie und -recycling in Weißandt-Gölzau sollen ausgebaut werden. Als einen weiteren Schwerpunkt nennt sie die Unternehmensbetreuung, „zu schauen, wo drückt der Schuh“. Die Fachkräftesituation bleibt eine Aufgabe für die Zukunft. „Wie gelingt es uns, die Menschen zu halten und Zuzügler zu gewinnen“, formuliert es Elena Herzel.

Darüber hinaus liegt ihr das Innenmarketing am Herzen. Mit dem neu kreierten Label „VON UNS – aus Anhalt-Bitterfeld“ sei ein erster Schritt in diese Richtung unternommen worden. Mit dem rot-weißen Logo, das zusammen mit dem Landkreis entwickelte wurde, sollen Unternehmen, Institutionen und Vereinen ihre Verbundenheit mit der Heimat ausdrücken und zugleich für ihre Produkte und Dienstleistungen werben können.

Nicht zuletzt hofft Elena Herzel, dass es gelingt, eine weitere Kraft für die EWG einzustellen. „Momentan sind wir ein Team von nur vier Leuten, da verteilt sich alles auf wenige Schultern“, erklärt sie. Das bedeute, dass jeder alles können muss. Dennoch ist die 44-Jährige zuversichtlich und übernimmt mit viel Enthusiasmus die Funktion der Geschäftsführerin.