Nach zwei Ertrunkenen an nur einem Tag

Zerbster Ortsgruppe der DLRG weist auf Gefahren beim Baden in Seen und Flüssen hin

Bei sommerlicher Hitze lockt es viele ins kühle Nass. Das Baden in offenen Gewässern birgt allerdings viele Gefahren. Erst kürzlich starb ein junger Familienvater in der Elbe, während ein Kind im Kleinen Waldsee von Plötzky ertrank.

Von Daniela Apel
In der Zerbster Kiesgrube wird das Baden von der Stadt geduldet, erfolgt allerdings auf eigene Gefahr. Rettungsschwimmer sind nicht vor Ort.
In der Zerbster Kiesgrube wird das Baden von der Stadt geduldet, erfolgt allerdings auf eigene Gefahr. Rettungsschwimmer sind nicht vor Ort. Foto: Daniela Apel

Zerbst - Wer keinen eigenen Pool besitzt, der sucht bei sommerlichen Temperaturen nach Alternativen zur Abkühlung. Manchen zieht es an die sandigen Buhnen der Elbe, aber auch die Seen der Umgebung sind mitunter ein verlockendes Ziel. Neben dem Gödnitzer See und dem Deetzer Teich gibt es an der Zerbster Kiesgrube „geduldete Badestellen“, wie Ordnungsamtsleiterin Kerstin Gudella erklärt.

Allerdings geschieht das Baden dort auf eigene Gefahr. Und die Risiken sind nicht zu unterschätzen, weshalb die Ortsgruppe Zerbst/Anhalt der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) davon abrät. „Flüsse und Seen sind keine Badegewässer, Punkt Aus“, findet Simone Striebing klare Worte. In der Elbe oder einem unbewachten See oder Teich zu baden, vor allem mit Kindern, sei unverantwortlich, meint die erfahrene Ausbilderin fürs Rettungsschwimmen.

Die Anfang März vorgestellte DLRG-Statistik für 2020 belegt, dass Flüsse und Seen nach wie vor die größten Gefahrenquellen darstellen. Demnach ertranken bundesweit mindestens 378 Menschen, rund 88 Prozent von ihnen in Binnengewässern. Erst kürzlich, am 4. Juli, konnte ein junger Familienvater nur noch tot aus der Elbe bei Steutz geborgen werden. Am gleichen Tag starb ein vierjähriger Junge im Kleinen Waldsee in Plötzky.

Selbstüberschätzung ist häufige Unfallursache

Die beiden tragischen Badeunfälle zeigen, wie tückisch es ist, Abkühlung in einem offenen Gewässer zu suchen, wo es keine Beaufsichtigung durch ausgebildete Rettungsschwimmer gibt. Diese können im Notfall schnell zu Hilfe eilen und Schlimmeres verhindern. „Zum Baden geeignet sind grundsätzlich nur bewachte Gewässer. In unserer Region gibt es viele schöner Bäder, so zum Beispiel in Zerbst, Rodleben, Meinsdorf, Dessau und so weiter“, sagt Nico Güth. In Anbetracht der dort vorhandenen Aufsichtspersonen sollte das Eintrittsgeld nicht abschrecken, findet der Sprecher der Zerbster Ortsgruppe der DLRG.

Eine der häufigsten Ursachen für Badeunfälle ist seiner Aussage nach die Selbstüberschätzung. „Die Leute schwimmen weit raus, wo das Wasser tiefer ist und merken dann, dass die Kräfte für den Rückweg nicht reichen“, schildert Nico Güth. „In bewachten Seen wird hier mit Bojen gearbeitet, die zeigen, wie weit man schwimmen darf“, erzählt er. Auch in einem Freibad ergebe sich das Problem nicht, da dort die Beckengröße begrenzt sei.

Strömung in der Elbe nicht unterschätzen

Vom Baden in der Elbe rät die Zerbster DLRG „zunächst einmal komplett ab“, so der Pressesprecher der Ortsgruppe. „Die Strömung ist selbst für erfahrene und trainierte Schwimmer zu stark“, begründet er. Auch zwischen den Buhnen sei der Sog nicht zu unterschätzen. „Sogenannte Unterströmungen sind an der Wasseroberfläche nicht zu sehen, können aber stark genug sein, einem die Füße wegzuziehen“, gibt Nico Güth zu bedenken.

Außerdem sei die Beschaffenheit des Grundes durch das trübe Flusswasser nicht zu erkennen. „Es kann auch plötzlich sehr tief nach unten gehen, von schultertiefem Wasser unmittelbar auf über drei Meter Tiefe“, sagt er. In eine solche Auskolkung sei auch der fünffache Familienvater regelrecht „hineingefallen“, wie es Nico Güth beschreibt.

Der 31-jährige Mann, selbst Nichtschwimmer, wollte eine seiner Töchter aus der Elbe holen, als er plötzlich unterging. Die Zerbster DLRG war ebenfalls vor Ort mit elf Kameraden im Einsatz - darunter zwei Taucher, die den Vermissten schließlich leblos unter Wasser fanden.

Unerfahrene sollten keinen Rettungsversuch wagen

Unerfahrene sollten sich allerdings keinesfalls selbst in Gefahr begeben, um jemanden aus einem See oder Fluss zu retten, betont Nico Güth. Als erstes sollte man vielmehr den Notruf 112 wählen und die Leitstelle alarmieren. „Ist die Person nicht zu weit entfernt, kann man unter Zuhilfenahme von Hilfsmitteln einen Rettungsversuch unternehmen“, sagt er. Aber auch, wer als Schwimmer fit sei und sich einen Rettungsversuch zutraue, sollte sich, bevor er ins Wasser stürmt, fragen, ob er kräftetechnisch auch den Rückweg bewältigen kann, wenn er noch jemanden im Schlepptau hat, betont Nico Güth.

Soweit sollte es allerdings gar nicht erst kommen. Aus dem Grund appelliert die Zerbster DLRG ausdrücklich an die Bürger: „Verzichten Sie auf das Baden in Flüssen und Seen.“

Die Mitglieder der Zerbster DLRG trainieren regelmäßig, Menschen aus Gewässern zu retten.
Die Mitglieder der Zerbster DLRG trainieren regelmäßig, Menschen aus Gewässern zu retten.
Foto: Nico Güth