Projekt

Zerbster Stadtarchiv will künftig digitale Ahnenforschung ermöglichen

Die Digitalisierung hält Einzug ins Zerbster Stadtarchiv. Online soll zukünftig jedem auf der Welt der problemlose Zugriff auf die historischen Dokumente ermöglicht werden.

Von Daniela Apel 23.04.2022, 06:00
Stadtarchivarin Juliane Bruder ist begeistert vom neuen Buchscanner, der dank einer Förderung angeschafft werden konnte und nun das Digitalisieren historischer Dokumente in hoher Qualität ermöglicht.
Stadtarchivarin Juliane Bruder ist begeistert vom neuen Buchscanner, der dank einer Förderung angeschafft werden konnte und nun das Digitalisieren historischer Dokumente in hoher Qualität ermöglicht. Foto: Stadt Zerbst

Zerbst - Aus den Kellergewölben hinaus in die digitale Welt zieht es das Zerbster Stadtarchiv. Dessen Bestand ist eine Fundgrube für Hobbyforscher, die nach ihren familiären Wurzeln suchen. Online sollen sie in Zukunft von überall aus in den historischen Dokumenten stöbern können. Immerhin gab es schon Anfragen aus Asien, Südafrika und den USA, die mitunter bislang unbekannte Fakten zutage förderten.

Beispielsweise, dass der gebürtige Zerbster Friedrich Wilhelm Georg Würfel (1880 bis 1936) das Eislaufen nach Japan brachte, wie Juliane Bruder erzählt. Die Recherche in den Personenstandsregistern sei ein spannendes Feld, findet die Stadtarchivarin. Ab 1876 liegen die standesamtlich erfassten Geburten, Eheschließungen und Sterbefälle hier im Rathauskeller vor, und zwar für Zerbst und die Orte im Umland. Mehr als 500 handschriftlich ausgefüllte Bücher teils mit wertvollen Randnotizen ermöglichen die Erstellung von Stammbäumen. Manchem helfen sie auch beim Nachweis deutscher Vorfahren, wie die junge Frau schildert.

Im Zerbster Stadtarchiv lässt sich in Geburten-, Ehe- und Sterberegistern nach den Vorfahren recherchieren.
Im Zerbster Stadtarchiv lässt sich in Geburten-, Ehe- und Sterberegistern nach den Vorfahren recherchieren.
Foto: Daniela Apel

Immer wieder hat sie Anfragen zur Familienforschung, vier bis fünf sind es im Schnitt monatlich. „Das ist ein Trend, der nicht abebbt“, sagt sie. Egal, ob Jung oder Alt - quer durch die Generationen geht das Interesse nach den eigenen Ahnen. Etwas erleichtert wird die akribische Suche durch die alphabetischen Namensverzeichnisse, die es für jeden einzelnen Band gibt. Diese sind inzwischen auch digitalisiert, wie die Stadtarchivarin erzählt. Ganze drei Jahre dauerte die Erfassung mit dem Handscanner. Während sich so schneller herausfinden lässt, in welchem Register eine Person zu finden ist, muss der eigentliche Eintrag noch erblättert werden. Das soll sich ändern.

„Wir wollen ein digitales Angebot aufbauen, das einfach zugänglich und von überall abrufbar ist“, sagt Juliane Bruder. Das vereinfacht Historikern, Studenten oder eben auch Privatleuten die Recherche und schont zugleich die alten Dokumente. Bis jeder Interessierte online Zugriff auf die wertvollen Akten hat, wird aber noch Zeit vergehen. Dennoch freut sich die Stadtarchivarin, dass nun ein erster großer Schritt in diese Richtung unternommen werden konnte. Mit leuchtenden Augen blickt sie auf den neuen Buchscanner im Wert von knapp 22.000 Euro, der dank einer 90-prozentigen Förderung zusammen mit einem Großformatscanner im Wert von nochmal gut 6100 Euro angeschafft werden konnte.

Zerbster Archiv bietet Praktika an

Der gewährte Zuschuss stammt aus dem bereits im November 2020 gestarteten Programm „WissensWandel“ des Deutschen Bibliotheksverbandes, für das im Mai 2021 nochmals zehn Millionen Euro zur Verfügung gestellt wurden. Mit dem Geld sollten Bibliotheken und Archive finanziell dabei unterstützt werden, ihre vielfältigen Kultur- und Bildungsangebote digital weiterzuentwickeln.

Das Vorhaben „750 Jahre Stadtarchiv Zerbst - aus den Kellergewölben in die digitale Welt“ überzeugte, so dass nun sowohl Baupläne und Karten als auch die mittelalterlichen Urkunden und eben die Personenstandsregister nach und nach eingescannt werden können. „Das wird eine Aufgabe für die nächsten Jahre“, ist sich Juliane Bruder sicher. Stolz führt sie den Buchscanner vor, dessen integrierte Kamera Aufnahmen in hoher Auflösung anfertigt. Das bringt noch einen weiteren Vorteil mit sich: Bei Verlust des Originals können die digitalisierten Archivalien reproduziert werden.

Im Ratskeller lagern momentan die Dokumente des historischen Stadtarchivs.
Im Ratskeller lagern momentan die Dokumente des historischen Stadtarchivs.
Foto: Daniela Apel

Juliane Bruder hat bereits Kontakt mit der rathauseigenen IT (Informationstechnik) aufgenommen, mit deren Hilfe die eingescannten Dokumente zukünftig jedem im Internet zur Verfügung gestellt werden sollen. Angefangen werden soll mit den Personenstandsregistern für die Ahnenforschung, wie die junge Frau informiert. Seit 2014 ist die studierte Museologin mit anhaltender Begeisterung als Stadtarchivarin tätig. Was das alles umfasst, können Jugendliche bei einem Praktikum übrigens gern herausfinden.