Zerbst | Insgesamt 36 Stadträte in acht Fraktionen zählt der Stadtrat, der am 26. Mai von den Zerbstern gewählt wurde, unter ihnen sind auch Philipp Koch und Jonas Döhring. Sie sind mit 22 Jahren die jüngsten Mitglieder. Was sie erreichen möchten, wollte die Volksstimme von den beiden Youngsters (Neulinge in einer Mannschaft von erprobten Spielern, die erst noch Fuß fassen müssen) Anfang Juni wissen. Jetzt – ein halbes Jahr später haben wir Philipp und Jonas erneut getroffen und gefragt, was sie in den sechs Monaten für Erfahrungen gemacht haben und wie ihre Arbeit in den Fraktionen aussieht.

„Sie werden sich hoffentlich nicht von der Routine der Stadträte mit langjähriger Erfahrung in die Schranken weisen lassen. Gerade die Diskussion um das Rezo-Video zeigt, dass die Politik zu einer neuen Sprache finden muss – das schließt die Kommunalpolitik mit ein“, kommentierte Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) damals den Einzug der beiden jüngsten Mitglieder in den Stadtrat.

Und das tun Philipp und Jonas auch nicht, sich in die Schranken weisen lassen. „Das ist auch gar nicht nötig“, sind sich die beiden jungen Männer einig. Sie werden ernst genommen und die von ihnen in die Fraktion eingebrachten Themen würden ebenso diskutiert wie die von jedem anderen Fraktionsmitglied auch. „Wenn ich ein Thema oder Problem zur Diskussion stelle, wird das auch ernst genommen“, sagt Philipp.

Einsatz für einen Jugendbeirat

Der 22-Jährige, der sich seit seinem zehnten Lebensjahr in der Freiwilligen Feuerwehr engagiert, wollte sich für die Schaffung eines Jugendbeirates stark machen. Und er hat Wort gehalten. „Ich habe am Beispiel anderer Städte einen Satzungsentwurf in den Sozialausschuss eingebracht, der jetzt als Grundlage dient und an dem jetzt gefeilt wird“, sagt Philipp nicht ohne Stolz.

Der Jungstadtrat wurde in den Haupt- und Finanzausschuss gewählt und vertritt hin und wieder Günter Benke im Sozialausschuss. Außerdem ist Philipp zum Vorsitzenden der Verbandsversammlung des Abwasser- und Wasserzweckverbandes (AWZ) Elbe-Fläming gewählt. „Ich denke, ich habe mich eingefuchst. Und die Arbeit in der Fraktion, in den Ausschüssen und im Stadtrat macht mir Spaß. Ich habe schon den Eindruck, dass man mir viel Vertrauen entgegenbringt“, betont Philipp. Was ihn besonders freut, wenn er etwas nicht weiß oder Fragen hat, stehen ihm die erfahrenen Stadtratsmitglieder mit Rat und Tat zur Seite.

Stärkung des Ehrenamtes

„Niemand lässt dich im Regen stehen, im Gegenteil, alle in der Fraktion haben ihre Hilfe angeboten“, freut sich der 22-Jährige. Auch die Stimmung in den Ausschüssen und im Stadtrat sei im Großen und Ganzen von Sacharbeit geprägt. „Schließlich geht es um bestmögliche Lösungen, die uns alle betreffen“, erklärt er. Philipp: „Sicher gebe es auch Differenzen und kontroverse Meinungen, gerade dies sei das Fundament der Demokratie.“

Sein zweites großes Ziel, das Ehrenamt zu stärken, habe er weiter fest im Blick. „Auch hier werde ich meine ganze Kraft einsetzen, um das Bestmögliche für die vielen Ehrenamtlichen herauszuholen“, verspricht er.

Beteiligung an Diskussionen

Auch Jonas könne nur Positives berichten. „Klar war ich am Anfang etwas ruhiger und zurückhaltender“, gibt er zu. Doch das habe sich schnell geändert. „Es macht mir Riesenspaß, mich intensiv an den Diskussionen im Ausschuss und Stadtrat zu beteiligen“, erklärt Jonas. Vor allem könne er auch eigene Themen und Vorschläge einbringen.

„Auch als junges Stadtratsmitglied werde ich ernst genommen und meine eingebrachten Themen werden ebenso ernsthaft diskutiert, wie alle anderen auch“, sagt Jonas, der auch stellvertretender Kreisvorsitzender und im Vorstand des Landesverbandes der Jungen Union ist.

Stopfen von Mobilfunklöchern

„Auch wenn die Meinungsverschiedenheiten in der eigenen Fraktion manchmal größer sind, als man denkt, so setzen wir uns doch mit allen anliegenden Problemen und Themen konstruktiv auseinander. Gerade auch das ist es, was mir gefällt“, sagt Jonas. Alle Themen fänden Gehör und würden diskutiert.

Auch die Vorschläge und Anregungen der Zerbster Ortsgruppe der Jungen Union (JU), die kürzlich gegründet wurde, finde Gehör in der CDU-Stadtratsfraktion. „Insgesamt haben wir mit der JU schon drei Anträge erarbeitet und über unsere Fraktion in den Stadtrat eingebracht, darunter eine Initiative zum Stopfen von Mobilfunklöchern in den Zerbster Ortschaften“, sagt Jonas.

Ausbau der Umweltbildung

Sein zu Anfang erklärtes Ziel, die Umweltbildung in den Schulen und Kitas zu stärken und auszubauen, habe er nicht aus den Augen verloren, im Gegenteil: „Ich organisiere Projekttage in den Kitas und Grundschulen, um den Kindern beispielsweise unseren Wald, die Jagd, Flüsse, Seen und die Landwirtschaft näher zu bringen. Ich würde da gerne noch beispielsweise den Anglerverein und Landwirte mit ins Boot holen“, erklärt Jonas. Ein solcher Projekttag habe bereits stattgefunden und weitere Kitas würden Interesse zeigen.

Jonas wurde von seinen Fraktionskollegen zum Sprecher gewählt, sitzt im Haupt- und Finanzausschuss und im Aufsichtsrat der Gasstadtwerke. „Nach einem halbe Jahr aktiver Kommunalpolitik kann ich stolz sagen, ich bin angekommen und habe mich eingearbeitet“, sagt Jonas.

Stärkere Einbindung der jungen Generation

Was er auch von Anfang an auf dem Schirm hatte: Jonas möchte sich für eine nachhaltig wirtschaftliche Entwicklung der Einheitsgemeinde einsetzen. „Unsere Heimatstadt Zerbst muss noch attraktiver für junge Leute und Familien gemacht werden“, bekräftigt Jonas sein Ziel noch einmal.

Was den beiden Männern zu Beginn ebenso so wichtig war und noch immer ist: Sie möchten die Anliegen und Sorgen der Menschen, auch und besonders junger Menschen in den Stadtrat transportieren, „schließlich sind wir ihre gewählte Vertretung. Unsere Generation muss stärker in die Entscheidungen eingebunden werden“, machen die jungen Männer nochmals deutlich.

Wenn sich auch hier und da unterschiedliche Auffassungen bei den beiden Jungstadträten herauskristallisieren, in den wesentlichen Punkten sind sie sich einig. Philipp und Jonas wünschten sich als sie in den Stadtrat eingezogen sind, eine konstruktive und sachliche Zusammenarbeit mit allen Fraktionen. „Im Großen und Ganzen wird das auch so gelebt“, sind sie sich auch in diesem Punkt einig.

„Alle Bürger, besonders Jugendliche, egal ob Schüler, Azubis, Vereinsmitglieder oder junge Familien, können sich mit ihren Sorgen und Problemen vertrauensvoll an uns wenden und uns ansprechen. Wir werden zuhören und die Probleme zur Sprache bringen“, bekräftigen Philipp und Jonas ihr Versprechen.