Klimaschutz

Zerbster Unternehmen entwickelt elektronische Steuerung für Feinstaubfilter CityTree

Der von einem Berliner Start-up entwickelte City-Tree ist der weltweit erste Biotech Feinstaubfilter für urbane Räume. Integrierte Moosmodule filtern Feinstaub aus der Luft. Seit 9. Juli steht solch ein Stadtmöbel auf der Alten Brücke. An der Entwicklung beteiligt ist auch das Zerbster Unternehmen KD Elektroniksysteme.

Von Thomas Kirchner 12.07.2021, 11:34
Peter Sänger, Mitbgründer von Green City Solutions erläutert Christian Eins, Projektleiter Entwicklung bei KD Elektroniksysteme, Bürgermeister Andreas Dittmann und KD-Geschäftsführer Ralf Kleinodt (v.r.) noch einmal die Funktionsweise der City-Trees.
Peter Sänger, Mitbgründer von Green City Solutions erläutert Christian Eins, Projektleiter Entwicklung bei KD Elektroniksysteme, Bürgermeister Andreas Dittmann und KD-Geschäftsführer Ralf Kleinodt (v.r.) noch einmal die Funktionsweise der City-Trees. Foto: Thomas Kirchner

Zerbst - Was haben London, Berlin, Newcastle, Brüssel, Paris und Zerbst gemeinsam? Nicht viel, werden einige jetzt schmunzelnd sagen. Weit gefehlt, denn seit 9. Juli gehört Zerbst zu 20 Metropolen, die in ihren Innenstädten einen sogenannten „CityTree“ aufstellen ließen, in Zerbst allerdings nicht dauerhaft – noch nicht. Er soll vorerst für etwa drei Monate vor dem Dicken Turm auf der Alten Brücke für Diskussionen sorgen, wie es Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) ausgedrückt hat.

„Das ist sozusagen Pionierarbeit. Am Anfang haben wir selbst geschraubt und gelötet, wie man das eben so macht, ohne valide Mittel“, schildert Peter Sänger, Mitbegründer des Start-ups Green City Solutions mit Sitz in Berlin, die Anfänge von der Idee bis zur Umsetzung. Nach anfänglichen Schwierigkeiten im Bereich der Elektronik im Inneren des City-Trees laufe nun alles problemfrei.

Komplexe Steuerung

Dann kam das Zerbster Unternehmen KD Elektroniksysteme ins Spiel, das maßgeblich an der Lösung der anfänglichen Elektronikprobleme beteiligt war und jetzt an der erfolgreichen Weiterentwicklung des City-Trees. KD hat die elektronische Steuerung des weltweit ersten Biotech-Feinstaubfilter für urbane Räume entwickelt. „Wir haben für den CityTree die nötige Hardware, Software und den passenden Schaltschrank entwickelt“, sagt KD Geschäftsführer Ralf Kleinodt.

Die meisten Menschen und Unternehmen brächten KD-Elektroniksysteme nur mit „DimmLIGHT“ (intelligente Straßenbeleuchtung) in Verbindung. „Wir können aber viel mehr, sind wesentlich breiter aufgestellt. Wir sehen uns als Dienstleister für Unternehmen, die für ihre Produkte elektronische Lösungen brauchen“, betont Kleinodt.

Anfänglich sei auch beim City-Tree die Komplexität der nötigen Steuertechnik unterschätzt worden. „Mittlerweile steht die nächste Produktgeneration kurz vor Entwicklungsabschluss, und an der nächsten Variante, einer entsprechenden Fassadengestaltung, arbeiten wir bereits – alles hochkomplexe Systeme“, erläutert der KD Geschäftsführer. Das von den Zerbster Spezialisten entwickelte System sorgt für die reibungslose Steuerung der komplexen Abläufe im inneren des Luftfilters.

KD ist mehr als Dimmlight

„Die Sensoren messen die Luftfeuchtigkeit und die Temperatur im Inneren des City-Trees, also wie die Wachstumsbedingungen sind. Entsprechend werden dann die Ventilatoren mit der benötigten Luftleistung und die kleine Bewässerungsanlage für das Moos gesteuert. Es gibt weitere Sensoren unter anderem für Stickoxide und eine Wetterstation. Die Daten werden gesammelt und über eine Cloud verarbeitet“, erklärt Kleinodt.

Der positive Einfluss des City-Trees auf das Mikroklima sei inzwischen von mehreren Instituten bestätigt. „Ein zusätzlicher Gewinn ergibt sich aus der möglichen Nutzung als Sitz- und Ruhezonen für die Menschen, die in den Städten unterwegs sind. Außerdem können die Außenwände mit Displays ausgestattet und als Marketing- beziehungsweise Werbeflächen von den Städten selbst oder von Unternehmen genutzt werden. Die Displays würden ebenfalls zentral gesteuert“, so Kleinodt.

Auch Hotspots für den Mobilfunk könnten in den City-Trees ihren Platz finden. „Da diese hauptsächlich auch in den Stadtzentren wichtiger werden, eignen sich die Standorte der City-Trees perfekt dafür“, sagt Kleinodt. Das hat auch die Telekom erkannt. Der Konzern plant, in Partnerschaft mit Green City Solutions nun entsprechende Hotspots in künftigen CityTrees zu platzieren. Diese werden mit den Städten bedarfsorientiert und individuell gestaltet und aufgestellt, heißt es auf den Internetseiten des Konzerns.

Diskussionen beabsichtigt

Peter Sänger ist überzeugt vom Erfolg des City-Trees. „Wir haben einen Industriestandard erreicht, worüber ich sehr glücklich bin. Ich kann mich durchaus an Zeiten erinnern, wo wir nach Paris gefahren sind, um etwas zu reparieren, weil es Ausfälle gab“, sagt Sänger. Deswegen sei schnell klar gewesen, dass eine solide Lösung her muss. „Das haben wir jetzt geschafft und den City-Tree über zwei Jahre weiterentwickelt, nach dem Selfmade-Modell steht hier nun die nächste Generation“, erklärt Sänger.

Der City-Tree werde mit Sicherheit für Fragen und Diskussionen sorgen, ist sich der Rathauschef sicher. „Das ist auch beabsichtigt. Als Ralf Kleinodt mit der Idee und Frage zu mir kam, mit diesem Projekt sowohl auf das anstehende 20-jährige Firmenjubiläum der KD Elektroniksysteme aufmerksam zu machen und gleichzeitig einen Beitrag zum Stadtklima im wahrsten Sinne des Wortes zu leisten, war ich schnell dabei“, sagt Bürgermeister Andreas Dittmann.

Es sei eine gute Gelegenheit, unmittelbar vor der Haustür deutlich zu machen, was für ein unternehmerisches Potenzial hier zu Hause ist und welche Chancen für Ausbildung und Beruf bestehen. „Die KD Elektroniksysteme ist eben viel mehr als DimmLIGHT, darauf können wir stolz sein“, betont Dittmann.

Wie funktioniert der City-Tree?

Bei einem City-Tree handelt es sich um einen drei Meter hohen Turm aus Holz, in den neben großen Moosflächen auch Bewässerungssysteme, Ventilatoren und Sensoren integriert sind. Die Moose filtern aus der angesaugten Luft den Feinstaub. Nebenbei produziert das Moos Sauerstoff und senkt die Umgebungstemperatur, weil Moos große Mengen an Feuchtigkeit speichern kann und die Verdunstungsfläche verhältnismäßig groß ist. So können die Moosfilter für eine bis zu 80 Prozent sauberere Luft direkt am Aufstellungsort sorgen.

Ähnlich verhält es sich mit der Temperatur: In einem Radius von einem Meter senkt der City-Tree die Temperatur um bis zu vier Grad ab. Nehmen die Sensoren des City-Trees hohe Schadstoffgehalte wahr, werden die Ventilatoren hochgefahren. Sie pusten dann mehr Luft durch die Moose. Durch den aktiven Luftstrom prallen die Feinstaubpartikel auf die Moosfläche und lagern sich dort ab. Wird Wasser hinzugegeben, nehmen die Moose Partikel ins Innere auf und verdauen sie dort. So kann die Leistung der Moose an besondere Belastungssituationen der Umgebung angepasst werden.

(Quelle: Bundesministerium für Bildung und Forschung)

Foto: Thomas Kirchnern3bAfe3NE81qh53qf7ecb5fhHb7
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Foto: Thomas Kirchner
Peter Sänger, Mitbgründer von Green City Solutions erläutert Christian Eins, Projektleiter Entwicklung bei KD Elektroniksysteme, Bürgermeister Andreas Dittmann und KD-Geschäftsführer Ralf Kleinodt (v.r.) noch einmal die Funktionsweise der City-Trees.
Peter Sänger, Mitbgründer von Green City Solutions erläutert Christian Eins, Projektleiter Entwicklung bei KD Elektroniksysteme, Bürgermeister Andreas Dittmann und KD-Geschäftsführer Ralf Kleinodt (v.r.) noch einmal die Funktionsweise der City-Trees.
Foto: Thomas Kirchner