Zollmühle l „Es ist eine Frechheit, was sie sich da geleistet haben.“ Kathleen Tscherner ist verärgert. Sie betreibt einen Hofladen an der Zollmühle, der seit über einem Jahr nur über Umwege zu erreichen ist. Immer wieder wurde die ursprünglich nur bis September 2017 geplante Vollsperrung der Kreisstraße 1250 nach Deetz verlängert.

Vor nunmehr über einem Jahr – Anfang Juni – begannen die Arbeiten für den Ersatzneubau der Nuthebrücke. Dann das erste Hindernis: Die ausgeschriebenen Spundwandprofile waren nicht lieferbar und es musste im Hinblick auf das anvisierte Fertigstellungsdatum ein lieferbares, kostenintensiveres Spundwandprofil bestellt werden. Als die Alt-Fundamente freigelegt waren, stellte sich heraus, dass ein größerer Spundwandkasten benötigt wird.

Ein Problem folgt dem anderen

Probleme gab es auch mit der Baugrube, die mit Hilfe der Spundwände hergestellt worden war. Diese füllte sich aufgrund von Schichten- und Niederschlagswasser bis etwa 50 Zentimeter unter Geländeoberkante mit Wasser. „Dieser Wasserzulauf in die Baugrube war aus dem vorliegenden Baugrundgutachten vorher nicht erkenn- oder einplanbar“, heißt es in der Beschlussvorlage, mit welcher die entstandenen Mehrkosten begründet wurden, die der Kreistag auf seiner jüngsten Sitzung beschloss.

Unterwasserbeton kam zum Einsatz, um das Wasser gefahrlos abpumpen zu können. Weitere Zeit zog ins Land, weil die Bachumleitung angepasst werden musste und die sich daraus ergebenden geänderten Abbruch- und Montagetechnologien ebenso.

Fehler in der Planung

„Planer und Firma haben sich nicht mit Ruhm bekleckert“, formuliert es Kathleen Tscherner diplomatisch. Ganz genau verfolgte sie vor Ort die Bauarbeiten. „Als Anwohner ist man machtlos. Den Ausfall bezahlt einem keiner“, konstatiert Kathleen Tscherner.

Etwas Hoffnung schöpfte sie, als sich die Fertigstellung der Brücke abzeichnete. Vergeblich. „Es ist keine endgültige Abnahme erfolgt“, kann sie nur verständnislos den Kopf schütteln. Zudem sei die Straße von den schweren Baumaschinen kaputt gefahren worden, schildert die Anwohnerin.

Frist für Ausbesserung der Schäden

Ihre Aussagen bestätigt Kreissprecherin Marina Jank auf Volksstimme-Nachfrage. „Die Maßnahme wurde, wie zeitlich veranschlagt, in der zweiten Junihälfte abgeschlossen“, sagt sie und schickt das Aber gleich hinterher. So stellte ein externes Prüfbüro bei der Inaugenscheinnahme der neuen Brücke noch Mängel fest, die vor einer Abnahme abgestellt werden müssen.

„Bei einem gemeinsamen Vororttermin nach Abschluss der Baumaßnahme mit der ausführenden Firma wurden diese Mängel erörtert“, berichtet Marina Jank. Demnach sind die vor Ort hergestellten Betonbauteile sowie die Asphaltdecke im Brückenbereich nachzubessern.

Damit jedoch ist die Baufirma längst nicht entlassen. Im Gegenteil. „Durch fehlende Schutzmaßnahmen der direkt angrenzenden, weiterführenden Kreisstraße ist die Fahrbahnoberfläche so stark beschädigt worden, dass vor Brückenfreigabe eine Wiederherstellung des Straßenzustandes erfolgen muss“, erklärt die Kreissprecherin. Für die geforderten Nachbesserungsarbeiten wurde der Firma eine Frist bis zum 23. Juli gesetzt.

Das Kapitel „Zollmühle“ ist also noch nicht beendet. Es bleibt abzuwarten, wie es sich weiter entwickelt. Gestern zumindest tat sich nichts vor Ort, wie Kathleen Tscherner am Telefon erzählt „Still ruht der See“, hofft sie dennoch, dass die Firma in Kürze wieder anrückt und die Auflagen erfüllt, so dass die Kreisstraße endlich freigegeben werden kann.