Berlin (dpa) - Es ist ganz und gar nicht alltäglich, was der Popmusiker Andy Burrows und der Schriftsteller Matt Haig da auf die Beine gestellt haben: Zu süffigem, auch mal seifigem 70er-Jahre-Pop vertonen die beiden ein Buch namens "Reasons To Stay Alive".

Der nach dem Erscheinen 2015 sehr populäre Depressions-Ratgeber des Roman- und Kinderbuchverfassers Haig hatte Burrows (zeitweise Mitglied von Razorlight und We Are Scientists) stark beeindruckt - immerhin ging es hier um "Gründe, am Leben zu bleiben". Also schaltete sich der 39-jährige Songwriter aus Winchester zunächst per Twitter mit dem 43-jährigen Autor aus Sheffield zusammen.

Das Ergebnis des Austauschs heißt nun (logisch!) "Reasons To Stay Alive" (Caroline International/Fiction). Und auch wenn sich nicht immer ganz erschließt, was die nostalgisch-melodieselige Musik und die komplizierte Textvorlage konkret verbindet, so ist doch eine schöne Retro-Platte daraus geworden.

Der Sänger und Multiinstrumentalist Burrows schrieb die elf Lieder zuhause am Klavier, die Album-Aufnahmen inklusive Bläsern und Streichern fanden in der behaglichen englischen Grafschaft Kent statt. Vermutlich war es das Ziel, mit den Songs ähnlich aufbauende Wirkung zu erzielen wie Haig mit seinen Memoiren.

Als "Supertramp in Rehab" bezeichnet Burrows den üppigen Pop-Entwurf der Anti-Depressions-Platte. Neben den Softrock-Helden (oder auch -Feindbildern) der Seventies kann man noch andere Einflüsse heraushören - The Hollies, The Moody Blues, Elton John und natürlich Freddie Mercury mit Queen (eines der Stücke heißt sogar "Barcelona").

Bisweilen gerät dem Projekt Andy Burrows & Matt Haig die musikalisch-literarische Kooperation arg bombastisch, etwa in "The Story Of Me And You". Doch wer Seelenbalsam nicht nur vom Buch "Reasons To Stay Alive" erhofft, sondern auch vom gleichnamigen Album, der kann hier durchaus fündig werden.

Website Andy Burrows