Berlin (dpa) - Nirvana-Frontmann Kurt Cobain war ein verdammt großer Fan und Bewunderer von Beat Happening, die eine feste Größe im US-Underground der 80er Jahre waren.

Und in seiner Bewunderung für das Label K Records, das von Beat-Happening-Mitglied Calvin Johnson mitgegründet worden war, tätowierte er sich sogar ein dickes K auf seinen linken Unterarm, das ihn daran erinnern sollte, ein Kind zu bleiben.

Größer kann ein Liebesbeweis kaum sein: Die Bedeutung von K Records und Beat Happening für die Indie-Szene und die DIY-Bewegung kann kaum überschätzt werden. Offiziell hat sich die 1983 gegründete Band aus Olympia zwar nie aufgelöst, aber von Calvin Johnson, Heather Lewis, und Bret Lunsford hat man seit Ewigkeiten nichts Neues mehr gehört - schön für den Mythos, schlecht für die Fans.

Etwas Kindliches hat die Musik von Beat Happening in der Tat, denn reduzierter und unprätentiöser kann man kaum sein: Ein bisschen Rumpelschlagzeug, ein bisschen Schrammelgitarre und Gesang - mehr brauchten Beat Happening nicht, um ihren Do-It-Yourself-Sound auf Kassette, Bühne und Vinyl zu bringen. Diese Unbedarftheit, Direktheit und Naivität war damals aufregend und charmant - und das ist es heute noch.

Einen Überblick über die rund zehnjährige Karriere des Trios, das fünf Alben aufgenommen hat, verschafft jetzt die Compilation Look Around mit 23 remasterten Songs, die von Beat Happening selbst zusammengestellt wurden. Unbekümmert und rau, simpel, schmucklos und zuweilen düster - in ihrem selbstbeschränkten Lo-Fi-Kosmos schnuppern Beat Happening (auf dem Cover sind Häschen) an vielen Blümchen, ohne dabei aber jemals ihre minimalisten Anfänge aus dem Blick zu verlieren. Dabei nähern sie sich zuweilen sogar den Cramps oder Velvet Underground an.

Natürlich haben sich auch Beat Happening weiterentwickelt und gewinnen mit ihrem gerne dem Twee-Pop zugerechneten Songs mehr und mehr an Reife, Tiefe und Ausdruckskraft. Virtuose Musiker sind sie zwar nie geworden - und wollten es auch nie sein -, aber im Bereich der Emotionen und Atmosphäre liegt das Trio ganz weit vorn.

Vor allem der dunkle Gesang von Calvin Johnson reißt mehr und mehr mit und rückt den Label-Boss manchmal ganz nah an einen Lee Hazlewood. Und Heather Lewis gibt auch eine ganz gute Nancy Sinatra des Underground ab.

Musik kommt nicht von Können - das Credo des Punk trieb auch Beat Happening auf die Bühne, die gerade in ihrer kompromisslosen Outsider-Haltung und der Drei-Griffe-Philosophie uns auch heute noch etwas zu sagen haben. Unbedingt, denn Pefektion ist langweilig - sie raubt den Songs die Seele und den Atem.

Website K Records