Berlin (dpa) - Kreator machen keine halbe Sachen. Ein knappes Jahr nach der Neuauflage der vier Klassiker-Alben aus den 1980er Jahre hat sich Europas erfolgreichste Thrashmetal-Band das Folge-Jahrzehnt vorgenommen.

Die lange Zeit vergriffenen und vor allem auf Vinyl nur für happige Geldsummen erhältlichen vier Scheiben "Coma Of Souls", "Renewal", "Cause For Conflict" und "Outcast" erscheinen auf ADA/Warner wieder neu: remastert, mit jeder Menge Bonusmaterial sowie Linernotes von Bandkopf Mille Petrozza.

Die liebevoll mit dem Auge fürs Detail gestalteten Re-Releases gibt es als schickes CD-Digibook, Digital und farbigem Vinyl verpackt in stabilen Klappcovern. Wie schon auf den Vorgänger-Neuveröffentlichung stechen auf den bedruckten Innen-Hüllen seltene Bandfotos, Abbildungen von Konzertkarten, Zeitungsartikel und Flyer aus der jeweiligen Zeit ins Auge. Neben dem anspruchsvollen Bonus-Material bieten die neu aufgelegten Dreher somit auch für die Fans einen echten Mehrwert, die im Besitz der Original-Veröffentlichungen sind.

Einziger Kritikpunkt: Die teils überarbeiteten Cover-Artworks sind im Vergleich zum Original etwas unscharf geraten. Dies scheint ein gängiges Problem zu sein. Viele der zuletzt zahlreich erschienen Re-Releases anderer Bands weisen diesen Makel ebenso auf.

Musikalisch fallen die vier, teils umstrittenen Alben in eine Zeit, als sich Kreator von ihren Thrash-Wurzeln lösten und mit Industrial und Gothic-Einflüssen experimentierten. Viele Fans der ersten Stunde konnten die mitunter krass ausgefallene Neuausrichtung nicht nachvollziehen.

Auf "Coma Of Souls" (1990) behielt die Band ihre Trademarks noch bei. Einen Qualitätssprung hatte der Ruhrpott-Vierer schon zuvor vollzogen. Mit dem fünften Studio-Album manifestierten Mille und Co. ihren Status an der europäischen Spitze. Ihrem auf messerscharfen Riffs basierenden Thrash fügte die Band klassische Elemente von Bands wie Iron Maiden oder Judas Priest bei. "Coma Of Souls" fehlt allerdings die Hit-Dichte.

Mit "Renewal", dem letzten auf Noise-Records veröffentlichten Album, folgte 1992 der größe Einschnitt der Bandgeschichte. Wie viele andere Metalbands in den 1990er Jahren wollten auch Kreator den durch Grunge und Nu Metal eingeläuteten musikalischen Wandel Rechnung tragen. "Wir wollten eine Art Pink-Floyd-Version von Kreator machen", erzählte Mille. Herauskamen Hardcore-Riffs und Grunge-Melodien sowie der Versuch dem Ganzen einen gewissen Groove zu verpassen. Immerhin klingt die remasterte Version wesentlich kraftvoller als der dünne Sound auf der Erstpressung.

Mit "Cause For Conflict" (1995), erstmals auf GUN Records erschienen, wollten die Essener wieder mehr zurück zum Thrash, setzten dieses Vorhaben aber nicht konsequent genug um. "Das war gewollt und nicht gekonnt, zudem ist der Sound viel zu dünn", kritisierte Mille im Rückblick. Bei den Kritikern schnitt der Langspieler damals aber durchweg gut ab. Auch "Outcast" (1997) lobten die Rezensenten als spannendes und abwechslungsreiches Album. Diese bedeutete mehr Melodie und beigemischte Elemente aus dem Gothic-Rock. Mit "Phobia" besitzt die Platte einen Hit, der nach wie vor zum festen Live-Repertoire der Band gehört.

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