Berlin (dpa) - Er ist einer der bekanntesten Unbekannten im heutigen Rock-Business. Der Multiinstrumentalist Ethan Jones hat schon Dutzende tolle Musiker begleitet und fast noch mehr herausragende Alben produziert. Den Solokünstler Johns kennt indes kaum jemand.

Und das ist wohl kaum gerecht, denn schon mit seinem Debüt als Singer-Songwriter (If Not Now Then When?/2013) und dem Nachfolger The Reckoning (2014) erwies sich der jetzt 46-jährige Brite als solide, sehr ernstzunehmende Größe im Folkrock- und Americana-Fach. Nun hat er es geschafft, neben seiner lukrativen Karriere als Produzent (unter anderem für Tom Jones, Laura Marling, Paul McCartney, Ryan Adams, Kings Of Leon) und diversen Studiomusikerjobs erneut neun Lieder mit seiner Band The Black Eyed Dogs einzuspielen.

Silver Liner (Three Crows Records/Caroline) geht mit dem Titelsong (und bis zum Schluss besten Track) gleich in die Vollen. Wie Johns hier an die 70er-Jahre-Epen von Neil Young, vor allem dessen Down By The River erinnert und zugleich dank seiner E-Gitarren-Künste eine eigene Sprache findet, das ist mehr als beachtlich. Danach wird die Platte ein wenig bieder (The Sun Hardly Rises, I Don't Mind und Junanita sind Fingerübungen in Country-Romantik), ehe Johns mit der siebenminütigen Blues-Ballade Open Your Window und Six And Nine wieder die Kurve kriegt.

Ein großer Sänger ist Ethan Jones nach wie vor nicht (in Six And Nine quält er sich fast schon rührend mit den hohen Tönen ab), so dass auch diese Soloscheibe wieder ein wenig nach Hobbykeller-Produkt oder Skizze anhört. Dessen scheint sich der Mann auch bewusst zu sein, Johns' Statement zu Silver Liner klingt bescheiden: Ich wollte nur etwas Gitarre spielen und singen, sagt er. Was mich bei dieser Platte umhaut: wie toll all die anderen spielen. Diese Musiker sind außergewöhnlich.

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