Ottawa (dpa) - Ein Instagram-Post von Grimes mit Babybauch-Foto heizte kürzlich Spekulationen an, dass die kanadische Sängerin und der US-Unternehmer Elon Musk ein Kind erwarten könnten. Schon seit längerem schreiben US-Medien, dass die beiden ein Paar sind.

Ob der Auto-Visionär auch Vater des Nachwuchses ist, dazu ließ sich Claire Elise Boucher alias Grimes (31) nicht ein. Indes liegen die Fakten bei einem anderen "Baby" klarer: Vier Jahre nach der EP "Art Angels" veröffentlicht die Musikerin mit "Miss Anthroposcene" ein neues Album.

Das Anthropozän - Englisch: Anthropocene - steht für ein neues Erdzeitalter, in dem der Mensch zum maßgeblichen Einfluss auf die Biologie, die Atmosphäre und die Geologie geworden ist. Thematisch passt das in eine Zeit, in der Gruppen wie Fridays for Future oder Extinction Rebellion den ökologischen Fußabdruck des Menschen verkleinern wollen.

Dem Thema Klimawandel, das derzeit alle umtreibt, nähert sich Grimes aber aus einer ungewohnten Perspektive: Wo sonst wahlweise Endzeitszenarien oder Leugnungsstrategien die Debatte bestimmen, findet Grimes, der Klimawandel solle "Spaß" machen, wie sie etwa dem "Crack Magazine" sagte. Sonst höre man von dem Thema immer nur, wenn es darum gehe, Schuldgefühle auszulösen. Dass Greta und Co. diesem Zugang nicht viel werden abgewinnen können, liegt auf der Hand.

Auch klanglich ist das Album speziell: Die Produktion klingt stellenweise, als lauschte man Grimes bei einem Auftritt in einer menschenleeren Halle aus der Entfernung. Die Effektdichte der Musik erinnert stellenweise ein bisschen an die Zeit des New Rave vor gut 15 Jahren, als auf den Tanzflächen vieler Clubs in Europa kein Weg an den opulenten und Hedonismus förmlich ausschwitzenden Hits von Elektro-Acts wie Uffie ("Pop the Glock") oder des französischen DJs und Produzenten Busy P ("Still Busy") vorbeizuführen schien.

Grimes bettet ihren Mut zur Opulenz an vielen Stellen anders ein: in die Struktur von Popsongs. Das gilt etwa für das Stück "Delete Forever", das soft und beschwingt daherkommt. "Miss Anthropocene" ist jedenfalls kein reines Clubalbum und auch keines, das sich beim ersten Hören gleich erschließt - ganz wie das Kunstprojekt Grimes selbst.

Ob die Grimes-Mischung aus Pop, Electronica und Experimentierfreude funktioniert, entscheidet man daher am besten selbst. Und wer mit "Miss Anthropcene" nichts anzufangen weiß, der kann die Kanadierin noch in einem anderen Medium erleben: Im Videospiel "Cyberpunk 2077", das im April erscheint, ist Boucher die Stimme des Charakters "Lizzy Wizzy". Und in Sachen Baby darf man auf neue Updates gespannt sein.

Grimes bei Instagram