Berlin (dpa) - Von einem "ziemlichen Brecher" spricht die Label-Werbung zum neuen Album der US-Rockband The Dream Syndicate, einer der Säulen des kultigen "Paisley-Sounds" der 1980er Jahre. Das ist fast noch untertrieben.

Nach zwei Comeback-Platten, auf denen der Gitarrist und Sänger Steve Wynn mit drei Kumpels nahtlos (und sehr überzeugend) an den Gitarrenrock seiner Jugend anknüpfte, erscheint jetzt bereits der dritte Streich "The Universe Inside". Und diese nur fünf Stücke haben es nun wirklich in sich.

Als schaute man knapp 60 Minuten lang in eine bunt blubbernde Lavalampe, während im Hintergrund schrille Saxofone (von Gastmusiker Marcus Tenney), wüste Spoken-Word-Passagen und psychedelische Klanggemälde flackern: So ungefähr hört sich das mit Abstand experimentellste Studioalbum in der langen Geschichte von The Dream Syndicate und auch Wynns reichhaltiger Solokarriere an.

Man sollte nicht auf Songstrukturen bestehen - und stattdessen etwas für jazzige Soundexzesse übrig haben, wenn man etwa den Opener "The Regulator" hört: 20 Minuten bewusst monotoner und doch raffinierter Lärm, das Video dazu nimmt mit auf eine wilde Reise durch New York.

"'The Regulator' ist ein Mikrokosmos der gesamten Platte", erklärt Dream-Syndicate-Frontmann und Songwriter Wynn. "Es war nur eine formlose, abgedrehte Masse, als wir alle zusammen zu spielen begannen." Nicht jeder Hörer dürfte zustimmen, dass dieser Song am Ende dann mehr ist als "eine formlose, abgedrehte Masse".

Die vier folgenden Stücke sind etwas kürzer und etwas weniger irre - aber gewiss selbst für aufgeschlossenere Fans dieser sympathischen Band kein besonders zugänglicher Stoff. Nach der tollen Rückkehr von The Dream Syndicate mit "How Did I Find Myself Here?" (2017) und "These Times" (2019) ist die neue Platte ein avantgardistisches, mutiges Statement. Vor allem live - irgendwann nach Corona - dürften diese ausufernden Tracks wie aufputschende legale Drogen wirken.

Website The Dream Syndicate