London (dpa) - Sein Schlagzeug-Einsatz bei "In The Air Tonight" ist legendär. Aber Phil Collins wird es wohl nie wieder spielen. Im dpa-Interview spricht Collins über den Frust, nicht mehr trommeln zu können und erklärt, warum in nächster Zeit keine neue Musik von ihm zu erwarten ist.

Frage: Ihre neue CD-Box "Plays Well With Others" zeigt eine weniger bekannte Seite von Ihnen. Haben Sie das Gefühl, dass die Menschen im Radio und durch andere Medien einen falschen oder einseitigen Eindruck von Ihnen bekommen, weil nur die bekannten Popmusik-Hits gespielt werden?

Antwort: Oh ja, das ist auf jeden Fall so. Manchmal kamen Leute zu Konzerten und wussten nicht mal, dass ich Schlagzeug spiele. Andere kennen mich nur vom Progressive-Rock-Zeug (der frühen Genesis-Alben, Anm. d. Red.) und das ist okay für mich. Das ist alles ein Teil von mir und macht mich zu dem, der ich bin. Ich finde, man braucht das eine genauso wie das andere.

Frage: Ist die Gesundheit immer noch ein Problem? Man sah Sie zuletzt am Stock gehen, bei Ihren Konzerten sitzen Sie. Allerdings gehen Sie bald wieder auf US-Tournee. Dann geht es Ihnen wohl doch ganz gut?

Antwort: Oh ja, ich fühle mich gut. Ich kann nicht mehr Schlagzeug spielen. Aber mir gefällt es, auf der Bühne zu stehen - oder zu sitzen - mit einer großartigen Band, zu der auch mein Sohn Nicholas gehört. Wir haben eine tolle Show. Am Ende des Abends stehen die Leute alle. Das ist ein super Gefühl, das nach so langer Zeit wieder zu machen. Also: was die Gesundheit angeht, ist alles cool.

Frage: Wann haben Sie zum letzten Mal Schlagzeug gespielt? Spielen Sie manchmal noch zuhause?

Antwort: Nein. Ich habe ein Schlagzeug in der Garage, aber ich spiele nicht. Das letzte Mal, dass ich gespielt habe ... naja ... versucht habe zu spielen, war bei den Proben. Aber es geht nicht. Ich kann den Stick nicht fest genug halten. Bei einer Benefizshow vor vier oder fünf Jahren habe ich zuletzt vor einem Publikum gespielt. Es war "Crossroads" mit Eric Clapton. In dem Moment, wo ich einsetzte, wusste ich: das war ein Fehler. Und ich habe es oft genug gesagt: Wenn ich es nicht so gut kann wie früher, dann lasse ich es lieber ganz. Ich möchte kein Schatten meiner selbst sein.

Frage: Und wie sehr fehlt es Ihnen?

Antwort: Es fehlt mir. Ich wäre bescheuert, wenn ich sagen würde, es fehlt mir nicht. Schließlich habe ich das mein ganzes Leben lang gemacht. Ich würde zumindest gern selbst entscheiden, ob ich spiele oder nicht. Natürlich gibt es bei den Konzerten immer den Moment, an dem "In The Air Tonight" kommt und die Leute denken, dass ich vielleicht doch spiele. Sie haben gelesen, dass ich nicht spiele. Aber insgeheim hoffen sie, dass es der Abend wird, an dem ich es doch mache. Es wäre schön, wenn ich das könnte. Tja, ich bin jetzt 67 Jahre alt, und 62 davon habe ich Schlagzeug gespielt. Ich habe meinen Spaß gehabt.

Frage: Tröstet es Sie ein bisschen, dass Ihr Sohn Nicholas nun mit Ihnen auf Tour geht und das Schlagzeug spielt?

Antwort: Oh ja. Er ist jetzt 17 Jahre alt und hat sein ganzes Leben lang gespielt. Aber sein Spiel hat in den letzten drei Jahren richtig Fahrt aufgenommen, bis zu dem Punkt, wo ich überrascht war, dass er alles spielen konnte, was wir im Programm haben. Und die Band respektiert ihn als Musiker, nicht nur, weil er mein Sohn ist. Er klingt auch wie ich. Das macht meinen Job leichter, denn ich guck nicht die ganze Zeit über meine Schulter. Er sorgt einfach für die richtigen Töne. Ich bin außerordentlich stolz auf ihn und ohne ihn würde ich diese Konzerte nicht geben.

Frage: Wie häufig arbeiten Sie eigentlich an neuer Musik? Ihr letztes Album mit neuen Songs ("Testify") ist immerhin schon 16 Jahre her.

Antwort: 16 Jahre? Um Gottes Willen! Ich sollte wohl mal wieder einen Finger bewegen und etwas Neues machen. (lacht) Mir war nicht bewusst, dass das schon so lange her ist. Nein, aber im Ernst. Ich habe keinen Drang verspürt, etwas zu machen. Ich notiere mir zwar gute Ideen für Texte oder Melodien und bewahre das auf. Aber ehrlich gesagt, ich habe kaum etwas gemacht. Ich war zu faul.

Frage: Wie ist das Leben für Sie momentan?

Antwort: Das Leben ist gut. Ich lebe mit meinen Kindern. Orianne und ich sind wieder zusammen (Collins und Orianne Cevey ließen sich 2008 scheiden, Anm. d. Red.). Nach einer Rückenoperation ist mein rechter Fuß gelähmt. Deshalb gehe ich am Stock und kann nicht Autofahren. Das sind medizinische Probleme, die ich gern beheben würde, aber ansonsten ist das Leben gut. Die Konzerte laufen toll und ich lerne, dass man auch anders auf Tour gehen kann. Früher habe ich lange Tourneen gemacht - ein Jahr durch die USA, dann durch den fernen Osten, oder was auch immer. Aber man kann auch drei Wochen hier touren, dann einen Monat Urlaub machen und anschließend drei Wochen dort touren. So machen wir das jetzt. Und ich kann beides genießen.

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