Mauer-Fakten:
Der Westen wurde vom Mauerbau komplett überrascht. Die geheimen Vorbereitungen hatte im Auftrag von DDR-Partei- und Staatschef Walter Ulbricht ("Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten") dessen Nachfolger Erich Honecker koordiniert. Den eingeschlossenen West-Berlinern sprangen Bundesregierung und westliche Alliierte zwar verbal zur Seite, praktisch nahmen sie die Mauer aber in Kauf - wegen Berlin wurde kein Dritter Weltkrieg riskiert.
Zunächst war die Mauer ein zwei Meter hohes, grobes, aus unterschiedlichen Baumaterialien zusammengefügtes Bauwerk. Ab Mitte der 1960er Jahre gab es eine neue Konstruktion aus zwischen H-förmigen Stahlbetonstützen aufgeschichteten Betonplatten. Ein Betonrohr als oberer Abschluss sollte das Überklettern erschweren. Die letzte Mauergeneration, ab Mitte der 1970er Jahre errichtet, bestand aus rund 3,60 m hohen und 1,20 m breiten L-förmigen Betonelementen, die auch im landwirtschaftlichen Bereich verwendet wurden.

Aufsehen erregte die Installation der sogenannten Lichtgrenze zum 25. Jahrestag des Mauerfalls 2014. Dafür wurde die Berliner Innenstadt vorübergehend wieder geteilt: 8000 leuchtende Ballons bildeten auf einer Länge von 15 Kilometer eine virtuelle Grenze. Der Begriff "Lichtgrenze" kam später zu Ehren - als Wort des Jahres 2014.

Teile der Mauer jeder Art und Größe sind nach deren Abriss zu einem der letzten Exportschlager der DDR geworden. Mauerstückchen können Interessenten auch im Internet ersteigern. Garantiert echte Stücke aus der Mauer werden aber immer rarer.

Berlin l Nur ein paar Monate dauerte es, dann waren die ehedem 155 km langen Grenzanlagen weggeräumt. Berlin und Deutschland hatten genug von der Mauer, die so viel Tränen und Blut gekostet hatte. "Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört", hatte Willy Brandt postuliert - und zwar ohne Mauer. Errichtet worden war sie vom 13. August 1961 an, um den Sozialismus poststalinistischer Prägung in der DDR zu retten. Der Bau des "antifaschistischen Schutzwalls" beendete die Massenflucht aus der DDR.

Dafür mussten bis 1989 mindestens 136 Menschen an der Berliner Mauer sterben. Sie wurden von DDR-Soldaten erschossen oder ertranken in den Grenzanlagen beim Versuch, über Gewässer schwimmend in den Westteil der Stadt zu kommen. Acht DDR-Grenzer fanden in dieser Zeit den Tod.

Seit in der Nacht vom 10. zum 11. November nach der Öffnung der DDR-Grenzen die Menschen auf der Mauer feierten, hatte der Wall aus Beton und Stacheldraht seinen Sinn verloren. Eine neue Gattung von Andenkenjägern ward geboren: Die "Mauerspechte", die sich mit Hammer und Meißel ihr Stück der Befestigung sicherten - für die Ewigkeit oder um damit Geld zu machen.

Der offizielle Abriss der wacklig gewordenen Mauer begann am 13. Juni 1990 an einem symbolträchtigen Ort: der Bernauer Straße. Deren Häuser gehörten zum Osten, der Gehweg war schon Westen. Filmdokumente belegen die dramatischen Szenen, die sich hier nach dem Mauerbau abspielten. Menschen seilten sich ab oder sprangen aus den Fenstern - bis auch diese zugemauert waren. Doch ein 1,4 km langes Stück Mauer blieb stehen an der Bernauer Straße. Es ist heute die zentrale Gedenkstätte der deutschen Teilung im Herzen Berlins und damit einer der wenigen authentischen Erinnerungsorte an die Mauer-Zeiten.

Zu kultureller Berühmtheit hat es ein anderer Abschnitt des Walls direkt an der Spree gebracht - die East-Side-Gallery in Friedrichshain-Kreuzberg. Im Februar 1990 kamen die ersten Bilder an die Mauer in der Mühlenstraße. Insgesamt verewigten sich 118 Künstler aus 21 Ländern mit 106 Bildern. Bereits im Jahr darauf wurde die East-Side-Gallery, wie das Ensemble nun offiziell hieß, unter Denkmalschutz gestellt. Die Freiluft-Galerie entwickelte eine magische Anziehungskraft auf Touristen in aller Welt.

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