Elend l AnnenMayKantereit: Der gemeine Radiohörer mag darin nicht mehr erkennen als einen Silbensalat. Stefanie Herzog sieht in jenem Buchstabengeflecht den Geheimtipp beim nächsten "Rocken am Brocken". Sie gehört zu den ehrenamtlichen Organisatoren des Festivals in Elend, das am Donnerstag in die neunte Auflage geht. Erstmals ist es fast ausverkauft.

"Ich glaube, AnnenMay-Kantereit sind gerade auf Durchstartertour", philosophiert Herzog über die Kölner Rock-Pop-Band. "Neulich waren sie mit Clueso und mit den Beatsteaks auf Tour." Kein Wunder, meint sie: "Der Sänger hat eine einzigartige Stimme."

Für Perlen unter kleinen Bands hat das Organisationsteam ein feines Gespür. Ein Blick auf die Lineups der Vorjahre liefert den Beweis. 2011 zum Beispiel trat eine damals fast unbekannte Band namens Kraftklub auf. Ein halbes Jahr später schoss deren Debütalbum an die Chartspitze. 2009 spielte Bosse - gerade, als seine Konzerte dank des Songs "3 Millionen" immer voller wurden. Da mit dem Erfolg meist auch die Gage steigt, würden solche Namen heute nicht mehr im Budget liegen, erklärt Sefanie Herzog.

Auswahlfaktor Nummer eins: der eigene Geschmack

Künstler kurz vor dem Durchbruch sind allerdings nicht die einzige Kategorie, nach der das Team sucht. Immerhin ist "Rocken am Brocken" auch ein Festival für Fans von Indie-Bands, die sich bewusst bei kleinen Plattenfirmen tummeln. Und für Anhänger von Elektro- und House-Sessions, die wiederum wenig charttauglich sind.

Bei der Auswahl verlassen sich die Veranstalter in erster Linie auf den eigenen Geschmack. Herzog etwa hat sich diesmal für Honig starkgemacht. Der Singer-Songwriter hat es ihr angetan, seit sie ihn in einem Club in ihrer Heimatstadt Göttingen spielen sah.

Diese Auswahlstrategie scheint zu funktionieren: Aus 500 Besuchern bei der ersten Auflage sind bei der achten 4500 geworden. "Diesmal knacken wir wohl die 5000er-Marke", sagt die studierte Forstwissenschaftlerin. Rund 4000 Karten habe man schon verschickt, die Kategorie mit Campingplatz sei so gut wie ausverkauft.

Diese Entwicklung ist nicht selbstverständlich. Immer wieder müssen kleinere Festivals aus Besuchermangel abgesagt werden. In diesem Sommer traf es das bayerische "Lanzenanger-Festival" und das "To-morrow-Festival" in Österreich.

Dass das "Rocken am Brocken" wächst, liegt aber nicht nur an der Musik, glaubt Herzog. "Es ist auch die Wohlfühl-athmosphäre." Damit meint sie Volleyballturniere, selbst gezimmerte Hochsitze, eine Hüpfburg und Gitarristen, die im Wald kleine Konzerte geben.

Ziel ist kostendeckende Veranstaltung

Auch wenn der Ticketverkauf gut läuft: Geld verdienen kann man mit dem Festival nicht, erklärt die 29-Jährige. "Wir sind immer froh, wenn wir bei Plus-Minus Null landen." Das Risiko tragen zwei der Organisatoren.

Im letzten Jahr habe man zumindest ein kleines Plus eingefahren. Und so kommt es, dass nun auch zwei Namen auf dem Lineup stehen, die womöglich sogar Otto-Normal-Hörern schon zu Ohren gekommen sind: Royal Republic ("Tommy-Gun") und die zweite Hälfte von Lexy und K-Paul.