Von Bernd Kaufholz

Meine Frau hat eine lange Liste mitgebracht", zeigte Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) Montagnacht auf dem Rückflug von Afghanistan im Airbus mit den Händen. "Und sie hat mir schon angekündigt: Das müssen wir alles abarbeiten."

Anregungen, Kritiken, kleine Dinge, sehr Persönliches, aber auch Grundsätzliches habe sie bei vielfältigen Gesprächen während des Kurzaufenthaltes in Nordafghanistan erfahren und notiert.

Zum ersten Mal war die Ehefrau eines deutschen Verteidigungsministers mit in ein Kriegsgebiet gereist und, anders als zu Hause, war die weihnachtliche Geste der 34-Jährigen in Kundus und Masar-i-Sharif mit Hochachtung registriert worden – nicht nur bei den Frauen im "Tarnfleck".

"Ich habe gespürt, dass Frau Guttenberg zugehört hat. Nicht als PR-Gag, sondern richtig von Herzen", sagte eine Stabsärztin. "Nichts gegen den Verteidigungsminister", so ein Unteroffizier (weiblich), aber so von Frau zu Frau, da sage man manches leichter und vielleicht auch deutlicher.

Wer geglaubt hatte, dass die Mitreise Stephanie zu Guttenbergs die fixe Idee einer kapriziösen Adligen ist, die sich im Scheinwerferlicht der Journalistenschar sonnen will, wurde schnell eines Besseren belehrt. Sich nie in den Vordergrund drängend ("Mein Mann ist der Verteidigungsminister, nicht ich."), doch immer freundlich und mit Herzensgüte, strahlte sie – Pardon, Frau Guttenberg – etwas beruhigend Mütterliches aus.

Natürlich wusste die Urenkelin von Reichskanzler Otto von Bismarck, wohin sie fliegt. Dass sie sich, wenn auch nur einen Tag lang, in einem Kriegsland aufhalten wird. Umso mehr ist es ihr zugute zu halten, dass sie trotzdem an den Hindukusch kam. Als Zeichen. Um "Solidarität als Gattin und Mutter" zu zeigen.

Besonders in der Vorweihnachtszeit, in der noch mehr als sonst die Herzen der Soldaten im Auslandseinsatz ans Zuhause denken, an ihre Mütter, Frauen und Freundinnen war die Mutter zweier Töchter (9/8) so etwas wie ein Stück Heimat.

Allerdings sahen die lokalen Journalisten, die nach dem Weihnachtskaffee im Feldlager Kundus zum kurzen Pressegespräch geladen worden waren, die weibliche Komponente der Minister-Reise möglicherweise etwas anders. In der afghanischen Männergesellschaft ist es nach wie vor ein Unding, dass Guttenberg seine Frau an seine Seite zog und so (möglicherweise unbewusst) demonstrierte: Das ist nicht nur meine Frau, das ist auch meine gleichberechtigte Kameradin.

Auf diese Situation angesprochen, erwiderte der Minister später: "Sollte ich ihr ein Tuch umbinden?" Irgendjemand habe immer etwas zu monieren: "Wenn es nicht meine Frau gewesen wäre, wäre es vielleicht der Weihnachtsbaum gewesen."

Stephanie zu Guttenberg legte Wert auf die Feststellung, dass sie deutlich machen wollte, dass "auch im Afghanistan-Einsatz der Mensch zählt".

Dass der Seite-an-Seite-Besuch in schusssicherer Weste in beiden Camps gewürdigt wurde, drücken auch die Worte eines Feldwebels (weiblich) aus: "Wir haben oft das Gefühl, dass wir hier die Kastanien aus dem Feuer holen müssen und sich Politiker zu Hause einen Sch... darum kehren."

Dass der Minister hinter seinen Soldaten stehe, habe er mit den sieben Besuchen in diesem Jahr gezeigt. "Wenn man nun miterlebt hat, was er für eine Frau an seiner Seite hat, weiß man natürlich, wer dahinter steht."