Manche Leute haben mit dem eigenen Geburtstag kein Glück. Guido Westerwelle ist einer von ihnen. Der 27. Dezember gehört normalerweise nicht zu den Tagen, an denen groß gefeiert wird. Es ist die stillste Zeit des Jahres: Weihnachten gerade erst vorbei, Silvester vor der Tür. Er werde heute privat feiern, heißt es in seinem Umfeld lediglich. Am 18. Januar wird Westerwelle allerdings nachträglich in großem Rahmen gewürdigt: Die FDP hat einen Empfang im Tipi-Theaterzelt am Kanzleramt für den Ex-Vorsitzenden organisiert.

50 ist ein Alter, in dem für andere die politische Karriere erst so richtig beginnt. Der Außenminister, so die gängige Lesart, dürfte den größten Teil hinter sich haben.

Längst gehört der Anwaltssohn aus Bonn zum politischen Inventar der Republik. Zum ersten Mal in Erscheinung trat er zu Beginn der 80er Jahre: Als seine Generation zu Hunderttausenden gegen die Nachrüstung demonstrierte, stand er mittendrin im Bonner Hofgarten und verteilte Flugblätter dafür. Nach dem Ende der sozialliberalen Koalition 1982 war er bei der Gründung der rechtsbürgerlichen Jungen Liberalen dabei. Im Jahr darauf wurde er Vorsitzender.

Das war der Beginn eines Lebens fast ausschließlich für die Politik. Nebenbei studierte er Jura, machte an der Fern-Uni Hagen seinen Doktor, wurde Anwalt. Als "Ziehvater" galt lange Zeit Hans-Dietrich Genscher. Dessen Nachfolger Klaus Kinkel machte ihn - mit gerade mal 32 Jahren - zum Generalsekretär der FDP. Westerwelle war Ehrgeiz pur. Lauter, forscher, schriller als jeder andere.

Auf Parteitagen konnte er die Leute schwindelig reden. Mit 39 wurde er FDP-Chef und machte sich daran, die Liberalen vom Mehrheitsbeschaffer zur "Partei des ganzen Volkes" zu verwandeln. Er ließ sich zum Kanzlerkandidaten ausrufen, reiste im Wohnmobil durch die Republik.Einmal deklarierte er sich sogar zur "Freiheitsstatue der Republik".

Dabei ging unter, wie hart er arbeiten konnte. Bis heute kennt kaum einer die Partei so gut wie er. Westerwelle musste schon in dieser Zeit Kritik aushalten bis zum Unmaß. Besonders nachtragend ist er bis heute nicht. Aber es gibt auch Sachen, die er nie verzeiht. Zum Beispiel, dass er einmal den "Spiegel" in seine Wohnung ließ und dann als Träger von "Stoppersocken" geoutet wurde.

Die Affäre um Jürgen Möllemann, als die FDP in die Nähe des Antisemitismus geriet, ließ ihn für eine Weile leiser werden. In diesen Jahren bekannte er sich zu seiner Homosexualität und präsentierte seinen Lebensgefährten Michael ("Micky") Mronz, mit dem er nun auch verheiratet ist. Aber wer geglaubt hatte, dass er damit etwas von seinem Misstrauen verlieren würde, sah sich getäuscht.

Und dann, im dritten Versuch, gelang 2009 doch noch die Wunsch-Koalition mit der Union. In der Stunde des Triumphs machte Westerwelle seinen vermutlich größten Fehler: Er übernahm nicht das Finanz-, sondern das Außenministerium. Die Rechnung, mit dem Auswärtigen Amt auch die Beliebtheitswerte der Vorgänger zu übernehmen, ging nicht auf. Viele nehmen ihm den Wandel zum Diplomaten bis heute nicht ab.

Im Frühjahr verlor auch die eigene Partei die Geduld. Westerwelle musste FDP-Vorsitz und Vizekanzlerposten an Philipp Rösler abgeben. Der Nachfolger bereitete ihm dann auch noch eine schlimme Demütigung, indem er zum Streit um die deutsche Enthaltung zum Libyen-Einsatz im UN-Sicherheitsrat klarstellte, dass er als Parteichef auch für die Grundlinien der Außenpolitik verantwortlich sei.

Seither ist es um Westerwelle erheblich ruhiger geworden. Auf öffentliche Äußerungen zum Zustand der Partei verzichtet er ganz. "Stille Diplomatie" nennen das seine Leute im Auswärtigen Amt.