Nein, die Atomkraftgegner im niedersächsischen Wendland sind nicht auf Krawall gebürstet. Friedlich und fantasievoll wollen sie gegen ein mögliches Atommüll-Endlager in Gorleben protestieren. Der Castor-Transport ist dabei "nur" die mediale Plattform.

Seit 33 Jahren gibt es diesen Protest. Doch so kraftvoll wie in diesem Jahr war er noch nie. Die Auftaktkundgebung am Sonnabend war die größte ihrer Art im Wendland. Eine Renaissance der Anti-Atomkraftbewegung? Die war bereits beim Transport Nummer 11 vor zwei Jahren ausgerufen worden, als es nach Jahren der Funkstille zwischen Grünen und den Wendländern wieder einen Schulterschluss gab.

Doch die Bundesregierung hat mit ihrem "Herbst der Entscheidungen" den Protest angeheizt: die Verlängerung der Laufzeiten der Kernkraftwerke und der Wiederbeginn der Erkundungsarbeiten am Endlager Gorleben. Und schließlich wurden bislang geheime Dokumente bekannt, die den Zweifel an der geologischen Eignung des Gorlebener Salzstockes weiter schürten. Zu dem allen kommt dann noch Stuttgart 21.

Der jetzt zu erlebene massive Protest an der Grenze zu Sachsen-Anhalt hat sich seit Wochen angekündigt. Er sollte ernst genommen werden. Kriminalisierung der Atomkraftgegner und der Verweis auf internationale Verträge wirken da eher kontraproduktiv.

Was ist notwendig? Zumindest eine Parallelerkundung weiterer potenzieller Endlagerstandorte. Nach einem Verfahren wie in der Schweiz. Offen und mit Bürgerbeteiligung. Süddeutschland mit seinen Kernkraftwerken, aber auch mit seinen endlagerverdächtigen Tonvorkommen, ist dabei miteinzubeziehen.

Nach Jahrzehnten der Stromerzeugung aus Kernspaltung wird es Zeit, dass Deutschland nicht nur über ein Endlager spricht, sondern in einem absehbaren Zeitraum auch eins erhält. Am bestgeeigneten Standort und mit größter Bürgerakzeptanz.