Der Versöhnungsaufruf von Bischöfin Ilse Junkermann an Stasi-Opfer könnte eine Initiative auslösen, gesellschaftliche Gräben zuzuschütten. 20 Jahre nach der Wende tragen noch immer viele der einst politisch Verfolgten schwer an der damaligen Einschüchterung, Benachteiligung oder gar Inhaftierung.

Eine Aussöhnung könnte nicht nur Tätern zubilligen, aus der Schmuddelecke gesellschaftlicher Missachtung herauszutreten, sofern sie sich zu ihrer Verantwortung bekennen. Sie könnte auch Verfolgten eine Last nehmen und sie vom Schicksal des "ewigen Opfers" befreien. Allerdings ist Versöhnung immer auch eine individuelle Angelegenheit, sie kann nicht allein pauschal gelten oder gar verordnet werden.

Die Bischöfin sollte auch darauf achten, den Stasi-Begriff nicht auf "rote Socken" zu reduzieren. Spitzel und Zuträger gab es in allen Parteien und Gruppen der DDR, ja selbst in der Bundesrepublik. (Seite 1)