Horst Seehofer ist seit 65 Jahren der erste bayerische Ministerpräsident, der in Prag offiziell empfangen wurde. Beide Seiten haben die strittige Vertriebenenfrage ausgeklammert. Sie sind quasi über historische Schatten gesprungen und haben nach vorn geschaut. Immerhin ist so eine politische Eiszeit beendet worden.

Wohlgemerkt: Es handelt sich um Eis auf der hohen politischen Ebene. Im Alltag sind die frostigen Zeiten längst vorbei. Das belegen nicht nur vielfältige Kontakte im bayerisch-tschechischen Grenzgebiet. Deutschland und Tschechien sind Partner in der EU und Alliierte innerhalb der NATO. Zum ganz normalen Alltag beider Länder gehören enge wirtschaftliche und kulturelle Kontakte. Unter diesem Blickwinkel erscheint Seehofers Reise nach Prag, als ob er einem fahrenden Zug hinterherlaufe. Dennoch darf man diese Reise historisch nennen. (Politik)