Wiesbaden (dpa). Irland am Abgrund, die chinesische Immobilienblase zum Bersten aufgebläht, doch Deutschlands Wirtschaft wächst. Waren "Made in Germany" füllen weltweit die Lager, im Inland investieren Firmen wieder und die Konsumenten kommen in Kauflaune. Den Absturz des Krisenjahres 2009 lässt die deutsche Wirtschaft hinter sich.

Ökonomen sind sich einig: Der Aufschwung hält an. Doch sie warnen vor Euphorie. Deutschland sei "keine Teflon-Wirtschaft, an der alles abprallt", schreibt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Kai Carstensen, Konjunkturchef des Münchner Ifo-Instituts, pflichtet bei: "Wenn die großen außenwirtschaftlichen Schocks zurückkommen – wenn Irland pleitegehen sollte oder die Immobilienblase in China platzt, dann wird uns das mit runterziehen." Allerdings habe die jüngste Krise gezeigt, dass Deutschland mit solchen Schocks umgehen könne.

Im dritten Quartal legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Vergleich zum zweiten Vierteljahr 2010 um 0,7 Prozent zu. Im Vorjahresvergleich ergab sich preisbereinigt ein Plus von 3,9 Prozent. Deutschland ist damit das Zugpferd des Euro-Raums, "die Deutschen sind die Chinesen Europas", wie Udo Steffens es formuliert, Chef der Frankfurt School of Finance & Management.

Zugute kommt der deutschen Wirtschaft, dass nicht nur die Exporte kräftig angezogen haben, sondern nun auch die Binnennachfrage anzieht. "Die Einkommensperspektiven sind nicht schlecht, die Arbeitsplatzsicherheit hat zugenommen. Das sorgt noch nicht für einen Konsumboom, aber die schlappe Entwicklung, die wir lange beim Konsum gesehen haben, wird auch langfristig einem mäßigen Plus weichen", prognostiziert Ifo-Experte Carstensen.