Von Marc Herwig und Stefanie Koller

Ehingen (dpa). Anton Schlecker ist ein typischer schwäbischer Unternehmer: Zugeknöpft und öffentlichkeitsscheu lenkt er seine milliardenschwere Drogeriekette. Entscheidungen trifft der Unternehmer für gewöhnlich weitgehend allein. Doch sein Erfolg bröckelt: Europas größte Drogerie-Kette verliert an Boden und schreibt Branchenkreisen zufolge seit Jahren rote Zahlen. In seiner Not macht der 66-Jährige nun zum ersten Mal ein bisschen Platz auf dem Chefsessel: Seine Kinder sollen die Firma wieder flottmachen und frischen Wind in die eher biederen Schlecker-Filialen bringen.

Zwar bleibt Anton Schlecker alleiniger Eigentümer. Aber dass seine Kinder Lars (39) und Meike (37) die Neuausrichtung des Geschäfts verkünden durften, ist ein klarer Beleg für den Generationswechsel in der Chefetage von Europas größter Drogeriekette. Sogar eine ganz leise öffentliche Kritik an den zuletzt eher zaghaften unternehmerischen Entscheidungen ihres Vaters haben die Kinder gewagt.

Für den 66-jährigen Senior ist das eine ganz neue Situation. Anton Schlecker hat bei seiner Bilderbuchkarriere immer selbst die Zügel in der Hand gehabt: Einst war er Deutschlands jüngster Metzgermeister, dann hatte er die Ideen mit den Drogeriemärkten und wurde Milliardär. Sein Vermögen wird vom US-Magazin "Forbes" auf 3,2 Milliarden Dollar (2,35 Mrd. Euro) geschätzt.

Doch der Erfolg bröckelt. Der Kampf um Kunden in der Branche ist knallhart, der Marktführer spürt seit Jahren den Atem von Konkurrenten wie dm und Rossmann im Nacken. Zuletzt soll der Senior kaum noch Geld in die Modernisierung seiner Filialen gesteckt haben. Während die Konkurrenten ihre Läden großzügig und hell gestalten, sind die weit über 10 000 Schlecker-Filialen größtenteils klein, gelten als unübersichtlich und schlecht beleuchtet. Das Image litt auch unter Auseinandersetzungen mit der Gewerkschaft Verdi. Schlecker wurden immer wieder Knauserigkeit und Kontrolldrang vorgeworfen.

In einem seiner seltenen Interviews hatte Schlecker zu Jahresbeginn selbst Probleme eingeräumt. "Seit 2004 verlieren wir in Deutschland an Umsatz." Und er gab zu, dass viele Schwierigkeiten hausgemacht seien. Im vergangenen Jahr soll Schlecker Branchenkreisen zufolge 7,2 Milliarden Euro Umsatz und 90 Millionen Euro Verlust gemacht haben. Aus dem Unternehmen hört man lediglich, dass der Verlust tatsächlich nicht ganz so hoch gewesen sei.

Auf Schleckers Kinder kommt in den nächsten Jahren jede Menge Arbeit zu. Quasi als erste Amtshandlung haben die beiden angekündigt, 230 Millionen Euro zu investieren, um das Erscheinungsbild der Geschäfte freundlicher zu gestalten. In der Branche gilt dieser Schritt als längst überfällig, denn im Prinzip zieht Schlecker nur mit der Konkurrenz gleich.