Mit einer Rekordbeteiligung von mehr als 1900 Ausstellern aus aller Welt startet am Dienstag die EuroTier 2010 in Hannover. Nutztierzüchter, Futtermittelproduzenten, Technikhersteller und Stallbauer stellen vom 16. bis 19. November aus. Der Landesbauernverband Sachsen-Anhalt sieht positive Markttendenzen für Tierproduzenten. Allerdings seien die Preise zumeist noch unbefriedigend.

Hannover/Magdeburg. "Die Schweinehalter sind durch ein tiefes Tal gegangen", stellte Fritz Schumann, Hauptgeschäftsführer des Landesbauernverbandes Sachsen-Anhalt, fest. "Sie mussten einen schlimmen Preissturz verkraften." Für 1,37 Euro pro Kilogramm Schlachtgewicht könne man kaum kostendeckend produzieren. Inzwischen gehe es ein bisschen bergauf. 1,40 Euro pro Kilogramm seien aber auch noch nicht gerade üppig. Die Ferkelpreise seien ebenfalls niedrig.

Solche Erzeugerpreise stehen für Schumann im Widerspruch dazu, dass veredelte Produkte aus deutschem Schweinefleisch im Ausland sehr gefragt sind. "Wir gehören zu den größten Exporteuren." Gefragt seien insbesondere Schinken und Dauerwurst. Andererseits drücken Schweinefleischimporte aus Dänemark und den Niederlanden in den deutschen Markt und auf die Preise.

Einen leicht positiven Trend gibt es im Milchsektor. "Seit einem halben Jahr erleben wir einen sachten Anstieg der Milchpreise", so Schumann. Der Grundpreis liegt derzeit bei gut 30 Cent pro Liter. Mit Zuschlägen kommen die Erzeuger auf 33 bis 44 Cent pro Liter. "Das hat alles sehr lange gedauert", so Schumann. Jüngste Preisabschlüsse stimmten optimistisch, dass es weiter bergauf geht. "Es muss den Milcherzeugern möglich sein, die Kosten zu decken und Gewinne zu erzielen, die Investitionen ermöglichen." In den Betrieben werde die Milch jedoch meist mit anderen Produktionsstrecken wie Ackerbau und Biogasanlagen quersubventioniert.

Die Hoffnung auf bessere Preise werden mit einem gegenüber dem vergangenen Jahr um 14 Prozent gestiegenen Export von Milchprodukten (vor allem nach Osteuropa) sowie mit den nicht ausgeschöpften Quoten (Lieferrechten) innerhalb der Europäischen Union genährt. Laut Schumann haben nur noch Dänemark, die Niederlande und Zypern mehr Milch erzeugt, als die Quote zulässt, die anderen, auch Deutschland, haben die Quote nicht ausgeschöpft.

Offenbar wollten etliche Milchviehhalter aus der Produktion aussteigen, glaubt Schumann. Auf der jüngsten Milchquoten-Börse habe etwa die Hälfte der angebotenen Lieferrechte trotz niedriger Quotenpreise keine Käufer gefunden. Expansionswillige Betriebe hätten derzeit gute Wachstumsmöglichkeiten.

Auf der Messe EuroTier sind auch mitteldeutsche Schweinezüchter und der Rinderzuchtverband Sachsen-Anhalt (RSA) vertreten. Der RSA stellt in Halle 27 gemeinsam mit der Weser-Ems-Union (WEU) aus. Die Züchter haben eine Van-Gogh-Nachzucht für die Präsentation zusammengestellt.

Wie der Veranstalter, die DLG Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft, informierte, verzeichnet die Leitmesse für Nutztierhaltung mit mehr als 1900 angemeldeten Ausstellern aus 49 Ländern ein Rekordergebnis. Gegenüber der letzten Veranstaltung 2008 ist die Ausstellerzahl um acht Prozent gestiegen. Nahezu 800 Aussteller kommen aus dem Ausland. Die DLG sieht das als ein Zeichen für die zunehmende globale Ausrichtung der Unternehmen und der Agrarwirtschaft mit ihren weltweiten Verflechtungen. Die Unternehmen wollen die Plattform EuroTier dazu nutzen, neue Märkte zu erschließen.

Eröffnet wird die EuroTier 2010 von DLG-Präsident Carl-Albrecht Bartmer am 16. November um 18.30 Uhr mit dem traditionellen EuroTier-Abend. Die DLG rechnet bis Freitag mit rund 120 000 Besuchern.

Parallel zur EuroTier finden der bpt-Kongress des Bundesverbandes Praktizierender Tierärzte (bpt) und die Fachmesse "Veterinärmedizin" auf dem Messegelände in Hannover statt. Außerdem wird die Fachausstellung "BioEnergy Decentral" gezeigt mit der gesamten Breite der technologischen Entwicklungen auf dem Feld der Bioenergie, der regenerativen Energie sowie der Technik rund um die dezentrale Energieversorgung. Über 550 Aussteller aus 20 Ländern stellen dazu ihre Neu- und Weiterentwicklungen vor. Mit den "Energie aus Hackschnitzeln" und "Biogas aus Zuckerrüben" werden zwei Themen zusätzlich im Freigelände vertieft.