Sonneberg (dpa) l Goldene Zeiten: Im Raum Sonneberg herrscht nahezu Vollbeschäftigung. Inzwischen jobben auch immer mehr Arbeitnehmer aus Bayern in der Südthüringer Nachbarregion.

Christian Schmitt hat erst vor kurzem den Arbeitsplatz gewechselt. Seit Dezember pendelt der dreifache Familienvater von Oberfranken nach Südthüringen zur Arbeit. "Ich sehe hier bessere Aufstiegschancen, auch das Klima im Betrieb ist gut", begründet der Industriemeister seine Jobwahl im 34 Kilometer entfernten Neuhaus am Rennweg. Der 40-Jährige ist dort stellvertretender Produktionsleiter bei der HPT Hochwertige Pharmatechnik GmbH Co. KG. In dem Unternehmen im Kreis Sonneberg produzieren rund 180 Beschäftigte Kunststoffbehälter für Pharmazie und Diagnostik - knapp ein Viertel der Belegschaft kommt aus Bayern.

"Wir haben einen wachsenden Pendlerstrom von West nach Ost", konstatiert der Chef der Suhler Arbeitsagentur, Wolfgang Gold. Die Zahl der Einpendler aus den alten Bundesländern habe sich in den vergangenen fünf Jahren im Raum Sonneberg um rund 43 Prozent erhöht. Inzwischen pendelten fast 2700 Arbeitnehmer vornehmlich aus Oberfranken in die Südthüringer Provinz. Ihnen stehen aber noch immer rund 9600 Auspendler gegenüber. Doch die Region kann sich dennoch sehen lassen: Mit einer Arbeitslosenquote von zuletzt 3,7 Prozent ist der Kreis Sonneberg nicht nur ostdeutscher Spitzenreiter, sondern hat zugleich das Landesniveau von Baden-Württemberg (3,6 Prozent) erreicht. Außerdem zog er mit dem Coburger Nachbargebiet gleich.

Bei der Vollbeschäftigung entspricht die Zahl der Arbeitswilligen der Zahl der offenen Stellen. Das bedeutet nicht, dass jeder eine Arbeit hat. Da immer eine bestimmte Menge von Arbeitnehmern gerade den Job wechselt, gilt Vollbeschäftigung auch bei einer geringen Arbeitslosenquote als erreicht.

"Es ist ein kleines Jobwunder", sagt die Sonneberger Landrätin Christine Zitzmann (CDU) über die de facto herrschende Vollbeschäftigung. "Der gesamte Landkreis profitiert von den Arbeitsangeboten der Nachbarn und der Investitionsfreudigkeit an unserem Standort." Die steigende Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sei auch ein Indiz für das zunehmende Verschmelzen der Regionen. Trotz Landesgrenze gilt der Raum Coburg-Sonneberg seit je her als ein eng verflochtener Sprach-, Kultur- und Wirtschaftsraum.

Mit Fördermillionen hat sich in den vergangenen Jahren in der Sonneberger Gegend - fernab der großen Leuchttürme - eine florierende Industrie entwickelt. Die mittelständisch geprägte Wirtschaft wird vor allem von Kunststoff-, Glas- und Metallbetrieben sowie von Automobilzulieferern dominiert. Laut der Südthüringer IHK sind in dem kleinsten Thüringer Kreis rund 460 Industrieunternehmen mit 7600 Beschäftigten angesiedelt. Die Fertigung von Spielwaren nimmt indes in dem einstigen Zentrum der DDR-Spielzeugindustrie nur noch eine untergeordnete Rolle ein. In der Branche, die einst 9000 Mitarbeiter zählte, stehen heute nicht mal mehr 400 Arbeitnehmer in Lohn und Brot.

Dennoch glänzt das kleine Städtchen Sonneberg selbst mit einer Arbeitslosenquote von 3,3 Prozent. Bürgermeisterin Sibylle Abel (CDU) schwört auf ein freundliches Investitionsklima: "Jeder, der sich ansiedelt, wird von uns von A bis Z begleitet." Inzwischen hat der 22000 Einwohner zählende Ort immerhin vier Gewerbegebiete vorzuweisen.