Das Burger Rolandgymnasiums hat neue Kontakte zu einer Schule in Polen geknüpft: zum Katholischen Gymnasium von Stettin. 15 Mädchen und Jungen aus der polnischen Ostseemetropole besuchten ihre deutsche Schulfreunde und erlebten mit ihnen ein volles Programm.

Burg l "Ich gehe in die 2. Klasse", lässt Wiktor wissen. Da darf gestaunt werden. Wiktor ist ein ausgewachsener Junge von 14 Jahren. "Zweite Klasse und das im Gymnasium?".

Mit deutschen Sätzen, die Vokabeln unüberhörbar frisch gelernt, aber zu verstehen, klärt Wiktor den verblüfften Burger auf: "In Polen beginnt die Einstufung der Schuljahre an Gymnasien wieder neu. 2. Klasse entspricht der 8. Klasse bei Ihnen."

Die Erkenntnis war nicht die einzige, die sich die 15 polnischen Schüler und ihre 15 Schulkameraden des Rolandgymnasiums austauschen und speichern konnten. Vom Freitag bis zum heutigen Montag erlebten sie ein gefülltes Programm an Ereignissen, und Erlebnissen - mit Bürgermeistersprechstunde, Schulstundenteilnahme, Reisen nach Wolfsburg und Berlin, dem Sonntag in der Gastfamilie und eine Rallye zu Fuß durch die Ihlestadt.

"Wir freuen uns, dass es zum Frühjahr mit dem Besuch der neuen polnischen Freunden geklappt hat. Im Herbst war als Auftaktbesuch eine Delegation unserer Schule nach Stettin gefahren. Der Rhythmus von zwei Besuchen pro Jahr soll beibehalten werden", klärt Beate Seeger auf. Die Lehrerin für Sport und Geografie ist Mitorganisatorin der Kontakte zu den Polen.

"Ich gehe in die 2. Klasse. Das entspricht der 8. Klasse bei Ihnen."

Wiktor (14) aus Stettin

Brandneu sind die "Fäden" ins Nachbarland nicht. Eine Zeit führten sie nach Breslau an eine dortige Schule. Die Partnerschaft konnte aber nicht weiter gepflegt werden. "Verzichten auf polnische Freunde wollte unsere Schule keineswegs. Wir nahmen Verbindung mit dem deutsch-polnischen Jugendwerk auf und ließen uns das Stettiner Katholischen Gymnasium vermitteln", erzählt Beate Seeger.

An der Bildungseinrichtung wird als Zweitfremdsprache Deutsch unterrichtet, fügen die begleitenden polnischen Lehrerinnen Lucyna Osiewicz und Ewa Karp an, die selbst Deutschstunden abhalten. "Unsere 15 besten Deutschschüler wurden für die Reise nach Burg ausgesucht."

Bloßes Vergnügen war es nicht nur, was den Tagesablauf von Freitag bis heute bestimmt. Zwei Stunden Unterrichtsteilnahme wurden angeboten. Jeder polnische Gast konnte sich ein Fach aussuchen. Lehrreich war des Weiteren die Stadtrallye am Freitag.

Fünf gemischte Gruppen zu je drei Mädchen und Jungen machten sich mit einem langen Fragebogen auf den Weg durch Burg. Unter anderem sollte erkundet werden, wie viele Straßen von der Schartauer Straße abgehen, wie viele Schalter das Postamt hat oder was bei Bäcker Delorme ein Brötchen kostet. Beate Busse verschmitzt: "Herrn Delorme haben wir auf den Besuch nicht vorbereitet. Er wird bestimmt staunen, wenn polnische Kinder nach seinem Brötchenpreis fragen."

Aufschlussreich war ein Besuchspunkt im Rathaus nicht nur für die Stettiner Gymnasiasten. Von der "Schulstunde" bei Bürgermeister Jörg Rehbaum (SPD) hatten auch die "Roländer" etwas. Sie erfuhren Aufschlussreiches aus der Geschichte des 1000-jährigen Burg, über das Burg von heute und über den Arbeitsalltag eines Stadtoberhauptes. Rehbaum hatte die jungen Gäste so gut informiert, dass die Zeit für Fragen an ihn ganz kurz ausfiel.

Dennoch gab es ein herzliches Dankeschön - mit kleinen Gastgeschenken. Beate Busse: "Na ja, anfangs sind die Kinder immer zurückhaltend. Das wird sich schnell ändern. Zum Abschied am Dienstag werden sicherlich wieder einige Tränen kullern."