Loburg l "Keine Angst, was da geknackst hat, ist nicht das Bein sondern nur der Ring." Diesen Satz sagt Dr. Christoph Kaatz gerne, wenn ihm jemand beim Beringen der Jungstörche zuschaut. Dieses Mal ist es ein Filmteam aus Südkorea, das ganz genau hinschaut, wie der "Storchenvater" aus Loburg den Identifikationsring der Vogelschutzwarte Hiddensee am Oberbein eines kleinen Adebars anbringt.

In wenigen Tagen soll der Jungstorch einem Horst in Sachsen zugeführt werden, bei dem der Nachwuchs ausgeblieben ist. So geht das auf dem Loburger Storchenhof öfter: verwaiste Gelege werden zum Storchenhof gebracht, weil die Alttiere getötet wurden und die Loburger Patenpute "Erna" muss dann ran, um die Waiseneier auszubrüten. Manchmal werden auch abgestürzte Jungstörche zu Familie Kaatz gebracht, die dann die Aufzucht übernimmt. Damit die Mini-Adebare aber Wildstörche bleiben, soll spätestens der Flugunterricht dann in echten Storchennestern erfolgen. Dr. Christoph Kaatz und sein Sohn Michael kennen einige Horst-Adressen, bei denen die Jungstörche in den kommenden Tagen Pateneltern bekommen können.

16 Storchen-Teenager hatten die Mitarbeiter der Loburger Vogelschutzwarte in den zurückliegenden Wochen aufgenommen.

Am Mittwoch hatten die Loburger Adebare und ihre menschlichen Freunde sogar Besuch aus Fernost. Ein Kamerateam aus Südkorea dreht derzeit in Europa einen Film über die Störche. "Wir möchten unser Land wieder mehr für Störche sensibilisieren, nach dem diese Tiere bei uns seit gut 20 Jahren kaum noch vorkommen", sagt Mi Young Park, Reporterin des Senders Korean Broadcasting System. Schuld daran seien negative Umwelteinflüsse durch die Industrialisierung des Landes, sagt sie. In dem Land in Fernost werden derzeit Bemühungen unternommen, Störche von Menschenhand aufzuziehen und auszuwildern. Hier könnten die Erfahrungen aus Loburg von großem Wert sein. "Loburg ist bei uns durchaus bekannt. Familie Kaatz sind für uns Vorbildfiguren", sagen die Filmemacher aus Korea.

Dr. Michael Kaatz bestätigt, dass der "orientalische Stoch" inzwischen zu den fast ausgestorbenen Tierarten gehört. Der Ruhm des Loburger Storchenhofes im asiatischen Raum ehrt ihn, er weiß aber schon, dass die Dokumentarfilme über die Loburger Vogelschutzwarte unter anderem auch in Vietnam ausgestrahlt worden sind.

Mithilfe der Drehleiter der Möckeraner Ortsfeuerwehr war der Storchenexperte zuvor zu den Horsten von Magnus und Agatha sowie Jonas und Novi gefahren, um den Nachwuchs zu beringen. In beiden Horsten, auf dem Storchenhofgelände und an der Straße "Münchentor" in Loburg warten jeweils drei Störche auf die große weite Welt. Ob es Jungens oder Mädels sind, lässt sich so einfach nicht bestimmen.

Für weitergehende Untersuchungen nahm Dr. Michael Kaatz Speichelproben, die an das Robert-Koch-Institut geschickt werden sollen.