In jeder Zeit erlebt man Weihnachten ein wenig anders. Edit Stegelitz erinnert sich für die Volksstimme an "früher" und erzählt über Besenbäume, Weihnachtsromantik und Weihnachtsbäume an Ostern.

Königsborn l "Über ein schönes Oberhemd, Socken oder Taschentücher habe ich mich früher sehr gefreut", sagt Edit Stegelitz. Die 80-Jährige kann sich noch gut an Weihnachten in ihrer Kindheit und auch als junge Ehefrau erinnern.

"Zu Kriegszeiten schrieben ich und meine Mutter uns eifrig Briefe mit meinem Vater, der an der Front war und hofften, dass er an Weihnachten Urlaub bekommt", erinnert sie sich. Doch meistens blieb er dem Heiligen Abend fern. "Den Weihnachtsbaum haben wir dann nicht weggetan. Wir haben ihn auf die Kommode gestellt und ihn dort auch bis Ostern stehen lassen, falls es so lange dauerte, bis Vater nach Hause kam und ihn sehen konnte", erzählt sie.

Als er einmal vor Weihnachten beurlaubt wurde, ging ihr Vater mit ihr einkaufen. Sie wünschte sich eine Puppe, die ganz oben auf einer Pyramide in einem Geschäft saß. "Er griff nach ihr - kurz nach einer Dame. Die Verkäuferin gab sie aber meinem Vater", schmunzelt sie. "Mit dieser Puppe hab ich Friseur gespielt, bis sie eine Glatze hatte."

Als sie junge Mutter war, waren Puppen auch wieder ein Thema an Weihnachten. "Wir verdienten beide nicht viel, also haben wir vieles selbst gemacht", erzählt Edit Stegelitz. Da wurden Puppensachen gehäkelt, feine Stuben gebaut, Mini-Möbel mit Stoff bezogen. "Das Beisammensitzen und Basteln war schön und irgendwie romantisch", meint sie jetzt. Basteln tat ihr Mann gerne - auch am Baum. "Da kam er einmal mit einem Kleinbus, öffnete hinten die Türen und drin sah ich einen besenartigen Baum und viel Grün daneben. Jenes Weihnachten hatten wir den schönsten, gleichmäßigsten und dichtesten Baum", erzählt sie und lacht. Ihr Mann hatte den Stamm angebohrt und die Äste sorgsam eingesteckt.

Edit Stegelitz kann sich an viel Freude und Gesten an Weihnachten erinnern. Einmal bekam sie einen gebrauchten Puppenwagen aus der Verwandtschaft. "Den staffierte ich mit Stoff neu aus und dann war er auch wie neu. Und meine Tochter schob ihn dann ganz stolz durch die Gegend", erinnert sie sich. Als das Geld mal wieder knapp war, reichte es nur für eine Puppenwagen und einen Baukasten für den Sohn. "Das fand meine Schwiegermutter nicht gerecht aufgeteilt. Da hat sie ihre erste Rente gegeben, damit wir unserem Sohn einen Roller kaufen konnten."

Solche Geschichten ziehen sich durch ihre Weihnachtserinnerungen. Aber unvergessen bleibt ihr der Weg von Heyrothsberge nach Königsborn zu ihren Eltern. Der Weihnachtsabend war dunkel und es schneite. Sie ging gemeinsam mit ihrem Mann, ihrer Tochter auf dem Schlitten und ihrem Sohn im Wagen die Straße entlang. "Wie die Bäume weiß bedeckt waren, in den Stuben noch die Kerzen am Baum brannten und golden nach draußen funkelten, die Lichter im Schnee glitzerten, das werde ich nie vergessen. Das war Weihnachtsromantik."