Schon zwei Tage vor Silvester knallten gestern in Ihleburg die Sektkorken. Anlass war die Inbetriebnahme einer Biogasanlage mit angeschlossenem Blockheizkraftwerk.

Ihleburg/Parchau l Investor ist das Landgut Parchau. Die Vorstandsvorsitzende der Genossenschaft, Doris Buchheim, bezifferte die Gesamt-Investitionssumme auf 1,7 Millionen Euro. Baustart war am 7. September, so dass nur knapp vier Monate Zeit waren, um Futterstation, Fermenter, Substratlager und das Blockheizkraftwerk zu errichten und den Prozess der Biogaserzeugung und -umwandlung in Gang zu bringen.

Anlagenleiter ist Holger Erbrecht, gleichzeitig auch Aufsichtsratsvorsitzender der Landgut Parchau e.G. Er wird nun dafür sorgen, dass die Biogasanlage täglich mit bis zu 22 Tonnen Rinderfestmist und zehn Tonnen Mais gespeist wird. Aus diesen "Rohstoffen" werden bei Volllast 360 Kilowatt elektrische Leistung und 430 Kilowatt technische Leistung (Abwärme) erzeugt. Während die elektrische Leistung ins Netz eingespeist wird, soll die Abwärme, so die Planungen, interessierten Ihleburgern als Fernwärme zur Verfügung gestellt werden. Etwa 40 "Wohneinheiten" könnten mit der Abwärme der Biogasanlage beheizt werden. Ortsbürgermeister Josef Woska ist überzeugt davon, dass seine Ihleburger dieses Angebot annehmen werden, angesichts der Preisentwicklung bei Öl und Gas. Nach den Worten von Doris Buchheim ist geplant, Anfang nächsten Jahres den tatsächlichen Bedarf zu ermitteln, dann ein Projekt für das benötigte Leitungsnetz zu erstellen und die Fernwärmeanschlüsse 2012/2013 zu realisieren.

Die Ausgangsstoffe für die Biogasanlage des Landgutes Parchau kommen aus den eigenen Ställen und von den eigenen Äckern. Für den Mist sorgen 300 Milchkühe und 500 Jungrinder. Den für die Biogasanlage benötigten Mais baut die Genossenschaft auf 60 Hektar eigenem Land an. Insgesamt verfügt das Landgut Parchau über 1200 Hektar Flächen, davon 200 Hektar Grünland. Die Flächen befinden sich in den Gemarkungen Parchau, Ihleburg und Burg.

"Wir hatten schon länger über eine Biogasanlage nachgedacht", sagte Doris Buchheim am Rande der Inbetriebnahme. Allerdings war man lange Zeit davon ausgegangen, dass man dann die Hälfte der vorhandenen Ackerflächen mit Mais bestellen müsste, um genug Rohstoffe für die Anlage zu haben. "Als uns dann aber die Variante mit den über zwei Dritteln Mist als Rohstoff offeriert wurde, legten wir kurzentschlossen los", so die Vorstandsvorsitzende.

Die Biogasanlage soll für die landwirtschaftliche Genossenschaft neben der Milch- und der Pflanzenproduktion ein drittes Standbein mit kontinuierlichen Einnahmen werden. "Damit hoffen wir auch, die Preisschwankungen bei Milch besser ausgleichen zu können", so Doris Buchheim.

Durch die Biogasanlage konnte die Genossenschaft überdies einen neuen Arbeitsplatz schaffen. Die Neueinstellung sei bereits in der Bauphase der Anlage vorgenommen worden, erklärt die Vorstandsvorsitzende, da Holger Erbrecht in seiner Funktion als Anlagenleiter andere Aufgaben abgegeben habe. Die Genossenschaft, die elf Mitgliedern gehört, hat damit 19 Beschäftigte.