Das Neubauprojekt der Wobau in der Sandstraße 81 wird vermutlich wesentlich später realisiert werden als zunächst geplant. Grund dafür ist ein Gewölbekeller, den die Denkmalschutzbehörde gern erhalten hätte.

Gardelegen l Der Abriss wurde Ende Mai abgeschlossen: Seitdem klafft in der Sandstraße 81 eine Baulücke, gesichert mit einem Bauzaun. Der Giebel des Nachbargebäudes ist mit Holzbalken gestützt. Eigentlich sollten dort schon Bauarbeiten in Gange sein, denn die Wohnungsbaugesellschaft (Wobau) will an der Stelle ein neues Wohnhaus errichten. Eigentlich ... Das Projekt wird sich allerdings in der zeitlichen Realisierung deutlich verzögern. Grund dafür ist ein Gewölbekeller, ein Keller, den es unter vielen Häusern in der Innenstadt gibt. Die Denkmalschutzbehörde hätte diesen Keller gern erhalten. "Das ist aber aus statischen Gründen nicht machbar", sagte Wobau-Geschäftsführer Wolfgang Oelze. Der Keller sei nicht mehr stabil und würde der Belastung durch einen Neubau nicht standhalten. "Man kann da nichts drauf bauen", so Oelze. Die Wände seien aus Feld- und Bruchsteinen mit einem Lehm-Kalk-Gemisch gemauert. Das Gemisch löse sich langsam auf. Bei einer Belastung würden die Steine herausgedrückt. Genauso instabil sei auch das Wohnhaus gewesen, das seit zehn Jahren leer steht und aufgrund der enormen Schäden auch nicht mehr hätte saniert werden können. Deswegen habe der Denkmalschutz auch den Abriss genehmigt.

"Das wäre für uns allerdings nicht mehr bezahlbar."

Für den Keller gebe es nun zwei Möglichkeiten, zählte Oelze auf. Mittels Kernbohrungen könne eine selbsttragende Unterkonstruktion geschaffen werden, die, ähnlich wie bei Pfahlbauten, den Keller nicht belasten würde.

"Das wäre für uns allerdings nicht mehr bezahlbar", stellte Oelze klar. Diese Variante würde etwa 100000 Euro mehr als die zweite Möglichkeit kosten. Nämlich ein Verfüllen des Kellers mit Sand und Magerbeton. Diese Füllung allerdings müsse mit einer Naturschicht umhüllt werden. Diese Schicht erfülle einen besonderen Zweck: Der Beton verbinde sich nicht mit dem Kellergewölbe. "Sollten dann in 1000 Jahren dort archäologische Grabungen stattfinden, kann der Keller wieder freigelegt werden", erläuterte Oelze.

Mit dieser Variante sei die Denkmalschutzbehörde einverstanden. Mündlich habe es bereits eine Zusage gegeben. Die Kosten dafür würden zwischen 60000 und 70000 Euro liegen. Bedingung jedoch sei, dass zuvor ein Archäologe den Gewölbekeller dokumentiere, vermesse und untersuche. Die Denkmalschutzbehörde habe der Wobau drei, vier Archäologen empfohlen. Die seien jetzt angeschrieben worden, um Angebote einzuholen. "Wir haben keine Vorstellung, was das kostet und wie lange das dauert", sagte Oelze.

Danach soll dann zügig der Neubau begonnen werden. In diesem Jahr soll möglichst noch der Rohbau fertiggestellt werden, so dass die Innenarbeiten in den Wintermonaten ausgeführt werden können.

Der Neubau wird den örtlichen Gegebenheiten angepasst werden. Die Fassade wird, wie das alte Haus, einen Putz erhalten. Im Gebäude selbst werden vier Wohnungen entstehen mit einer durchschnittlichen Größe von 70 Quadratmetern. Drei Wohnungen befinden sich im Erdgeschoss und im Ober- und Dachgeschoss. Dazu kommt eine Maisonettenwohnung von der ersten Etage bis zum Dachgeschoss. Bäder und Küchen werden zur Straßenseite hin angeordnet, Schlaf- und Wohnzimmer zur Hofseite. Jede Wohnung soll einen Balkon mit Blick auf den Wall erhalten. Die Erdgeschosswohnung wird mit einer Terrasse ausgestattet.

Erhalten wird auch die offene Tordurchfahrt. Der Eingang zum Haus befindet sich auf der Hofseite.

Die Investitionskosten für den Neubau liegen bei etwa 700000 Euro - ohne Keller. Die Stadt Gardelegen beteiligt sich mit Fördergeld aus dem Städtebausanierungsprogramm des Landes an diesem Projekt der Wobau, die eine Tochtergesellschaft der Stadt ist (wir berichteten).