Die Deutsche Regionaleisenbahn (DRE) und die Kreisverwaltung wollen dem Kreistag während einer der nächsten Sitzungen ein Konzept zur Wiederbelebung der Bahnstrecke Salzwedel-Arendsee vorlegen. Letzte Absprachen dazu gab es gestern mit den Planern des Kreises.

Arendsee/Salzwedel. Rollen die Schienenbusse bald wieder auf der seit 2004 stillgelegten Bahnstrecke zwischen Arendsee und Salzwedel? So wünscht es sich jedenfalls die DRE. Die Deutsche Bahn AG hatte die Schienenverbindung bis Wittenberge bereits an die DRE übertragen. Die dem Bahnkundenverband nahe stehende Gesellschaft strebt seit Jahren eine Wiederbelebung zunächst bis Arendsee, später auch über Geestgottberg bis Wittenberge an. Inzwischen ist ein Konzept in Zusammenarbeit mit dem Kreis erarbeitet worden, das dem Kreistag während einer der nächsten Sitzungen vorgestellt wird. Letzendlich will die DRE damit den Schienenpersonennahverkehr als sogenannte Altmarkbahn reaktivieren.

Weitere Vorstellungen dahingehend betreffen die Strecke Salzwedel und Oebisfelde, und es ist auch im Gespräch, zwischen Salzwedel und Lüchow-Dannenberg eine Bahnverbindung zu schaffen. "Es ist gefragt worden, ob dafür im Altmarkkreis die Planungsfreiheit gegeben ist", berichtete Kreis-Dezernent Erhard Prehm. Das bedeute, dass die ehemalige Schienentrasse noch nicht anderweitig bebaut ist.

Dies sei allerdings die Phase drei der Planungen der DRE, wie deren Sprecher Jochen Reitstetter gestern erklärte. Denn zwischen Salzwedel und Lüchow gibt es anders als nach Wittenberge und Oebisfelde keine Schienen mehr. "Da wären Fördermittel vom Bund und von beiden Ländern erforderlich, das ist ein längerfristiges Vorhaben", so Reitstätter. Für die anderen beiden Projekte ist er wesentlich optimistischer. Vor allem zwischen Salzwedel und Arendsee sieht er im kommenden Jahr die Schienenbusse rollen, "da die Strecke gut erhalten und ertüchtigt ist". Und auch für die Bahnverbindung nach Oebisfelde gebe es gute Ausgangsmöglichkeiten.

Landrat Michael Ziche war da kürzlich skeptischer und verwies auf den ausgebauten Mittellandkanal als Hindernis. Dort müsste eine Schienenquerung erst geschaffen werden. Dieses Vorhaben ist für die DRE die Phase zwei bei der Reaktivierung der Altmarkbahn, erklärte der Sprecher.

Die Strecke zwischen Salzwedel und Arendsee, die in der Phase eins wiederbelebt werden soll, hatte das Land 2002 aus Kostengründen aufgegeben und nach massiven Protesten bis 2004 mit einem Wochenendbetrieb fortgeführt. Seit dem bediente die Personenverkehrsgesellschaft Salz- wedel (PVGS) den Abschnitt mit Bussen, erklärte Prehm. Die Busse fahren im Zwei-Stunden-Rhythmus und bieten über Heckgepäckträger die Möglichkeit, Fahrräder zu befördern. Den Kunden des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) sei es so möglich, regelmäßig von Salzwedel über Arendsee bis Wittenberge zu gelangen, informierte Prehm.

Seit Ende 2010 sei der Kreis in Zusammenarbeit mit der PVGS mit der DRE über eine Wiederaufnahme des Schienenverkehrs zwischen der Hanse- und der Seestadt im Gespräch. Inzwischen sei ein Konzept für den Betrieb mit Schienenbussen weit fortgeschritten, so Prehm. Auf Grundlage des Bad Schmiedeberger Modells ist vorgesehen, dass die DRE die Schienen bereitsstellt und der Kreis als Träger des ÖPNV den Schienenverkehr betreibt. "Somit wären Bus und Bahn in einer Hand", sagte Prehm. In Bad Schmiedeberg gebe es so ein Projekt bereits, erklärte Prehm. "Wir sollten an das Modell völlig unvoreingenommen herangehen", empfahl er. Entscheidend sei, was am Ende für die Kunden des ÖPNV herauskomme und dass der Bahnbetrieb finanzierbar sei. Ohne Fördergeld als Anschubfinanzierung von der Nahverkehrsgesellschaft Sachsen-Anhalt (NASA) - die das Projekt ebenfalls befürworten müsste - werde es vermutlich nicht gehen. Denn es müssen Schienenbusse gekauft werden und das Personal der PVGS ist zu schulen.

Zu entscheiden habe zunächst der Kreistag, dem belastbare Zahlen vorgelegt werden müssten, welche Vorteile der Schienenverkehr bringe. Es gebe ein Spannungsfeld zu dem erreichten hohen Qualitätsstandard des ÖPNV mit Bussen auf dieser Strecke.

Allerdings spielten weitere Faktoren wie der Schülerverkehr, Anschlussmöglichkeiten, Vertaktung oder Frequenz der Fahrten eine Rolle. Dazu hat es gestern weitere Gespräche mit dem Planer der DRE gegeben. Das Konzept sei von den Entscheidungsträgern "mit kühlem Kopf zu betrachten und wohlwollend zu prüfen, ob es tragfähig ist", sagte Prehm.

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